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Programm 2021 zur Woche der Brüderlichkeit

2021 fand die "Woche der Brüderlichkeit" vom 7. - 14. März 2021 statt und wurde aufgrund der Pandemie in den virtuellen Raum verlegt.

Unter dem Leitthema „…zu Eurem Gedächtnis: Visual History“ wurde die Bedeutung visueller Medien für die Erinnerungs- und Gedenkkultur reflektiert.

„Engel: Gottes Boten in den Religionen“

Digitale Abschlussveranstaltung

Hier geht es zum Live-Vortrag

Engel sind unsichtbar und doch allgegenwärtig. Im Alltag begegnen sie uns als Schlüsselanhänger und Weihnachtsdeko, auf Postkarten und in Gotteshäusern, als Menschen, die uns hilfreich unter die Arme greifen, als Schutzengel, die uns das eine oder andere Mal glücklich bewahren. Auch in den heiligen Schriften und Überlieferungen der Religionen haben die Boten Gottes ihren Auftritt und spielen eine bedeutende Rolle. Doch welchen Ursprung haben Engel in den verschiedenen Religionen und welche Aufgaben erfüllen sie? Wie werden sie in den Texten und Überlieferungen beschrieben und welche Rolle spielen sie bei den heutigen Gläubigen?

In einem Film von Joachim Wossidlo gehen Pforzheimer Menschen aus sieben verschiedenen Religionsgemeinschaften diesen Fragen nach. Sie geben einen Einblick über Rolle, Bedeutung und Daseinsberechtigung der himmlischen Wesen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Religionen im Umgang mit den Engeln werden sichtbar aber auch die persönlichen Engelvorstellungen der Beteiligten.

In einem digitalen Gespräch wollen wir den Film „Engel in den Religionen“ zunächst gemeinsam ansehen und uns im Anschluss mit den Filmbeteiligten austauschen. Sodann haben die Teilnehmenden die Möglichkeit ihre eigenen Vorstellungen und Erfahrungen von und mit Engeln einzubringen. Schließlich gehen wir auf den künstlerischen Aspekt zum Thema Engel ein. Dazu wird der Künstler Reinhard Pontius über seinen Schaffensprozess berichten, in dem er dem Erzengel Michael eine Gestalt gegeben hat.

 

Grußwort von Annekatrin Klepsch

Zweite Bürgermeisterin von Dresden

Die Holzskulptur des Dresdener Bildhauers Reinhard Pontius macht auf ihrer Reise durch Deutschland und Europa Station in Pforzheim. Sie will eine Botschafterin für Frieden und Versöhnung sein und eine Brücke zu hiesigen lokalen und regionalen Friedensinitiativen bauen.

„Empfänger unbekannt“

Szenische Lesung mit Stefanie Wally und Barbara Gerstenäcker

"Diese Geschichte klingt einfach, beinahe zu einfach", meint Rezensent Volker Breidecker. "Doch der Eindruck täuscht!" In dem Briefwechsel zwischen Max Eisenstein und Martin Schulse vom November 1932 bis März 1934 wird Geschichte erzählt – auf bewegende, dramatische und faszinierende Art und Weise.

Der Jude Max bittet im November 1933 seinen mittlerweile wieder in Deutschland lebenden Freund Martin, mit dem er in den USA einen Kunsthandel betreibt, ihm zu helfen, das Schicksal seiner verschwundenen Schwester Griselle zu klären - einen Brief an sie bekam er mit dem Vermerk "Adressat unbekannt" retourniert. Er erhält eine erschütternde, nüchterne Antwort – und rächt sich....

„Empfänger unbekannt“ ist eine zeitlose, stille Tragödie, die sich an unser moralisches Empfinden wendet. Sie zeigt, was passiert, wenn das „zusammen Leben“ nicht mehr funktioniert und damit auch kein „zusammen Wachsen“ möglich ist;  zeigt, wie eine vielfältige, demokratische Gesellschaft mit Menschen unterschiedlichster politischer Einstellung bedroht und zerstört werden kann und was passiert, wenn Ignoranz, Hass und Mauern dominieren.

