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Der 23. Februar 1945

Pforzheim im Nationalsozialismus

In Pforzheim hatte die NSDAP bereits in der Spätphase der Weimarer Republik viele Anhängerinnen und Anhänger. Nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten im Januar 1933 wurden auch hier Politik und Gesellschaft „gleichgeschaltet“ und demokratische Strukturen durch das „Führerprinzip“ ersetzt. Jüdische Pforzheimerinnen und Pforzheimer, politisch oder religiös Widerständige oder Andersdenkende, Menschen mit Behinderung und andere Menschen, die nicht in die von den Nationalsozialisten definierte „Volksgemeinschaft“ passten, wurden diskriminiert, entrechtet, verfolgt und ermordet. Als im Oktober 1940 über 6.500 Jüdinnen und Juden aus dem Südwesten Deutschlands nach Gurs in Frankreich deportiert wurden, waren unter ihnen auch 195 Jüdinnen und Juden aus Pforzheim. Viele von ihnen starben dort oder wurden weiterverschleppt und in den deutschen Vernichtungslagern im Osten ermordet.

Pforzheim im Zweiten Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurde der Zweite Weltkrieg entfesselt. Der Krieg war von Beginn an auch in Pforzheim spürbar. Viele Männer wurden zur Wehrmacht eingezogen. Die Wirtschaft wurde auf Kriegswirtschaft umgestellt. Tausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, vor allem aus der Sowjetunion und Polen, aber auch aus Frankreich, mussten in Pforzheim unter unmenschlichen Bedingungen schwerste Arbeiten verrichten, in Landwirtschaft und Handwerk, für die Stadtverwaltung, vor allem aber in der Rüstungsindustrie. Luftangriffe der Alliierten trafen insbesondere in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs viele deutsche Städte, nach den Großstädten mehr und mehr auch Mittelstädte. Auch Pforzheim, bis 1944 weitgehend von Bombardierungen verschont, erlebte nun immer häufigere Angriffe mit Todesopfern und Zerstörungen.

Der Luftangriff am 23. Februar 1945

Der mit Abstand verheerendste Luftangriff traf Pforzheim am 23. Februar 1945. Die britische Royal Air Force warf Bomben mit einem Gesamtgewicht von über 1.500 Tonnen auf das Stadtgebiet ab. Der Angriff selbst dauerte nur 22 Minuten. Es entwickelte sich jedoch ein Feuersturm, der viele Stunden wütete. Laut einer Schätzung des Statistischen Amtes aus dem Jahr 1948 starben über 17.600 Menschen, die genaue Zahl ist unbekannt. Die Innenstadt wurde komplett zerstört. Damit war der Angriff in Relation zur Einwohnerzahl bzw. bebauten Fläche einer der verheerendsten auf eine deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg.
Überlebende kamen in Gartenhäusern und Randbereichen der Stadt sowie in umliegenden Gemeinden und Städten unter. Viele Tote wurden in Massengräbern auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof bestattet. Manche Leichen konnten erst Jahre später aus den Trümmern geborgen werden oder wurden nie gefunden.

Kriegsende und Wiederaufbau

Im April 1945 eroberte die französische Armee die bis zuletzt umkämpfte Ruinenstadt, die im Juli desselben Jahres der US-Amerikanischen Besatzungszone zugeschlagen wurde. Der Wiederaufbau begann. Trümmer und Ruinen wurden beseitigt und als Schotter für Baustellen verwendet oder damit u. a. das Brötzinger Tal aufgeschüttet und der Wallberg künstlich erhöht. Die Innenstadt wurde vollständig neu und teilweise mit geänderten Straßenführungen erbaut. Neben dem Wiederaufbau der Stadt wurden auch die demokratischen Strukturen wiedererrichtet. Am 26. Mai 1946 wurden erstmal wieder freie Gemeinderatswahlen abgehalten.

Literatur

Becht, Hans-Peter: „Führer befiehl ...“. Das nationalsozialistische Pforzheim 1933-1945, Heidelberg u. a. 2016