Zum Inhalt springen
  • Bewölkt: 85-100%3 °C
  • Kontrast

Fassadenbegrünung - Nutzen durch "grüne" Wände!

Die Begrünung von Hauswänden wird immer wichtiger - gerade in Zeiten des Klimawandels!

Fassadenbegrünung in Pforzheim (Foto: Bauer)

In verschiedenen Studien wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass speziell Fassadenbegrünungen beachtliche Verbesserungen von Stadtluft und Stadtklima bewirken können. Dieses Ergebnis stimmt mit der gefühlten Positivwirkung begrünter Fassaden überein, von der Bewohner und Anlieger begrünter Häuser häufig berichten. Letztlich gibt es kein technisches System, das vergleichbar vielfältige und nachhaltige Positivwirkungen auf engstem Raum und in unmittelbarer Hausnähe entwickeln kann. Auch hinsichtlich der Kosten für die Einrichtung sprechen viele Argumente für Fassadenbegrünungen.

Unter anderem sind folgende Wirkungen in Publikationen beschrieben und nachgewiesen:

Minderung der Strahlungsbelastung durch die Sonne

Eine Fassadenbegrünung schützt im Sommer vor intensiver Sonneneinstrahlung und kann je nach Begrünung 40% bis 80% der auftreffenden Sonnenstrahlung reflektieren bzw. im Blattwerk absorbieren. Die Fassade wird damit auch vor dem Einfluss der Wirkung von UV-Strahlung geschützt.

Minderung der Windbelastung

Das Blattwerk einer grünen Fassade verändert die Strömungsverhältnisse an der Bauwerksoberfläche erheblich. Durch eine dichte Begrünung bildet sich vor der Hauswand ein ruhiges Luftpolster aus.  Die Windgeschwindigkeiten liegen dort im Mittel unter 0,5 m/s. Eine gut funktionierende Fassadenbegrünung erreicht mit einem 5 cm dicken Luftpolster zwischen Blattwerk und Wand eine Wärmedämmleistung, die einem Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert, früher K-Wert) von 2,9 Watt pro m² x Kelvin entspricht und verbessert den Wärmedämmwert der Außenwand um 10 - 30%.

Milderung der Oberflächentemperaturen

Durch das Blattwerk wird die Strahlungsbilanz an der Hauswand verändert, das Luftpolster und die Verdunstung innerhalb der Fassadenbegrünung bewirken eine Veränderung der thermischen Bedingungen. An strahlungsreichen Sommertagen wurden die Tagesamplituden an begrünten Wänden im Vergleich mit unbegrünten um bis zu 30 Grad Celsius gedämpft. Im Winter lagen die Oberflächentemperaturen einer immergrünen Wand um ca. 2 Grad höher als die der unbegrünten. Die Fassadenbegrünung senkt die umgebende Lufttemperatur im Schnitt etwa um bis zu 5 Grad Celsius.

Grüne Fassaden verbrauchen im Sommer unerwünschte Wärme und sorgen für Luft- und Fassadenkühlung. Zum einen ist es die Wasserverdunstung, die Wärmeenergie verbraucht, zum anderen sind es die chemischen Prozesse. Im Bereich der Fassadenbegrünung kühlt die umliegende Luft ab und sinkt nach unten, es kann zu direkt fühlbarer Kühle kommen. Hitze wirkt umso schlimmer, je weniger Transpirationskühlung Abhilfe schaffen kann.

Fast noch wichtiger ist aber, dass damit die Entstehung stark erhitzter Luft gebremst wird und Luftgeschwindigkeiten im Bodenbereich reduziert werden. Es wird dann weniger Staub emporgewirbelt und die Smogbildung wird eingeschränkt. 

Schutz vor Schlagregen, Hagel, Schad- und Schmutzstoffen

Voll ausgebildetes Blattwerk verhindert die Schlagregenbelastung an der Hauswand. Das Wasser wird vom Blattwerk zurückgehalten und auch damit das vorschnelle Versickern bzw. Abfließen verhindert. Das langsamer dem Boden zugeführte Wasser wird dann von den Pflanzen leicht wieder aufgenommen. Eine zusätzliche Baufeuchte tritt nicht in Erscheinung.  Hagelschäden, Verschmutzung und Schadstoffe am Putz werden von der Wand ferngehalten.

