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Neben Erasmus von Rotterdam zählt Reuchlin zu den wichtigsten europäischen Humanisten. Eines seiner Hauptanliegen war es, durch Sprachenstudium die lateinischen, griechischen und hebräischen religiösen und philosophischen Urtexte wieder zu erschließen. Damit wurde er zu einem der Vorläufer der Reformation. Heute gilt Reuchlin als Vorbild der Toleranz und des interreligiösen Dialogs, da er sich vehement für den Erhalt des jüdischen Schrifttums einsetzte.

Die Stadt Pforzheim hat es sich seit Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, das Andenken an Johannes Reuchlin zu pflegen. Reuchlins wertvolle Bibliothek wurde einst im spätgotischen Anbau der Schloßkirche aufbewahrt, dem "Reuchlinkolleg". Dieser Ort galt bereits im 16. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit. 1922 richtete die Stadt Pforzheim ein Reuchlinmuseum ein. Beim Luftaufgriff am 23. Februar 1945 wurden Reuchlinkolleg und Reuchlinmuseum total zerstört. Das "Reuchlinkolleg" an der Schloßkirche wurde von 2006-08 durch die Freunde der Schloßkirche e.V. für das Museum Johannes Reuchlin wiederaufgebaut. Heute ist das Museum Johannes Reuchlin ein Museumsbau, der in seiner Raumwirkung historische Spuren und moderne Ausstellungspräsentation vereint.

Seit 1955 verleiht die Stadt Pforzheim außerdem alle zwei Jahre den Reuchlinpreis für hervorragende geisteswissenschaftliche Leistungen; ebenfalls im 2-Jahres-Turnus finden wissenschaftliche Reuchlinkongresse statt. Von 1994 bis 2007 bestand mit den Forschern Matthias Dall’Asta und Dr. Gerald Dörner die Reuchlin-Forschungsstelle, die den vierbändigen kommentierten Briefwechsel des Humanisten bearbeitet und zum Druck vorbereitet hat.