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Klingel-Taskforce: Erste Maßnahmen bereits in der Umsetzung

Alle zwei Wochen kommt die Klingel-Taskforce zusammen, um entweder in Präsenz oder per Videokonferenz über aktuelle Zwischenstände und neue Herausforderungen im Zusammenhang mit der Klingel-Auflösung zu sprechen. „Zuletzt haben wir fünf Maßnahmen definiert, an deren Umsetzung wir gemeinsam, aber in unserer jeweiligen Verantwortung arbeiten“, so Oberbürgermeister Peter Boch. Die Betreuung der Beschäftigten unter Federführung der Agentur für Arbeit komme gut voran, die Taskforce funktioniere in ihrer koordinierenden Funktion gut. „Auch die von der Stadt eingerichtete Website, auf der fortlaufend Informationen verschiedener Akteure gebündelt werden, ist als zentrale Anlaufstelle sehr gefragt, wie die aktuellen Abrufzahlen zeigen.“ Seit Einrichtung der zentralen E-Mail-Adresse klingel(at)pforzheim.de hätten sich über 60 Arbeitgeber mit über 100 offenen Stellen gemeldet. Die Angebote würden sowohl auf der Website eingestellt als auch an den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit weitergemeldet. „Weiterhin erreichen uns Angebote unmittelbar aus Pforzheim, aber auch aus den Nachbarlandkreisen und darüber hinaus; dies zeigt das große Interesse der regionalen Unternehmen an den Klingel-Beschäftigten.“

„Mit und für die rund 500 Betroffenen der ersten Entlassungswelle zum 30. November 2023 hat mein Team bereits die Arbeitsuchendmeldungen erfolgreich vorgenommen,“ betont Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit. „Auch die gegebenenfalls erforderlich werdende schnelle Auszahlung des Arbeitslosengeldes haben wir auf sichere Beine gestellt. Mein vorrangiges Ziel besteht jedoch darin, für möglichst viele Betroffene einen nahtlosen Übergang in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu erreichen, damit Arbeitslosigkeit erst gar nicht eintritt – daher auch unser ambitionierter Zeitplan. Insgesamt können wir mittlerweile sogar von 100 Betrieben sprechen, die auf uns zugekommen sind und explizit Interesse an den Klingel-Beschäftigten zeigen.“

Zum Umsetzungsstand der laufenden Maßnahmen und aktuellen Einschätzungen gibt die Taskforce Antworten auf die wesentlichen Fragen:

Wie werden die wirtschaftlichen Auswirkungen in Pforzheim von der Taskforce eingeschätzt?
Da die Beschäftigten des Unternehmens schrittweise entlassen werden, wirkt sich die Klingel-Auflösung noch nicht auf die Arbeitslosenstatistik aus. Die Arbeitslosenquote lag im August bei 6,5 Prozent in Pforzheim – und damit immer noch deutlich besser als in Mannheim mit einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent. „Nach vielen Gesprächen mit dem Mittelstand im Raum Pforzheim wird die Dimension der Klingel-Auflösung immer fassbarer, leider auch in der Folgewirkung für andere Betriebe“, sagt WSP-Direktor Oliver Reitz. „Wirtschaftlich sind wir in Pforzheim trotz des geringen Wachstums in Deutschland insgesamt noch robust aufgestellt“, so Reitz weiter. Dies zeige sich beispielsweise an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die für das Jahr 2022 bei knapp 59.000 lag und über all die letzten Jahre stetig gewachsen ist. „Dennoch befinden wir uns in einer Phase, in der mehrere Branchen eine Transformation durchlaufen. Nahezu jeder Wirtschaftszweig steht vor großen Herausforderungen. Dies ist bei einzelnen Unternehmen durchaus existenzbedrohend“, bemerkt Reitz. Daher komme es mehr denn je darauf an, sich bei Absatzmärkten, Lieferketten, Digitalisierungsprozessen und nicht zuletzt auch als attraktiver Arbeitgeber bei der Suche nach Fachkräften gut aufzustellen.

