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Rede von Frau Christel Augenstein, Oberbürgermeisterin der Stadt Pforzheim, anlässlich der Verabschiedung von Herrn EBM a.D. Andreas Schütze am 04. Juli 2008 im Großen Sitzungssaal, Neues Rathaus

Eine beeindruckende und illustre Gästeschar hat sich heute hier im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses versammelt, um Ihnen 34 Tage nach Ihrem Ausscheiden aus dem Dienst bei der Stadt Pforzheim „Adieu“ zu sagen.

Liebe, verehrte Frau Schütze,

sehr geehrter Herr Ministerialdirektor,

sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister a.D., lieber Herr Andreas Schütze,

 

schauen Sie sich um !

Eine beeindruckende und illustre Gästeschar hat sich heute hier im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses versammelt, um Ihnen 34 Tage nach Ihrem Ausscheiden aus dem Dienst bei der Stadt Pforzheim „Adieu“ zu sagen.

 

Bei einem Blick durch die Reihen sehe ich unsere Bundestagabgeordnete Frau Katja Mast, die ich – wie alle übrigen Gäste – zugleich auch im Namen meiner Kollegen im Bürgermeisteramt, Herrn Bürgermeister Alexander Uhlig und Herr Bürgermeister Gert Hager herzlich willkommen heiße.

 

Ich freue mich über die Anwesenheit des Vizepräsidenten des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Herrn Eberhard Wurster.

Als Vertreter des Enzkreises begrüße ich Herrn Landrat Karl Röckinger.

 

Herzlich willkommen heiße ich die zahlreich erschienenen Stadträte und Stadträtinnen, stellvertretend Frau Stadträtin Christine Stavenhagen, Frau Stadträtin Dorothea Luppold, Herrn Stadtrat Dr. Bernd Grimmer, Frau Stadträtin Sybille Schüssler und Herrn Stadtrat Professor Dieter Pflaum.

 

Es freut mich, dass Herr Leitender Polizeidirektor Burkhard Metzger als Vertreter der Polizeidirektion Pforzheim heute unter uns ist.

 

Ein besonderer Willkommensgruß gilt den Geschäftsführern, Amts- und Werkleitern aus dem Zuständigkeitsbereich des Dezernats IV, hier stellvertretend dem Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim, Herrn Wolf-Kersten Meyer, der für diese Gruppe sprechen wird.

 

Stellvertretend für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt Pforzheim darf ich den Vorsitzenden des Gesamtpersonalrats, Herrn Manfred Müller, begrüßen.

 

Sie alle, sowie die übrigen anwesenden Herren und Damen sind gekommen, um Ihnen, Herr Schütze, heute Dank, Respekt und Anerkennung für Ihre Tätigkeit in und für Pforzheim und darüber hinaus zu bekunden.

 

Wenngleich seit Ihrem Ausscheiden aus dem Amt des Ersten Bürgermeisters schon einige Tage vergangen sind, nämlich genau 34, ist es der Stadt Pforzheim und mir persönlich, lieber Herr Schütze, ein besonderes Anliegen, Sie heute offiziell aus dem Dienst zu verabschieden.

 

Dabei war es nicht ganz einfach einen passenden Termin zu finden.

Ihre neue Tätigkeit als Leiter der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund hat Sie sofort vollständig in Beschlag genommen.

Gleichwohl haben wir nichts unversucht gelassen, Sie noch einmal an Ihre bisherige Wirkungsstätte zurückzuholen, um Sie gebührend zu verabschieden.

 

Dazu trägt auch ein Ensemble der Big Band Ihrer und unserer Feuerwehr unter der Leitung von Herrn Dr. Bernd Windelband bei.

Herzlichen Dank auch ihnen, ich weiß, dass es nicht einfach war angesichts des morgen beginnenden großen Festwochenendes mit dem „Tag der offenen Tür“ in der Hauptfeuerwache und dem „Großen Zapfenstreich“,  für heute eine musikalische Abordnung zu entsenden.

Dass sie trotzdem heute hier sind, werte ich als Indiz für die hohe Wertschätzung, die sie Ihrem vormaligen Feuerwehrdezernenten entgegenbringen.

Lieber Herr Schütze,

 

rund viereinhalb Jahre, vom 01. Januar 2004 bis zum 31. Mai dieses Jahres, haben Sie die Geschicke des Dezernats IV gelenkt – zunächst als Bürgermeister, vom Februar 2004 an als Erster Bürgermeister.

Diese Zeit, die Sie selbst in einem Interview als „atemlose Jahre“ bezeichneten, war in Ihrem Verantwortungsbereich vom strukturellen Umbruch geprägt.

