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Die Deportation jüdischer Pforzheimer*innen nach Gurs

Am 22. Oktober 1940 begann die Deportation von 6.504 Jüdinnen und Juden aus den NS-Gauen Baden und Saarpfalz in das französische Internierungslager „Camp de Gurs“. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die jüdische Bevölkerung in zunehmendem Maße der Verfolgung und Entrechtung ausgesetzt. Nun begann die systematische Vertreibung und Vernichtung. Die Gauleiter Bürckel (Baden) und Wagner (Saarpfalz) wählten für den Beginn der Deportationen einen Tag des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkot.

In Pforzheim wurden 186 jüdische Mitbürger*innen vom Kleinkind bis zum Greis am frühen Morgen des 22. Oktober am Hauptgüterbahnhof zusammen getrieben und von dort in völlig überfüllten Zügen ins 1.260 km entfernte Lager nach Gurs am Fuße der französischen Pyrenäen transportiert. Neun weitere ehemals in Pforzheim lebende jüdische Mitbürger*innen wurden von anderen Orten aus deportiert, so dass insgesamt 195 jüdische Pforzheimer*innen nach Gurs gebracht wurden. Oft ist über das weitere Schicksal der Deportierten nichts bekannt. Viele starben aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Internierungslager Gurs. Von der sogenannten „Vorhölle von Auschwitz“ wurden 91 Pforzheimer*innen in die nationalsozialistischen Vernichtungslager im Osten transportiert und ermordet, zwei Frauen überlebten dort. 55 der nach Gurs deportierten Pforzheimer*innen überlebten nachweislich.

Am einstigen Hauptgüterbahnhof wurde um den originalen Prellbock eine Gedenkstätte eingerichtet, an der alljährlich am 22. Oktober an die Deportation der jüdischen Pforzheimer*innen nach Gurs erinnert wird. Im Beisein des Oberbürgermeisters der Stadt Pforzheim und von Vertreter*innen der jüdischen Gemeinde wird dort der Opfer gedacht.