Eine vergangene Geschichte – hoch aktuell!
„Selten ist so viel in solcher Dichte ausgedrückt worden.“

Es lesen: Barbara Gerstenäcker, Stefanie Wally
Regie: Magda Dachner

Veranstalter: Kulturhaus Osterfeld

Religionen im Wissensspeicher der Stadt archiviert

Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit übergaben Vertreter der Religionsgemeinschaften Fotos an das Stadtarchiv, wo sie nun dauerhaft aufbewahrt werden. „Als Stadtarchiv überliefern wir nicht nur das Verwaltungshandeln, sondern sammeln auch Dokumente, um die ganze Breite der Stadtgesellschaft für die Nachwelt abzubilden. Dazu gehört auch die Vielfalt der Religionen in Pforzheim“, erläutert Archivleiterin Klara Deecke den Hintergrund der Aktion. „Die Woche der Brüderlichkeit zum interreligiösen Dialog war der ideale Anlass, fotografische Schlaglichter auf das religiöse Leben in die Bestände aufzunehmen, die heutigen und künftigen Archivbenutzer/-innen wertvolle Informationen liefern werden“, so Deecke.

Die ersten Fotos wurden von Vertretern der Religionsgemeinschaften nun in die Schubladen des Archivmagazins gelegt – symbolisch, denn es handelt sich um Digitalfotos, die auch digital archiviert werden. Und ehe das Material zu Archivgut wird, wählt das Stadtarchiv die geeignetsten Bilder aus, ermittelt Zusatzinformationen und klärt die rechtlichen Rahmenbedingungen. Yavuz Cevik (DITIB Fatih Moschee) war einer der ersten, der Fotos schickte: „Wir renovieren gerade die Fatih Moschee. Dabei entstehen viele Fotos vom Gebäude, die wir dem Stadtarchiv übergeben. Aber auch Fotos von religiösen Feiern sowie dem interreligiösen Austausch sind dabei.“ Hasan Akbaba (alevitische Gemeinde) bekräftigt: „Uns ist die Beteiligung an der Aktion mit dem Stadtarchiv sehr wichtig und wir haben Bilder zu den Höhepunkten der letzten Jahre ausgesucht.“ Tobias Gfell (katholisches Dekanat der Stadt Pforzheim) ergänzt: „Wir haben Fotos von eigenen sowie gemeinsamen Veranstaltungen übergeben. So eine Sammlung von Bildern zeigt erfreulich und überraschend, wie vielfältig katholisches Engagement in dieser Stadt ist.“ Fotoarchivarin Sonja Anžič-Kemper, die die Bilder in die digitale Fotosammlung des Stadtarchivs integrieren wird, fügt hinzu: „In unserer Fotosammlung steht oft die Architektur von Kirche, Synagoge, Moschee usw. im Vordergrund. Die Bilder zum religiösen Alltagsleben ergänzen dies um einen wichtigen Aspekt.“

Der Aktion im Stadtarchiv vorausgegangen war ein Aufruf des Kulturamts im Zuge der Vorbereitung der interreligiösen Veranstaltungswoche. Denn das Jahresmotto der Woche der Brüderlichkeit lautet „… zu Eurem Gedächtnis – Visual History“. „Dieses Motto haben wir in die Zukunft gewendet und die Idee des Aufrufs zur Abgabe von Archivmaterial war geboren“, so die stellvertretende Kulturamtsleiterin Claudia Baumbusch. Vom katholischen Dekanat, der alevitischen Gemeinde und der Fatih Moschee hat das Stadtarchiv bereits Bildmaterial erhalten. „Wir freuen uns, dass der Aufruf auf so große Resonanz gestoßen ist und erneuern die Einladung an die anderen Religionsgemeinschaften, sich zu beteiligen“, unterstreicht Baumbusch.

"Abgebrochene Säule, aufgeschlagenes Buch und Davidstern"

Ein virtueller Rundgang über den alten Jüdischen Friedhof auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof mit dem Historiker Olaf Schulze

Zeitgleich mit der Anlage der ersten Felder des Pforzheimer Haupfriedhofs auf der Schanz erwarb die damalige jüdische Gemeinde 1877 ein Grundstück für ihren eigenen Friedhof. Dieser ist bis heute erhalten geblieben und zeugt von der Vielfalt des jüdischen Lebens in der Stadt vor den Ereignissen des Holocaust, aber auch vom Wechselspiel von Assimilation und Bewahrung jüdischer Identität. Der virtuelle Rundgang nimmt einzelne Grabmale und Symbole bzw. Familienschicksale in den Blick.

Der Friedhof im Osten des Alten Teils in der Nähe des Kolumbariums (bei Feld 8) ist während der Öffnungszeiten des Hauptfriedhofs begehbar, mit Ausnahme des Schabbats, von Sonnenuntergang Freitag bis Sonnenuntergang Samstag (Männer bitte nur mit Kopfbedeckung).

