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Baier, Adolf (Gewerkschaft, KPD, Spanien)

Adolf Baier ist am 13. September 1907 in Oberkirch/Baden geboren. Er ist Schlosser und Mitglied der KPD*, des Roten Frontkämpferbundes (RFB)* und in der Gewerkschaft (Deutscher Metallarbeiter-Verband*) in Pforzheim. Seine Frau Elise - siehe dort - und er haben ein Kind. Bis Februar 1932 arbeitet er bei den Stadtwerken Pforzheim, anschließend ist er arbeitslos.

Im März 1933 ist er beteiligt an der Herstellung und dem Vertrieb von Flugblättern wie „Einheitsfront gegen Hitler“ und am 11.3.1933 „Der Rote Frontkämpferbund ruft zum Kampf gegen Hitlerdiktatur und Hunger“. 1933 wird bei einer Hausdurchsuchung eine Pistole gefunden, deswegen verurteilt ihn das Amtsgericht Pforzheim am 12.4.1933 wegen illegalen Waffenbesitzes zu 3 Monaten Haft. Vor einer erneuten Festnahme flieht er im Juli 1933 nach Frankreich, organisiert von dort den Transport illegaler Flugschriften nach Nazi-Deutschland und wechselt selbst mehrmals über die Grenze, um den Aufbau antinazistischer Organisationen in Baden zu unterstützen. Edgar Zauner - siehe dort - steht später wegen Fluchthilfe vor Gericht.

Ein Zeuge berichtet: „In einer Dezembernacht [1934] wurde Baier bei Plittersdorf von der Rastatter Widerstandsgruppe mit Paddelboot nach dem Elsass abgesetzt“. Zeitweise hält er sich in Norwegen und Schweden auf. 1936 geht Adolf Baier nach Spanien und kämpft in den Internationalen Brigaden im Tschapajew-Bataillon für die Verteidigung der Republik gegen den Militärputsch Francos. Er wird drei Mal verwundet und kommt zum SIM (Servicio de Investigacion Militar). Dieser Geheimdienst in den Internationalen Brigaden sollte eingeschleuste Agenten der Gegenseite, also der Gestapo oder der Francisten, aufspüren, wurde jedoch mehr und mehr zum Instrument gegen politisch missliebige Personen, die mit dem Vorwurf der Spionage für die Gegenseite in die Gefängnisse der Internationalen Brigaden in Albacete und bei Barcelona gesperrt wurden. Baier soll später zugegeben haben, dass es auch Exekutionen gegeben habe, sog. „Spezialarbeiten im Hinterland“.

Nach dem Sieg der von Hitlerdeutschland unterstützten Putschisten kann Baier über Frankreich nach Norwegen fliehen. In Schweden organisiert Adolf Baier Sabotageaktionen gegen Kriegstransporte der NS-Wehrmacht, wird deswegen 1941 verhaftet und sieht nach 3 ½ Jahren Zuchthaus erst im Oktober 1945 seine am 23. Februar 1945 zerstörte Heimatstadt Pforzheim wieder. In Pforzheim hilft Adolf Baier mit beim Aufbau freier Gewerkschaften und ist der erste Vorsitzende der neugegründeten Industriegewerkschaft Metall. Sein Name steht unter dem ersten Tarifvertrag, der in Pforzheim nach zwölf Jahren Unterdrückung der Arbeiterbewegung abgeschlossen wird.

1952 siedelt Adolf Baier in die DDR über und wird Mitarbeiter des Zentral-Komitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Wegen Betätigung für die verbotene KPD wird er 1963 bei einer Auslandsreise in der Bundesrepublik kurzfristig inhaftiert und in die DDR abgeschoben.

Adolf Baier stirbt 1982 in Berlin.

 

 

Quellen:

GLA 480 – 26;

Schadt 142;

Rapp 382, 474, 518 ff.;

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