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Ein Leben in Schönheit

Die ausgewählte Archivale des Monats Juni ist Teil der neuen Dauerausstellung des Stadtarchivs, die anlässlich des Tages der offenen Tür am 14. Mai 2011 im neuen Archivgebäude eröffnet wurde.

Die Ausstellung mit dem Titel „Ein Leben in Schönheit – Pforzheimer Jugendstilmalerei von Adolf Scherberger (1874-1945)“ zeigt nur einen kleinen Teil des handwerklichen Schaffens des Dekormalers aus den Jahren um 1895 bis ca.1920. „Archive“ von Handwerksbetrieben sind – nicht nur in Pforzheim – ausgesprochene Raritäten. Die Firma Scherberger war im Bereich der Dekormalerei führend in Pforzheim, das zeigt vor allem die Prominenz unter den wenigen bekannten Auftraggeber wie Dr. August Benckiser, Oberbürgermeister Ferdinand Habermehl und Emil Kollmar. Jugendstilkünstler und ihre Auftraggeber legten auf künstlerische und individuelle Gestaltung in allen Lebensbereichen sehr viel Wert. Ein „Leben in Schönheit“ kann als Devise des modernen Menschen angesehen werden, zumindest derer, die es auch finanziell ausleben konnten. Aufwendig gestaltetes Interieur fand man oft in Pforzheimer Fabrikantenvillen und in den Häusern anderer Oberschichtangehöriger; Glasfenster, Wandvertäfelungen, Majolika, Glasmalereien und eben die Dekormalereien waren dort die häufigsten Gestaltungselemente.

Peter Scherberger, ein Enkel von Adolf Scherberger, übergab den Nachlass der Familie dem Stadtarchiv im Jahr 2009; die Sparkasse Pforzheim-Calw unterstützte die Restaurierung der Entwurfszeichnungen.

Unser Bild zeigt den Entwurf für die Eckzimmerdecke der Villa Dr. August Benckiser (Westlichen Karl-Friedrich-Straße 91); ein Deckenspiegel mit Stuckrosette und Stuckfriesen sollte die Blicke auf sich ziehen. Die Zeichnung mit Jugendstilvignetten und Rosenmotiven ist um das Jahr 1902 entstanden. Im Nachlass befinden sich auch drei weitere Entwürfe für die Ausgestaltung von Schlafzimmern der Villa Benckiser (Stadtarchiv Pforzheim, N 141 Nr. 18).

Dr. August Benckiser (1863-1925), der Auftraggeber der Entwürfe, leitete die Firma Benckiser von 1894 bis zu ihrem Verkauf an Theodor Pitzmann und August Pfeiffer im Jahre 1910.

(Stadtarchiv Pforzheim, S 1 Nr. 29/Benckiser, August 1)