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    Stand : 17.04.2021 - 10:37
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Der „Gies-Michel“

Eins dieser Unikate ist der vermutlich 1895 verstorbene „Gies-Michel“, welcher sich durch seine zahlreichen Possen und Spruchweisheiten einen Namen in der Gegend machte.

Sein richtiger Name sowie sonstige Lebensdaten sind unbekannt, jedoch erinnerten sich einige Büchenbronner, dass er Junggeselle gewesen sein muss und im damaligen Armenhaus lebte. Von Beruf war er dreierlei: Die meiste Zeit verbrachte er damit, Gänse und Schweine zu hüten; verstarb allerdings ein Gemeindemitglied übernahm er geflissentlich die Totenwache im Trauerhaus. Auf die verständliche Frage seiner Mitmenschen, ob er sich bei solchen nächtlichen Wachen nicht fürchte wusste er stets treffend zu antworten: „Die Dote lenn oin bassiert, bloß d’Läbiche mache oin henneretsviert!“ (Die Toten lassen einen gewähren, nur die Lebenden machen einen durcheinander!)

Offensichtlich hatte er ein relativ modernes und aufgeklärtes Verhältnis zum Tod und den Toten. Ein weiterer überlieferter Spruch des Gies-Michel, den er gerne in solchen Situationen anzubringen pflegte war folgender:

„I bewach‘ eire Gies on au em Jakob sei Lies – diesell awer bloß bei Nacht, wenn-se kein Muffzer moi macht!“

Hierzu ist eine weitere Anekdote überliefert, die den Gies-Michel den Leuten in Erinnerung bleiben ließ: Einmal hatte der Büchenbronner Bürgermeister eine Erledigung auf dem Friedhof zu tätigen und hinterließ aus diesem Grund einen Zettel mit der Aufschrift „Bin auf dem Firedhof“ an seiner Tür. Der kecke Totenwächter soll dauraufhin „Ruhe sanft“ daruntergeschrieben haben.

Seine unbekümmerte und schlagfertige Art sowieso sein anständiges, hilfsbereites und zuvorkommendes Wesen machten ihn in der Umgebung  jedoch beliebt und er entwickelte sich redlich trotz seiner mangelnden Welterfahrung. Für die große weite Welt und besonders für die amerikanischen Auswanderer hatte er nur Hohn und Spott übrig.

Aber auch die Geistlichkeit aus Büchenbronn und Brötzingen fiel regelmäßig seinen Possen zum Opfer. So pflegte der Gies-Michel alle Geistlichen als „Bruder Lukas“ zu bezeichnen.