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Zur ersten urkundlichen Erwähnung Huchenfelds und Würms

Die hier gezeigte Urkunde aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe (Bestand 46 Nr. 9) enthält die älteste bekannte jahresgenau datierbare urkundliche Erwähnung Huchenfelds und Würms.

Am 29. August 1263 schenkten die Brüder Berthold und Belreimus von Weißenstein ihrem Lehnsherren, dem Markgrafen Rudolf I., die Burg Liebeneck und das Dorf Würm (villa Wirme) mit allen den damit verbundenen Rechten. Das Dorf Huchenfeld (villa Hủchenvelt) vergaben sie als Lehen an ihre Untertanen Konrad Kolbe, Berthold Widener von Ingersheim, Liutwin von Glattbach, Siboto von Hule, Albert von Helfenberg und Konrad und Siboto, Brüder von Schönau. Sie stellten ihren Untertanen aber frei, das Lehen, falls gewünscht, ebenfalls an Rudolf I. zu übergeben.

Für das Dorf Huchenfeld existiert eine vermutlich ältere, aber nicht genauer datierbare, urkundliche Erwähnung im „Codex Hirsaugiensis“ . Dieser lässt sich in vier Hauptabteilungen untergliedern, die Nennung Huchenfelds findet sich in der vierten Abteilung, einem Verzeichnis der Schenkungen und Erwerbungen. Der Codex ist ein Schenkungsbuch des Klosters aus dem 15. Jahrhundert. Es beruht auf ältere Schriften, die vermutlich auf die Zeit kurz vor 1188 zurückgehen. Daneben gibt es die sogenannten „Traditiones Hirsaugiensis“, bei denen es sich um undatierte Eintragungen aus der Zeit vor 1188 bis zurück in das späte 11. Jahrhundert handelt. Eugen Schneider hat in seiner Edition des Codex aus dem Jahr 1887 für die Nennung Huchenfelds den Zeitraum „um 1100“ vorgeschlagen, diese Einschätzung wird auch in heutigen wissenschaftlichen Kreisen anerkannt. Obwohl Huchenfeld also auf jeden Fall älter ist, bleibt die Erste auf das Jahr genau datierbare Nennung die hier vorgestellte Urkunde des Jahres 1263.

Aufbau der Urkunde zur ersten Nennung Huchenfelds im Jahr 1263

Der Urkundenanalyse liegt die Übersetzung des Urkundentextes durch Herbert Ruff zugrunde.

Mittelalterliche Urkunden weisen meist eine typische Strukturierung auf, die auch an der hier vorliegenden Urkunde nachvollzogen werden kann. Die grobe Einteilung einer Urkunde sieht ein Protokoll, den Hauptteil oder Kontext und das Eschatokoll vor. So gut wie jede mittelalterliche Urkunde beginnt im Protokoll mit der Invocatio, der Anrufung Gottes, in der vorliegenden Urkunde ist sie mit

„Im Namen des Herrn“

sehr kurz gehalten. Es folgt die Intitulatio, die Nennung der Aussteller einer Urkunde:

„Wir, die Brüder Berthold, der Vogt und Belrem von Weißenstein […]“

Normalerweise folgt hierauf die Inscriptio, die Nennung des Empfängers der Urkunde, was aber wie im vorliegenden Fall öfters auch ausgelassen wurde. Ebenfalls zum Protokoll gehört die sogenannte Arenga Sie bezeichnet eine religiöse Begründung der Urkundentätigkeit. Eine solche fehlt in der vorliegenden Urkunde allerdings. Somit endet das Protokoll und es beginnt der Hauptteil der Urkunde, der Kontext. Er beginnt mit der Promulgatio, einer Verkündigungsformel, hier der Abschnitt: 

„ […] wünschen auf Empfehlung aller Anwesenden, dass durch eine Urkunde bekannt gemacht wird, und Ihnen dieses Schriftstück gegeben und darin dargelegt wird, […]“

In der Narratio werden anschließend die genauen Umstände, die zur Ausstellung der Urkunde führten, beschrieben:

„ […] dass wir nach sorgfältiger Erwägung dessen, was wir unserem Herrn, dem Markgrafen Rudolf von Baden, aufgrund unseres Treueides und unserer Vasallenpflicht schuldig sind, und auch in Anerkennung dessen, was uns von ihm und seinen Vorfahren an Wohltaten zuteil geworden ist und wir dazu zu Gegenleistungen verpflichtet sind, […]“

Hierauf folgt der eigentliche, rechtskräftige Teil der Urkunde, die Dispositio, in der der eigentliche Rechtsvorgang der Urkunde mitgeteilt wird:

„[…] uns entschieden haben aus freien Stücken alle Rechtsansprüche, welcher Art sie auch sind, die wir jemals auf der Burg Liebeneck hatten oder noch haben, in die Hände unseres genannten Herrn zu übertragen und zu überweisen. Und wir sind Willens und darauf bedacht, dass die ganze Herrschaft und der uneingeschränkte Besitz sowohl der genannten Burg als auch des Dorfes Würm (in der Urkunde Wirme gennant) […]“

An dieser Stelle folgt innerhalb der Dispositio die sogenannte Pertinenzformel, eine Aufzählung aller einzelnen Rechte. Es wird immer ein gesamter Katalog an Gütern, an denen Rechte übertragen werden, genannt, auch wenn zu dem speziellen Besitz zum Beispiel keine Mühlen gehören:

