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Schöner, Wilhelm (Kriegsgegner, Kritik am NS, SPD)

Wilhelm Schöner ist am 4.2.1877 in Königsbach geboren. Seine Frau Luise und er wohnen in Ispringen. Er ist von Beruf Maurer. Vor 1933 ist er 15 Jahre Mitglied des Bürgerausschusses für die SPD. 1933 muss er aus der Freiwilligen Feuerwehr ausscheiden, „weil er beim Singen der Nationalhymnen* die Hand nicht erhoben hatte“. Im Juli 1935 wird er wegen „groben Unfugs“, gemeint sind „abfällige Äußerungen über den Führer“, für 4 Wochen ins Gefängnis in Pforzheim gesperrt. Zwei Jahre später wird er denunziert, er habe am 30.5.1937 in der Bahnhofsgaststätte in Ispringen gesagt: „Dr. Goebbels hat gesagt, wir sind die demokratischste Republik, da stimmt etwas nicht. Das ist ja alles Lug und Trug, was die in die Welt hinausposaunen; es ist noch nicht aller Tage Abend gewesen.“ Außerdem habe er gesagt, die deutsche Presse bringe nicht die Wahrheit. Am 14.6.1937 sperren ihn die Nazis wegen des Verdachts, er habe gegen das „Heimtückegesetz“* verstoßen, in das Gefängnis in Pforzheim. Am 17.9.1937 verurteilt ihn das Sondergericht Mannheim wegen „Heimtücke“ zu 5 Monaten Haft, abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft und „schon verbüßter 11 Tage und 5 Minuten“. Nach der Verurteilung wird er wieder ins Gefängnis Pforzheim transportiert und am 17.11.1937 entlassen. Das Sondergericht verzichtet auf die Anordnung der „Schutzhaft“* nach der Entlassung, er muss sich jedoch sofort bei der Gestapo Pforzheim melden.

Vom 30.8. bis 2.10.1940 ist er wieder im Gefängnis in Pforzheim eingesperrt, diesmal wegen „Wehrkraftzersetzung“*. Er war denunziert worden, er habe am 25.8.1940 in der Wirtschaft „Zum Rössle“ in Ispringen gesagt: „Den Krieg hätten wir nicht gebraucht, denn es ging uns gut, wir führen nur Krieg wegen einem Mann“, kommentiert in der Klageschrift: „womit er offensichtlich den Führer meinte“. Das Sondergericht Mannheim verurteilt ihn am 7.10.1940 zu 1 Jahr Gefängnis, da er die Absicht gehabt habe, mit seinen zersetzenden Äußerungen gegen die derzeitige Kriegsführung und gegen den Krieg als solchen Stimmung zu machen“. Am 7.9.1941 wird er aus dem Gefängnis Rottenburg entlassen.

Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt.


 

* Nationalhymnen: Ab 12.7.1933 ließen die Nazis nach der 1. Strophe des „Deutschland-Liedes“ das „Horst-Wessel-Lied“ singen


 

Quellen

GLA KA 507 – 1539-40;

GLA KA 507 – 3422-24;

GLA KA 509 - 6918

GLA KA 509 - 6211

GLA KA 507 – 3422-24;

GLA KA 509 - 6918

GLA KA 509 - 6211