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Kappes, Heinz (evangelisch, SPD)

Heinz Kappes ist am 30. November1893 in Fahrenbach im Odenwald geboren. Er studiert Theologie und Orientalistik und ist von 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger hochdekorierter Offizier (Eisernes Kreuz II. und I. Klasse, Zähringer Löwenorden mit Schwertern, Schwarzes Verwundetenabzeichen). 1919 arbeitete er als Vikar in Brötzingen. Seine Frau und er haben vier Kinder im Alter von 25, 24, 23 und 21 Jahren (Stand 1949).

Er ist wie die Pfarrer Wilhelm Bollmann (Buckenberg) und Erwin Eckert - siehe jeweils dort - Mitglied im „Bund der Religiösen Sozialisten“ innerhalb der evangelischen Landeskirche, der den sozialen Auftrag des Christentums in den Mittelpunkt stellt. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD)* ist er in Pforzheim und Ispringen als Redner u.a. zum Thema Sexualethik tätig. Desweiteren ist er gewähltes Mitglied der evangelischen Landessynode und ab 1928 Stadtrat für die SPD in Karlsruhe.

Schon 1923 warnt Kappes, „dass vom Nationalsozialismus und von Hitler eine ungeheuere Katastrophe droht“. 1933 protestiert Heinz Kappes gegen das Schulverbot für Juden an höheren Schulen. In seiner Pfingstpredigt 1933 in Büchenbronn, wohin ihn die Kirchenleitung strafversetzt hatte, kritisiert er, dass über 26.000 Gegner der NSDAP in Gefängnissen und Arbeitslagern eingesperrt sind. Er warnt: „Wer über das Jetzt in die Zukunft schaut, wer mit den Augen Gottes […] auf das Saatfeld unseres Volkes schaut, der sieht mit Angst die drohende Katastrophe, der sieht den Satan triumphieren, der sieht ein Totenfeld, wo heute neues, starkes Leben zu sein scheint“. Ein Brief von Heinz Kappes an Adam Remmele, den früheren badischen Innenminister, ein SPD-Mann wie er selbst, ins Konzentrationslager Kislau bei Bruchsal wird abgefangen. Er wird am 21. August verhaftet, zehn Tage im Gefängnis in Pforzheim eingesperrt und anschließend von der Kirchenleitung nach Baden-Baden versetzt. Die evangelische Landeskirche lässt ihn fallen, am 1. Dezember 1933 enthebt sie ihn seines Amtes, die NS-Diktatur weist ihn aus Baden aus.

1934 ist er zunächst als Tourist in Palästina; 1935 reist die ganze Familie - er, seine Frau und ihre vier Kinder - aus nach Jerusalem, wo er als Deutschlehrer Beschäftigung findet. 1939 ist er im britischen Mandatsgebiet für neun Monate interniert und arbeitet anschließend für die „British Food Control“.

1948 kehrt Heinz Kappes aus dem Exil in Palästina/Israel nach Karlsruhe zurück. Die evangelische Landeskirche rehabilitiert ihn. Er wird Religionslehrer sowie Mitbegründer der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ und engagiert sich in der Diakonie für die „Mühseligen und Beladenen“.

Heinz Kappes stirbt 1988 in Stuttgart.


 

Quellen:

GLA KA 480 – 5800;

Ausstellung;

Friedrich-Martin Balzer, Gert Wendelborn, „Wir sind keine stummen Hunde“, Heinz Kappes (1893 – 1988), Bonn, 1994;

Günter Heinz, Berggemeinde Büchenbronn, Pforzheim, 1975;

Schroth;

Koch, Manfred, Heinz Kappes, in: Kunze, Rolf-Ulrich (HRSG), Badische Theologen im Widerstand, Konstanz, 2004, S. 75