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100 Jahre Emma-Jaeger-Bad unter Hervorhebung des Hundebades

In Texten aus der Entstehungszeit des altehrwürdigen Stadtbades finden wir vieles, was heute skurril klingt. Das „Emma“ war als Winterbadeanstalt gedacht, wobei es bis zu seiner Eröffnung in Pforzheim auch keine ordentliche Sommerbadeanstalt gab, obwohl  die Stadt an drei Flüssen liegt.

Der Bau wurde unterstützt von der „hochherzigen Stiftung einer Pforzheimer Bürgersfrau, der Frau Emma Jaeger“. Emma Jaeger (1830-1900), die nach kurzer Ehe kinderlos verstarb, stiftete ihr Vermögen in Höhe von einer Million Goldmark der Stadt und mehreren Vereinen (heute entspräche ihre Stiftung rund 10 Millionen Euro). Für den Bau des Volksbades hinterließ sie 500 000 Mark. Bereits im Jahr 1890 wurde über den Bau eines Bades nachgedacht, der Rathausbrand bzw. -neubau, der Bau des Elektrizitätswerks und des Saalbaus ließen das „Badeprojekt“ baden gehen. Natürlich fehlten vor der Stiftung auch die nötigen Mittel.

Der Grundgedanke der Stifterin war, der Gesamtbevölkerung ein gutes, schönes und dabei doch billiges Bad zu schaffen. Ein zeitgenossischer Ausspruch über den Zweck des Bad war: ein körperlich kräftiges, den Unbilden der Arbeit und des Lebens gewachsenes Geschlecht heranziehen, dem Starken die Kraft zu erhalten und den Schwachen zu stärken.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Schwimmen nur ein Teil des Angebots der Badeanstalt. Badezimmer waren nur in den wohlhabenden Häusern zu finden, und so musste entweder im Zuber in anderen Räumen gebadet werden oder…! So fand man im Tarif von 1911 Wannenbäder, Schwitzbäder, Medizinische Bäder, Brausebäder, Luft- und Sonnenbäder und – zu unserem Erstaunen auch – Hundebäder.

Bei der Beratung über das Bauprogramm wurde lange darüber diskutiert, ob es eine besondere Frauenschwimmhalle geben sollte oder nicht, „jedoch die Rücksicht auf die notwendige Förderung der Gesundheitspflege, gerade beim weiblichen Geschlecht, überwand die finanziellen Bedenken“ so der Originalton aus der Denkschrift zur Einweihung. Da die Einrichtung eines Hundebades weniger kostenintensiv war, wurde darüber anscheinend nicht eingehender diskutiert.

Das Archivale des Monats November ist ein Auszug aus der Haus- und Badeordnung nebst Tarif aus dem Jahr 1911.

Die Notwendigkeit von Hundebädern an sich ist unumstritten. Je nach Größe des Hundes und später auch nach Länge der Haare staffelten sich die Preise. Im Jahre 1911 musste „Herrchen“ zwischen 60 Pfennig und 1 Mark für ein Hundebad bezahlen. Wie aus den Tarifen zu entnehmen ist, wurden auch die Aufgaben der heutigen Hundesalons als städtische Dienstleistung angeboten. Eine kleine Bemerkung am Rand – auch die Pforzheimerinnen konnten sich zu fast gleichen Preisen die Frisur richten und das Haar waschen lassen.

Die Haus- und Badeordnung aus dem Jahr 1911 enthält detaillierte „Bestimmungen über das Hundebad“:

§ 32 Bösartige Hunde sind während des Badens mit einem Maulkorb zu versehen, und sofern bei größerem Hunde Beihilfe erforderlich, hat diese der Eigentümer zu leisten.

§33 Kranke und krankheitsverdächtig Hunde werden zum Baden nicht zugelassen. Für jeglichen Schaden, der durch Hunde verursacht wird, hat der Besitzer aufzukommen. Sollen Hunde nach dem Bade länger als ½ Stunde im Zwinger verbleiben, so ist eine Einstellungsgebühr von 20  Pfennig pro Stunde zu entrichten. Länger als 3 Stunden darf ein Hund im Zwinger nicht verbleiben, auch bei Entrichtung der Gebühr.

Offiziell wurde das Hundebad am 24.09.1912 in Benützung genommen.

Nach der Zerstörung des Stadtbades im Zweiten Weltkrieg öffnete das Hundebad im Jahre 1951 wieder und schloss seine Tore laut mündlicher Überlieferung erst im Jahr 1967. Der Eingang für das Hundebad ist heute noch vorhanden und sogar künstlerisch gestaltet - womöglich damit der Hund auch den richtigen Eingang fand?

Quellen:

- Denkschrift über den Neubau des Stadtbades „Emma-Jaeger-Bad“ in Pforzheim. Hrsg. zur Einweihung des Gebäudes im November 1911. Pforzheim 1911.

- Rückblick über die Entwicklung des Städtischen Hochbauwesens der Stadt Pforzheim. Hrsg. von der Stadt Pforzheim. Pforzheim 1919.

- Timm, Christoph: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Heidelberg 2004.

-  Verwaltungsbericht und Statistik der Stadt Pforzheim 1945-1952. Das Stadtgeschehen 1939-1945. Hrsg. von der Stadtverwaltung. Zusammengestellt und bearbeitet vom Statist. Amt. Pforzheim [1953].