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Entstehungsgeschichte

In den letzten Wochen des zweiten Weltkrieges wurden fünf gefangene britische Luftwaffenangehörige ermordet. Dieses Verbrechen wurde zwar von den Alliierten verfolgt, fand jedoch in den folgenden Jahrzehnten keinerlei Beachtung bei regionalen oder überregionalen deutschen Stellen. Erst aufgrund einer Pressenotiz im Jahr 1989 begannen die Nachforschungen, welche die evangelische Kirchengemeinde dazu veranlasste, eine Gedenktafel mit den Namen der Ermordeten sowie den Worten „Vater vergib“ an der Kirche anzubringen. Als am 18. November 1992 die Gedenktafel enthüllt wurde, durfte Marjorie Frost-Taylor, Witwe des in Huchenfeld getöteten Harald Frost, miterleben, wie der ev. Kirchengemeinde durch den Canon Dr. Paul Oestreicher das Nagelkreuz verliehen wurde. Das aus drei Zimmermannsnägeln bestehende Nagelkreuz hat seinen Ursprung in Coventry und steht weltweit als Symbol der Versöhnung zwischen den Völkern dieser Welt. Damit wurde die ev. Kirchengemeinde Huchenfeld offiziell in die Nagelkreuzgemeinschaft Deutschlands aufgenommen und die Nagelkreuzgruppe wurde gegründet.

Die BBC berichtete über dieses Ereignis, wodurch John Wynne erstmalig von dem Schicksal seiner Kameraden erfuhr. John Wynne, der damalige Flugzeugführer, war von den Versöhnungsbemühungen der Huchenfelder sehr berührt und nahm aufgrund dessen aus dem walisischen Ort Llanbedr Kontakt zu Huchenfeld auf. Bei seinem ersten Besuch in Huchenfeld im Juni 1994 überreichte John Wynne dem ev. Kindergarten ein eigens für die Kinder angefertigtes Schaukelpferd mit dem Namen „Hope“. Dieses Schaukelpferd steht als Zeichen der Versöhnung und der Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft. Die Kindergartenkinder feiern seither zusammen mit ihren Erzieherinnen jedes Jahr den Geburtstag des Schaukelpferds. Für die Geburtstagsfeier lässt John Wynne dem ev. Kindergarten seit nunmehr 24 Jahren jährlich eine Geldspende zukommen.

Meilensteine der bisherigen Partnerschaft

Durch die Geste von John Wynne inspiriert, trafen sich etliche Eltern des Kindergartens sowie der Schule, um einen Besuch in Llanbedr zu organisieren. Aus dieser Initiative gründete sich dann im Jahr 1996 der Freundeskreis Wales e. V. mit Bernd Heintz an der Spitze. Seither kümmert sich dieser Verein federführend um die Partnerschaftsarbeit. Zwischenzeitlich konnten zahlreiche Einladungen ausgesprochen und gegenseitige Besuche und auch Schüleraustausche organisiert werden, die schließlich eine herzliche Freundschaft im Geist der Versöhnung zwischen Huchenfeld und Llanbedr entstehen ließen.

Am 8. Februar 2008 wurde zwischen Huchenfeld und Llanbedr schließlich die Ortspartnerschaft offiziell besiegelt. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von der Suche und dem Auffinden weiterer Crew-Mitglieder in England, wie beispielsweise Tom Tate und Norman Bradley, die in der Dunkelheit des
17. März 1945 durch die Flucht hatten entkommen können, von anderen Wehrmachtseinheiten wieder gefangen genommen wurden und korrekt behandelt den Krieg überlebten.

n Gedenken an die in Huchenfeld getöteten Flieger Harold Frost, Gordon Hall, Sidney Matthews und Edward Percival wurden am 6. September 2013 direkt vor dem Eingang des ehemaligen Schulhauses (jetzt: „Haus der Vereine“), in dessen Keller die Männer fest gehalten wurden, vier Stolpersteine verlegt. Diese Wahl folgte der bisherigen Auswahl für die Verlegung der Stolpersteine in Pforzheim: letzter bekannter Wohnort oder Aufenthaltsort vor Flucht, Tötung oder Abtransport ins Konzentrationslager. Mit dem überlebenden Crewmitglied Tom Tate und dem damaligen Piloten John Wynne ist zwischenzeitlich eine sehr enge Verbindung entstanden.

Im September 2013 machten Pfarrerin Susanne Bräutigam und Ortsvorsteherin Sabine Wagner zusammen mit einigen Vertretern des Ortschaftsrates und der ev. Kirchengemeinde ihren Antrittsbesuch in der Partnerstadt Llanbedr. Dabei wurde John Wynne die Ehrenplakette des Stadtteils Huchenfeld verliehen. Er wurde mit dieser Plakette für seinen außerordentlichen Einsatz für die Entstehung und Pflege dieser Partnerschaft ausgezeichnet.