Digitale Stadterkundungstour mit einer Auswahl von Stätten jüdischen Lebens in Pforzheim

mit Dr. Christoph Timm in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Pforzheim

 

Hier geht es zur digitalen Stadterkundungstour

 

Video und Schnitt: Claudia Baumbusch, Sabrina Zart (Kulturamt)

Gestaltung: Daniel Autenrieth

„Holocaust – was geht mich das an?“

Gespräch mit Ben Salomo

Zwei Schülerinnen des Hilda-Gymnasiums sprechen mit »Rap am Mittwoch«-Gründer Ben Salomo

Mitwirkende: Maryam El Idrissi El Bechkaoui und Nina Dieterle

Veranstalter: Hilda-Gymnasium

"Der ewig neue deutsche Antisemitismus"

Digitaler Vortrag mit Politikwissenschaftler und Historiker Prof. Götz Aly

Der Antisemitismus sitzt tief und vielfältig in der deutschen Gesellschaft.

In seinem Vortrag spricht Götz Aly über den Antisemitismus in seiner sich immer wandelnden Form.


Veranstalter: Jüdische Gemeinde Pforzheim
Videoproduktion: Claudia Baumbusch und Sabrina Zart, Kulturamt

 

„Volksverhetzung und Meinungsfreiheit“ - Vortrag von Dr. Christoph Mährlein

Montag, 08.03.2021, 19.00 Uhr

Die Plakatierung der Partei "Die Rechte" vor der Synagoge in Pforzheim mit Parolen wie "Israel ist unser Unglück" und "Wir hängen nicht nur Plakate" hat in Pforzheim große Aufmerksamkeit erregt und der Referent hat dabei mitgewirkt, dass Vorgänge strafrechtlich nicht ganz folgenlos bleiben. Ausgehend von diesem Fall soll aber weitergehend das Thema erörtert werden, wie der Rechtstaat mit (verbalen) Angriffen auf das Recht und einzelne Bevölkerungsgruppen umgehen soll, nachdem die Enthemmung in manchen Kreisen immer größer wird. Die Befürchtung, dass auf Worte auch Taten folgen, ist schon mehrfach bestätigt worden.

Dabei ist das Strafrecht ein schwieriges Instrument, weil es mit der Meinungsfreiheit als Verfassungsgut nur bedingt vereinbar ist, bestimmte inhaltliche Aussagen als solche unter Strafe zu stellen. Andererseits ist es in extremistischen Kreisen schon seit Jahrzehnten ein Sport, verbotene Aussagen mit Chiffren zu tarnen und so die Justiz zu narren.

Gesetzgeberischer Aktionismus hat oftmals keine effektiven Ergebnisse gebracht, obwohl die Strafbarkeit teilweise bedenklich ausgeweitet wurde. Hier kann zumindest die Strafverfolgung noch effektiver werden.

Erfolgversprechender erscheint es aber, durch Klarnamenpflicht auch im Internet und zeitnahe Eingriffe gegen unakzeptable Äußerungen außerhalb des Strafrechts dem Pöbeln und Hetzen Einhalt zu gebieten.

Dr. Christoph Mährlein ist Rechtsanwalt und Obermeister der Löblichen Singergesellschaft von 1501.

Veranstalter: Löbliche Singergesellschaft von 1501
Videoproduktion: Claudia Baumbusch und Sabrina Zart, Kulturamt

Digitale Eröffnungsfeier

Sonntag, 07.03.2021, 18.00 Uhr

Interviewgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Religionsgemeinschaften

Mitwirkende:
Rabbiner Michael  Jaakov Bar-Lev (Jüdische Gemeinde)
Ev. Schuldekanin Katharina Vetter
Pfarrer Georg Lichtenberger (Kath. Kirche)
Aleyna Özdemir (DITIB Fatih Moschee)
Hasan Akbaba (Alevitische Gemeinde)
Toqeer Ahmad (Ahmadiyya Muslim Jamaat)


Moderation: Pfarrerin RL Dorothea Patberg


Musikbeiträge: Livia Tran (Hilda-Gymnasium)
1. Bolero; Bartolomé Calatayud Cerda (1882-1973)
2. Caprice; Matteo Carcassi (1792-1853)
3. Tango Nr. 3; José Ferrer (1835-1916)

Videoproduktion: Claudia Baumbusch und Sabrina Zart (Kulturamt)