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"Unser tägliches Brot..."

In diesem Frühjahr reihte sich der Nachlass der Familie Saur in unsere Bestände ein (N 173). Die Familie war im 19. Jahrhundert engagiert im Bäckerhandwerk tätig. Die Anfrage (N 173 Nr. 24) des Verwalters der Heil- und Pflegeanstalt Josef Schuler aus dem Jahr 1898 an den Bäckermeister Karl Saur um einen Kostenvoranschlag über die jährliche Brotlieferung gibt Aufschluss über den Bedarf der Institution: 100 000 Laib Schwarzbrot (1kg), 2300 mürbe Bretzeln, 18 000 Dampfnudeln und 130 000 Milch- und Wasserwecke (Brötchen). Fraglich ist allerdings, ob diese Anfrage auch einen Auftrag nach sich zog oder nur zur eigenen Kostenanalyse des Brotverbrauchs diente, denn laut der Personalaufstellung beschäftigte die Heil- und Pflegeanstalt auch zwei Bäcker. Laut Adressbuch der Stadt Pforzheim lebten 1898 insgesamt 580 Pfleglinge in der großherzoglichen Anstalt. Wenn das Brot nur für die „Insassen“ und nicht auch für die ca. 125 Personalstellen verwendet wurde, so verzehrte jeder täglich allein 0,47 kg Brot und 0,6 Milch- oder Wasserwecke. Mürbe Bretzeln wurden jährlich etwas weniger als vier Stück gegessen, allerdings dafür ungefähr 31 Dampfnudeln pro Person und Jahr verspeist.

 Die ebenfalls vorhandene Kalkulation des Bäckers gibt nicht nur den Selbstkostenpreis von 25,2 Pfennig und die Zusammensetzung für einen Laib Brot wieder, sondern auch den veranschlagten Preis für die Anstalt in Höhe von 26,5 Pfennig sowie die der anderen Weißwaren. Rechnet man das Einkommen eines Pforzheimer Arbeiters in der Schmuckindustrie von circa 110 Mark pro Monat im Jahr 1903 um und nimmt den Brotpreis und den täglichen Verzehr der Pfleglinge als Grundlage, so verbrauchte eine fünfköpfige Familie 18 Prozents ihres Monatseinkommen für das tägliche Brot. Brot war und ist ein Grundnahrungsmittel der Menschen.