Im Juni 2014 feierten die Ortsverwaltung, die ev. Kirchengemeinde und der Freundeskreis Wales zusammen mit vielen Gästen aus nah und fern den
20. Geburtstag des Schaukelpferds „Hope“. Die Feier begann mit einem Familiengottesdienst zum Thema „Hoffnungsträger“. Der Familiengottesdienst wurde u. a. von den Kindern des ev. Kindergartens mitgestaltet. Im Anschluss an den Gottesdienst eröffneten Ortsvorsteherin Sabine Wagner, Dr. Paul Oestreicher, der stellvertretend für John Wynne an den Feierlichkeiten teilnahm, und Pfarrerin Susanne Bräutigam gemeinsam das Fest auf dem Vorplatz des ev. Kindergartens.

10-jähriges Partnerschaftsjubiläum

Am 13. Oktober 2018 feierten Huchenfeld und Llanbedr schließlich das zehnjährige Bestehen der Ortspartnerschaft in der Huchenfelder Hochfeldhalle. Nach der Eröffnung der Feierlichkeiten durch Frau Ortsvorsteherin Sabine Wagner, überbrachte Kevin Titley, Bürgermeister von Llanbedr, die Grußworte aus der Partnerstadt. Als Vertreterin der Kirchengemeinde Llanbedr richtete Susann Davies einige Worte an die Gäste der Jubiläumsfeier. Bernd Heintz erinnerte in seiner Rede an seine bisherigen Besuche in der Partnerstadt und die wertvollen Eindrücke, die er daraus gewinnen konnte.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch den ChoRegio und den Harmonika-Spielring, die mit einem Tom-Jones-Medley an die letzte Konzertreise nach Wales erinnerten. Aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes war eine Videokonferenz mit John Wynne leider nicht mehr möglich. Frau Beck-Ehninger, eine gute Freundin der Familie Wynne, überbrachte daher das persönliche Grußwort von John Wynne. John Wynne ist zwischenzeitlich 97 Jahre alt und ließ es sich dennoch nicht nehmen, vor der Jubiläumsfeier mit Frau Beck-Ehninger zu telefonieren und ihr seine persönlichen Grüße für Huchenfeld zu übermitteln. Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde für John Wynne ein Fotogeschenk gestaltet, welches in Kürze nach Llanbedr geschickt wird. Außerdem wurde eine gesungene Videobotschaft der Primary School in Llanbedr gezeigt, sowie ein Präsent an die Huchenfelder Grundschule überbracht. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete die Ansprache von Pfarrerin Susanne Bräutigam und der Ausblick von Ortsvorsteherin Sabine Wagner auf die geplanten Projekte in den kommenden Jahren. Im Anschluss an die offiziellen Feierlichkeiten trugen sich die Gäste aus Llanbedr in das goldene Buch von Huchenfeld ein.

Ausblick auf die weitere Partnerschaftsarbeit 2030

Der Besuch der Delegation aus Llanbedr wurde gleichzeitig dazu genutzt, die weiteren Meilensteine der Partnerschaftsarbeit bis zum Jahr 2030 zu definieren. In einem Workshop, der von Pfarrerin Susanne Bräutigam moderiert wurde, wurden zahlreiche weitere Ziele festgelegt und diese anschließend auch priorisiert. Die Teilnehmer des Workshops waren sich schnell einig, dass für die weitere Partnerschaftsarbeit sowohl in Huchenfeld als auch in Llanbedr offizielle Gremien eingerichtet werden müssen, welche für die Gegenseite als zentrale und verlässliche Ansprechpartner agieren und die Partnerschaftsarbeit vor Ort weiter vorantreiben. Des Weiteren wurde beschlossen, dass der Huchenfelder Partnerschaftsausschuss im Oktober 2019 den Gegenbesuch antritt.

Als weitere Maßnahme, welche den gegenseitigen Austausch der Schülerinnen und Schüler fördern soll, wurde die Einrichtung einer sicheren Internetplattform beschlossen. Über Videos sollen den Schülerinnen und Schüler künftig die Bräuche und Rituale der jeweiligen Partnerstadt näher gebracht und über Videochats persönliche Kontakte geknüpft werden.

Vor dem Partnerschaftsworkshop besuchten Frau Ortsvorsteherin Sabine Wagner, einige Mitglieder des Freundeskreis Wales und die Gäste aus Llanbedr zusammen den Kürbismarkt der Schule. Dort wurden sie von Frau Rektorin Stralendorff begrüßt und dadurch erste Kontakte hergestellt.

Nach einem ereignisreichen Wochenende mit einem abwechslungsreichen Programm verabschiedeten sich die Vertreter der Partnerstadt wieder und bedankten sich ganz herzlich für das gelungene Programm des Jubiläumswochenendes, das die Ortsverwaltung und der Freundeskreis Wales in Zusammenarbeit mit der ev. Kirchengemeinde auf die Beine gestellt hatte. Außerdem freue man sich schon sehr auf den Besuch im nächsten Jahr.

Quellenverzeichnis:

Evangelische Pfarrgemeinde Huchenfeld (2019): Entstehung der Nagelkreuzgruppe Huchenfeld. Abgerufen unter: huchenfeld-evangelisch.de, Stand: 04.09.2019.

Bräutigam, Susanne & Wagner, Sabine (2014): Pressedossier zum gemeinsamen Vorschlag der Nagelkreuzgemeinschaft und des Freundeskreis Wales
e. V. Huchenfeld zur Verleihung des Friedens- und Versöhnungspreises Gernika 2014 an John Wynne.