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Im Jahre 2011 erhielt das Stadtarchiv Pforzheim den außergewöhnlichen Nachlass der Familie Fahrner. Den Pforzheimern ist die Schmuckfirma Theodor Fahrner ein Begriff. Zu Zeiten von Theodor Fahrner senior (1823-1883)  wird die Fabrik als Ringfabrik geführt. Vor der Wende zum 20. Jahrhundert hat Theodor Fahrner junior (1859-1919) zahlreiche Patente und Gebrauchsmuster angemeldet. Der Durchbruch gelang ihm schließlich mit der Präsentation der von Max J. Gradl entworfenen Schmuckstücke auf der Pariser Weltausstellung 1900, auf der er mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Die Bijouteriewarenfabrik Theodor Fahner wurde vom Juwelier Gustav Braendle (1883-1952) aus Esslingen gekauft und unter dem Namen „Bijouteriewarenfabrik Gustav Braendle, Theodor Fahrner Nachfolger“ weitergeführt. Dabei wurde auch die Marke „Fahrnerschmuck“ weiter verwendet.

Der Nachlass Fahrner besteht hauptsächlich aus Briefen an den ausgewanderten Bruder von Theodor Fahrner – Friedrich, genannt Fritz, die ihren Weg nach mehr als 100 Jahren in die alte Heimat zurückfanden. In den Briefen nach Amerika wird die Lebenssituation aller Familienmitglieder manchmal sehr genau und schonungslos beschrieben.

Im Brief vom 5./6. Januar 1870 schreibt der Vater Ludwig Fahrner aus Ludwigsburg an seinen im Jahre 1854 ausgewanderten Fritz in „Pinselphanien“, so die Schreibweise des Vaters Ludwig, der sich extra ein geographisches Werk zulegte, weil er Ridgeway, den Wohnort  seines Sohnes, nirgends fand. Neujahrswünsche sind verständlicherweise nicht darin enthalten, weil der Brief  wohl längere Zeit unterwegs war.

Zuerst berichtet er Ludwig Fahrner über den wirtschaftlichen und privaten Erfolg von Theodor in Pforzheim in den letzten 16 Jahren, der es von einer kleinen Firma in einem Gebäude am Schulplatz zu einer stattlichen Firma mit Wohnung in der Nähe des Bahnhofs brachte. Erhalten geblieben ist eine Gartenansicht eines Neubaus von Theodor Fahrner in der Luisenstraße 52 aus dem Jahr 1909. Der stolze Großvater berichtet auch vom reichen Kindersegen des Theodor Fahner. Einziger Wermutstropfen war, dass sich unter den sieben Kindern neben sechs wohlgeratenen Töchtern nur ein Sohn befand, der erwähnte Theodor junior.

Begeistert beschreibt Ludwig Fahrner aber auch den neuen Bahnhof in Stuttgart mit einem Tunnel zum Postgebäude oder er berichtet über die Errungenschaft der Wasserleitung in Ludwigsburg, die mit Hilfe einer Dampfmaschine Wasser bis in den ersten Stock lieferte.

Möge für Sie, liebe Leser, das Jahr 2012 ebenso erfolgreich werden wie für Theodor und Ludwig Fahrner das Jahr 1870.

Das Stadtarchiv Pforzheim wünscht Ihnen und Ihrer Familie ein glückliches und gesundes Jahr 2012.

Quellen: Brigitte Leonhard, Dieter Zühlsdorff (Hrsg.): Theodor Fahrner. Schmuck zwischen Avantgarde und Tradition, Stuttgart 1990; Wikipedia Seite Theodor Fahner, Letzter Zugriff: 19. Dezember 2011 [http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Fahrner].