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Mutationen des Corona-Virus: Unterschiedliche Regelungen für Quarantäne – Gesundheitsamt informiert

ENZKREIS/PFORZHEIM. Landesweit liegt der Anteil der gefährlichen Virus-Varianten an den Corona-Infektionen derzeit bei 20 Prozent – vor zwei Wochen waren es erst 6 Prozent. „Diese Entwicklung macht uns Sorge, auch wenn wir hier vor Ort weit weniger dieser Fälle haben“, sagt Dr. Brigitte Joggerst, die Leiterin des Gesundheitsamts. Es sei nach ihrer Überzeugung nur eine Frage der Zeit, bis sich die britische (Kürzel: B.1.1.7) und die südafrikanische Variante (B.1.1.351) durchsetzen würden. Aktuell sind in Pforzheim und im Enzkreis 25 bestätigte oder hochgradig vermutete Fälle mit Virusvarianten registriert.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsamt bedeuten die Mutationen vor allem eines: viel Erklärungsbedarf, wenn sie mit Infizierten und Kontaktpersonen telefonieren. Denn im Unterschied zu einer normalen SARS-CoV-2-Infektion verlängert sich die Quarantänezeit für Kontaktpersonen und Haushaltsangehörige von 10 auf 14 Tage; ein vorzeitiges Ende ist nicht möglich. Auch bei Ausbrüchen in Kitas und Schulen greift nicht die sogenannte Cluster-Regelung, sondern ebenfalls eine 14-tägige Absonderung. Das Problem: Bis endgültig klar ist, ob es sich um eine gefährliche Variante handelt, kann es mehrere Tage dauern.

„Wir reagieren bereits auf den Verdacht, um zeitnah alle Infektionsketten zu unterbrechen und so die Infektionsrate der Virusvariante einzudämmen“, erläutert Fallmanagerin Heike Theilmann das Vorgehen. Das bedeutet, dass bei einem Verdachtsfall direkt eine 14-tägige Quarantäne für Kontaktpersonen und Haushaltsangehörige angeordnet wird. Außerdem müssen sich die Haushaltsangehörigen von Kontaktpersonen der Kategorie 1 in Absonderung begeben – sie sind sonst als Kontakte von Kontakten nicht betroffen. „Da gibt es viel Unmut und Unverständnis“, wie Theilmann und ihre Kollegen erleben. Für die Infizierten selbst ändert sich nichts, egal ob es sich um eine der Mutationen handelt oder nicht: Sie müssen sich in jedem Fall für 10 Tage absondern und gelten danach – sofern sie keine Symptome mehr haben – als genesen.

Der Grund für die schärferen Regeln bei den Kontaktpersonen ist die deutlich höhere Übertragungsgefahr, die von den Mutationen ausgeht: „Man rechnet mit 30 bis 50 Prozent höherer Ansteckung“, wie Dr. Joggerst berichtet. Damit drohe ein erneutes Ansteigen der Fallzahlen, womöglich gar eine 3. Welle. Die gute Nachricht: „Die bislang zugelassenen Impfstoffe wirken auch gegen die britische Virus-Mutation, recht wahrscheinlich auch gegen andere“, sagt die Ärztin.

Bis klar ist, ob eine der gefährlichen Varianten im Spiel war, kann es bis zu fünf Tage dauern. Falls sich der ursprüngliche Verdacht bestätigt, ändert sich für Kontaktpersonen und Haushaltsangehörige nichts. Handelt es sich jedoch „nur“ um das normale Virus, werden die zusätzlichen Maßnahmen zurückgenommen: „Die Absonderungsdauer der wird dann für nur 10 Tage angeordnet und für Haushaltsangehörige von Kontaktpersonen vollständig aufgehoben“, beschreibt Theilmanns Kollege Tim Sottona das Vorgehen.