„[…] einschließlich Gebäuden, bestellten und unbestellten Feldern, Lehnsleuten und Leibeigenen, Wiesen und Weiden, Wegen und Pfaden, Gehölzen und Gebüschen, Mühlsteinen und Mühlen, stehenden und fließenden Gewässern, Fischfang und Jagd [...]“

Die Urkunde geht mit der Disposito weiter:

„[…] und dazu mit allen Rechten, die auf irgendeine Weise mit dieser Burg verbunden sind, uneingeschränkt unserem Herren gehören sollen. Und wir verzichten auf alle Ansprüche, auf Nutzen und Lehenshoheit, Besitz und Herrschaft, die wir an dem Genannten innehaben, und die uns, wie erwähnt wurde, zustanden. […]“

Nach diesem Schenkungsakt folgen noch Ausnahmebestimmungen:

„[…] Aber das Dorf Huchenfeld (Hủchenvelt) das ebenfalls unserer Herrschaft untersteht, überlassen wir in Form eines Lehens den unten angeführten Personen, nämlich: Konrad, genannt Kolbe, Sohn des Ritters Albert Kolbe, der auf der Burg Fürsteneck (vurstenecke) wohnt, Berthold Widener genannt, von Ingersheim, Leutwin von Glattbach, Sibotto von Hule, Albert von Helfenberg, den Brüdern Konrad und Sibotto von Schönau. Und wir wollen, dass sie die Verpflichtung, die sich aus diesem Lehensverhältnis ergibt, uns gegenüber einhalten. Wir erlauben aber und sind damit einverstanden, dass die genannten Personen frei entscheiden können, das genannte von uns als Lehen überlassene Dorf in die Hände und die Herrschaft unseres mehrfach genannten Herrn, des Markgrafen, zu übertragen, und der uns geleistete Lehenseid dem nicht entgegensteht.[…]“

Streng genommen werden in dieser Dispositio also gleich zwei Rechtsakte vorgenommen. Nach der Dispositio folgt die sogenannte Sanctio, eine Strafandrohung bei Zuwiderhandlung gegen die in der Urkunde festgesetzten Regelungen. Eine solche fehlt aber in der vorliegenden Urkunde. Der nächste Abschnitt der Urkunde nennt sich Corroboratio, eine Beglaubigung der Urkunde durch den Siegelbefehl und eine Zeugenliste:

„[…] Damit aber das, was aufgeführt ist, als Einzelpunkt oder als Ganzes sicher und unveränderlich bleibe, wird die vorliegende Urkunde mit unserem Siegel und dem der edlen Konrad von Rosswag, Reinhard Kimo von Baden und Bertholds von Remchingen bestätigt. Da ich, Belrem, kein eigenes Siegel habe, bin ich damit einverstanden, dass das Siegel meines Bruders Berthold, des Vogts auch für mich angehängt wird.[…]“

Damit endet der Kontext der Urkunde und es folgt das Eschatokoll, das aus einer Signumzeile (vergleichbar mit einer Unterschrift, allerdings nicht vom Aussteller eigenhändig geschrieben), einer Rekognitionszeile (eine Bestätigung eines Notars oder Kanzlers), der Datierung und der Apprecatio (ein abschließender Segenswunsch) bestehen kann. Die vorliegende Urkunde endet lediglich mit der Datierung und einer abschließenden Zeugenliste:

„[…] Geschehen ist dies bei Ettlingen am 29. August 1263 in Anwesenheit derjenigen, deren Siegel an die vorliegende Urkunde angehängt sind, und auch in Anwesenheit von Konrad von Rothe, Hugo von Werenwaag, den Rittern Siegfried von Ötigheim und Burkhardt, genannt Burner, Heinrich von Berghausen und Walter von Eberstein, den Schreibern des Markgrafen, Konrad, dem Vogt von Remchingen, Bligger von Steinbach und noch mehreren Anderen, die sich durch Zuverlässigkeit ausgezeichnet haben.“

Zeitlich fällt die Urkundenausstellung in das Interregnum, also die Zeit nach dem Tod des letzten Staufers Friedrich II. im Jahr 1250 bis zur Thronbesteigung Rudolfs von Habsburg 1273. Während dieser Zeit gab es keinen Kaiser und auch die von den Kurfürsten gewählten Könige hatten nur wenig Macht und somit auch nur geringen Einfluss auf die Entwicklungen innerhalb des Reiches. Hierdurch wurde der Ausbau der Territorialherrschaft der Landesfürsten begünstigt. Markgraf Rudolf I. gilt als der Begründer der Markgrafschaft Baden und hat in seinem Leben viele Besitzungen, auch auf kriegerische Art, erworben. Da die Zeiten insgesamt unruhig waren und Rudolf I. expansiv ausgerichtet war, könnte es also auch durchaus sein, dass die Brüder Weißenstein ihren Besitz aufgegeben haben um einen Krieg zu vermeiden oder weil sie sich nicht stark genug fühlten, all ihre Besitzungen gegen Übergriffe zu schützen. Dagegen spricht allerdings das in der Literatur vorherrschende Charakterbild Rudolfs I., das ihn als einen frommen und mildtätigen Menschen zeichnet und das auch in der Urkunde durch die Wohltaten, die die Brüder Weißensteins durch den Markgrafen erhalten haben, bestätigt wird. Es bleibt festzustellen, dass eine genaue Begründung für die Schenkung vermutlich nicht mehr nachvollziehbar ist.