Bindung von Kohlendioxid, Bildung von Sauerstoff

Kletterpflanzen binden Kohlendioxid aus der Luft und bilden Kohlenhydrate, also Zucker bzw. Fasern und Holzmasse. Nur in der Trockenmasse sind das pro Hauswand und Jahr dann 2-3 PKW-Tankfüllungen. Ein chemischer Begleiteffekt der Aufspaltung von Kohlendioxid und der Bindung von Kohlenstoff ist die Freisetzung von Sauerstoff, der sich über die Spaltöffnungen der Blätter in die Umgebungsluft verteilt.

Erhöhung der Luftfeuchte

Die Prozesse zur Bindung des Kohlendioxids brauchen gleichbleibend niedrige Temperaturen, deshalb muss Wärme abgebaut werden. Dies geschieht durch die fortwährende Verdunstung von Wasser über die Blattflächen in die Umgebungsluft. Durch das verdunstende Wasser erhöht sich die Luftfeuchtigkeit, und das über die Wurzeln emporgesaugte Wasser trägt zur Bautrocknung bei. Die Luftfeuchteveränderungen bei der Begrünung liegen im Winter bei Reduzierungsraten um bis 8% und im Sommer bei Zunahmen bis 20% gegenüber einer unbegrünten Wand. 

Staubbindung

Blätter binden Staub, insbesondere auch toxischen Feinstaub. Einmal auf der Blattoberfläche platziert, sind diese extrem kleinen Nano-Partikel kaum noch gefährlich und werden dann mit dem Regen abgewaschen oder mit dem Blattfall dem Boden zugeführt. 

Lärmschutz

Durch den Wandbewuchs wird der auftreffende Schall gedämpft, die Schallreflexion an der Wand wird gemindert. Ein Lärmschutzeffekt um das Gebäude und im Innern wird damit wirksam. 

Biologische Aspekte

Zahlreiche Studien zeigen, dass Städte im Vergleich zur umgebenden Landschaft z.T. wesentlich artenreicher sind (Gründe: Intensiv-Landwirtschaft, Pestizide, maschinengerechte Ausräumung der Landschaften, Siedlungsausdehnung u.a.). Zum Lebensraum der Arten in einer Stadt gehören insbesondere auch Fassadenbegrünungen (sie bieten z.B. Schutz vor Feinden, Nahrung, Nistplätze). Gehen auch in Städten Lebensräume verloren, dann wird das Umfeld in und außerhalb der Siedlungen trostloser.

Psychosoziale Wirkungen

Die Identifikation von Hausbewohnern mit Fassadenbegrünungen ist hoch. Daraus resultiert eine entsprechende Bedeutung im Rahmen von Wohnumfeldverbesserungen und Stadtentwicklung. Diese ergibt sich aus der Tatsache, dass Großstadtbewohner oft fehlendes Grün in ihrer Stadt bedauern. Fassaden und Dachflächen haben maßgeblichen Anteil an der optisch und emotional empfundenen Stadtumwelt. Begrünte Dächer und Fassaden helfen, das Arbeits- und Wohnumfeld naturfreundlicher und menschlicher zu gestalten. Dort, wo Pflanzen wachsen und z.B. Vögel leben, fühlt sich der Mensch wohl. Die Begrünung wertet das Gebäude optisch auf und ermöglicht eine ästhetische Gestaltung einer sonst unscheinbaren Fassade.

Wertsteigerung der Immobilie

Bei einem gesunden und gut entwickelten Fassadengrün erhöht sich in der Regel der Wert eines Gebäudes und sogar des ganzen Quartiers aufgrund der Ästhetik, der psychosozialen Wirkungen und ökologischen Wohlfahrtswirkungen.

Es wäre schön, wenn auch Sie an Ihrem Anwesen Wände begrünen würden! Informationen gibt es z.B. im Internet, in der Fachliteratur und bei Grünplanern.

Vielen Dank!