 

Dabei war vom ersten Tag an Ihre volle Schaffenskraft gefordert, um den bereits laufenden Prozess der Privatisierung des ehemals Städtischen Klinikums erfolgreich zu Ende zu bringen.

Heute, gut 4 Jahre später, kann man feststellen, dass die Pforzheimer Bürger und die Stadt Pforzheim unmittelbar von dieser Umstrukturierungsmaßnahme profitiert haben und in die Zukunft hinein weiter profitieren werden.

Aus einem defizitären städtischen Eigenbetrieb, der Jahr für Jahr die Stadtkasse mit Millionenbeträgen belastete, wurde ein Unternehmen, das bereits schwarze Zahlen schreibt. Voraussichtlich noch in diesem Herbst wird durch umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen mit einem Volumen von ca. 50 Millionen Euro – für städtische Verhältnisse eine schier unvorstellbare Summe – der Gesundheitsstandort Pforzheim weiter gestärkt.

Als ob dieses Projekt noch nicht herausfordernd genug gewesen wäre, wandten Sie sich im Anschluss der Neustrukturierung der Städtischen Verkehrsbetriebe zu.

 

Dieses Vorhaben stellte sich in seinem Verlauf insbesondere auch durch die äußerst kritische Begleitung in der Öffentlichkeit als noch schwieriger heraus.

Mit einer bewundernswerten Zielstrebigkeit haben Sie, getragen von der inneren Überzeugung der Richtigkeit dieses Prozesses, allen Widerständen zum Trotz die Neustrukturierung der Verkehrsbetriebe gemeinsam mit dem Gemeinderat zum Abschluss gebracht.

Neben der Sicherung der hohen Qualitätsstandards für unsere Bürger und des wirtschaftlichen Erfolgs des Projekts, lagen Ihnen dabei auch und vor allem die Belange und Interessen der Mitarbeiter der SVP, die Sie über den Abschluss eines Haustarifvertrags sicherten, sehr am Herzen.

 

Doch der Prozess hatte auch seine Schattenseiten.

 

Um die damals gegen Ihre Person gerichteten Anfeindungen einiger Gegner des Prozesses, die bis in den persönlichen familiären Bereich hineinreichten, hat Sie dabei sicherlich niemand beneidet.

Heute, zwei Jahre nach dem Beschluss des Gemeinderates, kann ich erfreut feststellen:

der Nahverkehr und seine Busse rollen noch immer durch Pforzheim, und sie rollen mindestens so gut wie eh und je.

 

Klinikum und Stadtbusverkehr waren sicherlich die zwei herausragenden Projekte Ihrer Amtszeit.

 

Ruhig war es aber auch neben dem Abschluss dieser zwei Meilensteine nicht, ich erinnere beispielhaft an die Einführung der getrennten Abwassergebühren oder die Gründung des Eigenbetriebs Goldstadtbäder Pforzheim.

 

Bei all diesen beispielhaft erwähnten Projekten aber auch bei unseren sonstigen dienstlichen Begegnungen habe ich Sie, lieber Herr Schütze, als einen fachlich hochkompetenten und menschlich äußerst angenehmen Kollegen kennengelernt.

 

Ich kann mich an keine Gelegenheit erinnern bei der Sie den Überblick oder gar die Fassung verloren haben.

In schwierigen Situationen war stets Verlass auf Sie.

Es war mir immer sehr wertvoll, dass ich auf Ihre Unterstützung und Loyalität uneingeschränkt vertrauen konnte.

 

Innerhalb des Rathauses genossen Sie höchste Achtung unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und wurden Ihrem Amt und Ihrer damit verbundenen Verantwortung in jeder Hinsicht gerecht.

 

All diese Attribute und Kompetenzen haben Ihnen auch seitens des Gemeinderates stets großen Respekt eingebracht.

 

Dies ist darüber hinaus sicherlich auch darin begründet, dass Sie großen Wert darauf legten, dem Gemeinderat die entscheidenden Argumente nachvollziehbar darzulegen und komplexe Sachverhalte allgemein verständlich zu machen.

Dabei war Ihnen das persönliche Gespräch und ein kollegiales Miteinander besonders wichtig.

 

In der Bürgerschaft genossen Sie nicht zuletzt aufgrund Ihres zurückhaltenden, höflichen und zuvorkommenden Auftretens großes Ansehen.

Es soll sogar regelrechte „Fans“ gegeben haben.

