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Lebendige Innenhöfe

Areal Oranierstraße, Zeppelinstraße, Eutinger Straße und Fondeleystraße

Städtebauliche Ausgangssituation

Nach der vollständigen Vernichtung der Stadt Pforzheim in der Bombennacht am 23. Februar 1945 blieben im Gebiet der Oststadt nur wenige Gebäude übrig, die wiederhergestellt werden konnten. Im genannten Areal sind dies die Zeppelinstraße 1, 3 und 5 sowie die Oranierstraße 24. Im Zuge des Aufbaus der Oststadt entstanden 1950-51 zahlreiche Wohnungen in der Fondelystraße 4-8 und Oranierstraße 16-20, 22-22b.

Die Gebäude sind baugleich als Dreispänner mit Einfachstwohnungen geplant und gebaut worden. Hierbei wurde überwiegend Trümmerschutt verwendet. Da sowohl die räumlichen als auch die sanitären Verhältnisse bei weitem nicht mehr einem zeitgemäßen Standard entsprachen, wurden im Zuge einer stufenweisen Sanierung im Jahre 2006 die Kleinstwohnungen paarweise zusammengelegt und modernisiert.

Ziel der Sanierung

Aufgrund der immer schwieriger gewordenen sozialen Verhältnisse im Wohnumfeld musste über eine rein technische Modernisierung hinaus ein Konzept entwickelt werden, das eine zukunftsfähige, nachhaltige soziale Interaktion im Quartier fördert. Die Bewohner sollten verstärkt bei der Integration in die Stadtteilstrukturen unterstützt werden. 

Die Identifikation der einzelnen Personen und Personengruppen mit ihrem direkten Wohnumfeld sowie mit ihrem Stadtteil Oststadt, die sehr schwach bzw. in vielen Fällen überhaupt nicht vorhanden war, sollte in Zusammenarbeit mit dem Wohnungsunternehmen gefördert und verstärkt werden. Wichtig war dabei, dass die Bewohner konsequenter die Möglichkeit erhielten, zusammen mit der Stadtbau GmbH Veränderungsprozesse am Wohnstandort zu planen und umzusetzen. Eine Begleitung durch ein aktives Quartiersmanagement war hierbei unbedingt notwendig. Die Planung wurde deshalb in enger Zusammenarbeit mit der Sanierungsstelle der Stadt Pforzheim, der Mieterschaft (Bürger für die Oststadt e.V.) und der Lern- und Spielgruppe Oststadt verwirklicht.

Durchführung

An den Wohnblöcken nahm man beginnend im Jahre 2004 mit der Fondelystraße 4-8 umfangreiche Außensanierungen an den Fassaden vor. Im Jahren 2005 wurden die gleichen Modernisierungs-maßnahmen am Wohnblock Oranierstraße 16-20 und im Jahre 2006 am Wohnblock Oranierstraße 22-22b begonnen. Mit der Maßnahme entstand eine deutliche Steigerung der Wohnqualität in diesem Quartier.

In drei Bauabschnitten gestaltete die Stadtbau GmbH ihre Grün- und Freiflächen im Bereich "Fondelystraße/Oranierstraße/Zeppelinstraße" neu und stellt diese in öffentlich zugänglicher Weise den Quartierbewohnern zur Verfügung. Um eine deutlich gesteigerte Identifizierung der Bewohner des Quartiers zu erreichen, wurden diese durch mehrsprachige Flyer und persönliche Ansprachen zu Beteiligung an der Planung aufgerufen. In mehreren Bürgerveranstaltungen direkt auf dem Areal, bei denen es auch Angebote für Kinder gab, wurden die Wünsche und Anregungen der betroffenen Bewohner eruiert.

Diese sind später in die endgültigen Planungen eingeflossen, so dass gemeinsam mit den Anwohnern auf der Basis eines Vorentwurfes ein endgültiges Gestaltungskonzept ausgearbeitet werden konnte. Das große Bewohnerengagement und die zahlreichen Begehungen führten außerdem zu dem Wunsch der Mieter, Ihre Treppenhäuser in Eigenregie zu gestalten. Dies wurde bereits verwirklicht und es entstanden drei unterschiedliche und jedes für sich einzigartige Treppenhäuser.

In der vorhandenen Mieterzeitung wurde die bisherige Umsetzung der Gestaltung vorgestellt und zu weiterer Eigeninitiative ermuntert. Der umgestaltete zweite Innenhof, Obsthof genannt, wurde am 26.07.07 offiziell an die Bewohnerinnen und Bewohner übergeben. Der dritte und letzte Innenhof, speziell für Kleinkinder geplant, wurde im Oktober 2008 fertig gestellt.