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Malerische Postkarten

Die Versendung von Postkarten mit eigenen Fotos ist heutzutage sehr beliebt, nachdem viele Anbieter die Karten unkompliziert und preiswert herstellen. Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht und sie war schon vor fast 100 Jahren bei der Frontpost von Soldaten im Ersten  Weltkrieg gang und gäbe. Noch kreativer sind allerdings Postkarten, die mit selbst gezeichneten Motiven geschmückt sind. Hier sind zwei schöne Beispiele aus unserer Handschriften- und Autographensammlung (Stadtarchiv Pforzheim, S 26-154 Adolf Hildenbrand an L. Lenz) zu sehen.

Bei dem dynamischen Maler an der Staffelei handelt es sich vermutlich um ein Selbstportrait des Künstlers Adolf Hildenbrand (1881-1944). Er war Maler, Graphiker, Emailleur und Professor an der Kunstgewerbeschule in Pforzheim. Seine Werke, vorwiegend im expressionistischen Stil, wurden in Ausstellungen in Karlsruhe, Baden-Baden und Zürich gezeigt. Im Jahr 1933 suspendierten ihn die neuen Machthaber jedoch recht schnell von seiner Lehrtätigkeit und brandmarkten später einige seiner Bilder als „entartet“. Im umfangreichen Nachlass von Hildenbrand fanden sich 450 Gemälde und 6000 Aquarelle und Zeichnungen.

Das „Wiener Madl“ als Neujahrsgruß vom 4. Januar 1900 verdankte seine Reise nach Pforzheim dem Zeichenstift des Architekten Robert Brenner (1875-1937), adressiert ist die Karte an den mit ihm lange Zeit in Bürogemeinschaft tätigen Architekten Ernst Maler.

Brenner, in Pforzheim geboren und gestorben, studierte an der Königlich Wüttembergischen Baugewerkschule Stuttgart und war Mitarbeiter in Architekturbüros in New York und in der Schweiz. Zu seinen Werken zählen die Fabrikgebäude Wolff in der Hohenzollernstraße, Scholl in der Poststraße (heute Pforzheimer Zeitung) oder die Villa Bode in Büchenbronn.

Weitere Ausführungen und  Aufzählungen zu Leben und Werk von Robert Brenner finden sich bei Christoph Timm: Pforzheim. Kulturdenkmale in den Ortsteilen, Heidelberg u. a. 2006.