So wurde mir die Geschichte zugetragen, dass eine Jubilarin anlässlich ihres 100.Geburtstags ausdrücklich darauf bestand, dass Sie, sehr geehrter Herr Schütze, die Glückwünsche der Stadt Pforzheim übermitteln und zwar – ich zitiere die ältere Dame sinngemäß – weil Sie so ein „gutaussehender, netter junger Mann“ wären.

Bei dieser Begebenheit wagte die Dame, geführt von Ihnen, noch einmal ein Tänzchen und bescheinigte Ihnen, ein guter Tänzer mit außerordentlich guten Führungsqualitäten zu sein.

 

 

Lieber Herr Schütze,

 

wenngleich wir im Rathaus nunmehr leider auf Ihre Mitwirkung verzichten müssen, das ist, um es mit einem von Ihnen gern verwendeten Begriff zu umschreiben, „suboptimal“ .

Es tröstet jedoch, dass Sie unserer Stadt nicht den Rücken kehren, sondern mit Ihrer Familie weiter in Pforzheim leben werden.

Sie haben hier eine Heimat gefunden, mit der Sie sich verbunden fühlen.

Deshalb haben wir uns überlegt, wie Sie diese Verbundenheit auch in der Bundeshauptstadt zum Ausdruck bringen können.

 

Ich erlaube mir, Ihnen zum Andenken an Ihr Wirken im Pforzheimer Rathaus einen Erinnerungsposten zu überreichen.

Wir haben für Sie ein Ensemble aus Manschettenknöpfen und Krawattenklammer gewählt, das den Namen unserer Stadt trägt.

Verbinden darf ich damit die Hoffnung, dass Sie mit diesen Accessoires so ganz nebenbei auch ein klein wenig Botschafter für Ihre Stadt Pforzheim sein werden.

Vor allem aber soll Sie dieser dezente Schmuck aus der Goldstadt daran erinnern, dass Sie auch in Berlin jederzeit unsere besten Wünsche begleiten.

 

Abgerundet wird das Ganze durch eine Magnum-Flasche „Goldsekt“.

Ich weiß, dass Sie diesen selbst auch immer gerne verschenkt haben.

Es wird gewiss bald wieder etwas zu feiern geben, oder Sie laden Ihre Kollegen in Berlin einmal auf ein Schlückchen ein, damit sie sehen, was wir in Pforzheim für tolle Sachen machen.

 

Ein paar süße „Goldbarren“ dürfen als „Nervennahrung“ für anstrengende Berliner Tage und Nächte, die dem Vernehmen nach durchaus lang sein können, nicht fehlen.

 

Die Familie war und ist für Sie, lieber Herr Schütze, ein starker Rückhalt und der Ort, an dem Sie die nötige Ruhe und den wichtigen Ausgleich finden.

Die wirklich herausragenden Leistungen Ihres Mannes wären ohne Sie, liebe Frau Schütze, ohne Ihre Unterstützung, Ihren Rat und Ihr Verständnis sicher nicht in diesem Maße möglich gewesen.

Deshalb gebührt auch Ihnen der aufrichtige und herzliche Dank der Stadt Pforzheim, für den dieser Blumengruß nur ein kleines äußeres Zeichen sein kann.

 

Die Stadt Pforzheim, lieber Herr Schütze, hat Ihnen einiges zu verdanken.

Ich möchte Ihnen heute noch einmal ganz persönlich für die vorzügliche Zusammenarbeit danken.

Ich hatte dies Ihnen gegenüber kurz vor Ihrem Wechsel nach Berlin im persönlichen Gespräch bereits zum Ausdruck bringen dürfen.

Aber auch im Namen der Bürger und Bürgerinnen unserer Stadt und sicherlich auch im Namen aller hier heute Anwesenden, möchte ich Ihnen Dank und Anerkennung für Ihren großen und nimmermüden Einsatz aussprechen, der nie parteipolitisch motiviert war sondern stets ausgerichtet am Wohle der gesamten Stadt.

 

Für Ihre weitere berufliche Tätigkeit als Leiter der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin, wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen vollen Erfolg, viel Kraft, Energie und das nötige Glück bei allen anstehenden Herausforderungen.

 

Ich wünsche Ihnen auch, dass der „vergrabene Knochen“ (Sie wissen, was ich meine) stets von den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt gefunden wird.

 

Bleiben Sie gesund, bleiben Sie der Stadt Pforzheim weiter verbunden und ich drohe Ihnen abschließend an, dass wir gerne das Angebot des kurzen Drahtes nach Berlin annehmen werden.

 

Alles Gute.

 

 

- Es gilt das gesprochene Wort -