IHK-Geschäftsführerin Tanja Traub ergänzt, dass sich die Folgewirkungen auf Unternehmen im weiteren Umkreis von Pforzheim bis dato begrenzt halten, auch wenn der ein oder andere betroffen ist. „Insgesamt zeigt sich: In schwierigen Situationen rückt die Region eng zusammen und jeder leistet seinen Beitrag, wie sich beispielsweise bei der Weitervermittlung der Klingel-Auszubildenden zeigt.“

Wie ist der aktuelle Stand bei der Betreuung der Beschäftigten?

„Es läuft alles nach Plan. Ab 18. September nehmen meine Vermittlungsfachkräfte dann insgesamt acht Vermittlungsbüros an den drei Klingel-Standorten als Außenstellen der Arbeitsagentur in Betrieb“, so Arbeitsagenturchefin Lehmann. Damit soll sichergestellt werden, dass die Beschäftigten in gewohnter Umgebung mit ganz kurzen Wegen mit den Vermittlungsfachkräften der Agentur für Arbeit ins Gespräch kommen können.

Am Donnerstag, 21. September, findet die Arbeitgebermesse des Jobcenters statt. Aktuell beteiligen sich 18 Unternehmen an der Messe, auch die Beschäftigten des Unternehmens Klingels wurden bereits informiert. Sie können zwischen 9.30 und 12.30 Uhr mit potentiellen Arbeitgebern ins Gespräch kommen.

In Mühlacker präsentieren sich am Samstag, 14. Oktober, bei der Aus- und Weiterbildungsbörse Mühlacker-Enzkreis-Pforzheim Unternehmen. Durch die breite Palette an verschiedenen Branchen und Berufen sowie dem Weiterbildungsangebot sind auch alle Arbeitssuchenden, insbesondere von Klingel, herzlich eingeladen.

Für Samstag, 21. Oktober hat sich die Taskforce nun auf eine Jobmesse im CongressCentrum Pforzheim, von 11 bis 15 Uhr, verständigt. Bei diesem Format kooperieren Stadt, WSP und Arbeitsagentur und richten das Angebot gezielt an die Beschäftigten der Klingel-Gruppe, laden aber auch alle anderen Jobsuchenden herzlich ein. So werden auch die Beschäftigten der Galeria Karstadt-Kaufhof über das Angebot informiert.

Gibt es bereits konkrete Pläne für die Klingel-Standorte?
„Auch wenn der Fokus in den nächsten Wochen und Monaten auf der Vermittlung der Beschäftigten liegt, gilt es, auch bei der Vermittlung der betroffenen Klingel-Immobilien voranzukommen. In Abstimmung mit der Restrukturierungsgesellschaft und weiteren Akteuren im Insolvenzverfahren sind wir seitens der Stadt sehr bemüht, schnellstmöglich die Potentiale freiwerdender Flächen auszuschöpfen und die bislang durch die Klingel-Gruppe genutzten Immobilien möglichst zeitnah zu vermarkten“, stellt WSP-Direktor Oliver Reitz heraus. Insbesondere hinsichtlich der großen Betriebsflächen der Klingel-Gruppe in den Gewerbegebieten Altgefäll und Brötzinger Tal wurde auch in der Taskforce das städtische Interesse bekräftigt, „auf den Fahrersitz zu kommen, um dort Betriebe anzusiedeln, die sich mangels verfügbarer Fläche sonst nicht in Pforzheim ansiedeln könnten“, so Reitz weiter. Entsprechend habe die Stadt die Aufgabe und auch die Pflicht, alle Chancen auf den Zugriff auf nun freiwerdende Flächen zu prüfen. Über einen etwaigen Flächenkauf müsste der Gemeinderat entscheiden.

Welche Jobbörsen gibt es?
Als Angebote dienen sowohl die regionale Jobbörse der Agentur für Arbeit als auch die gemeinsame Jobzentrale für Pforzheim und den Enzkreis:

www.arbeitsagentur.de/jobsuche

www.jobzentrale-pforzheim-enzkreis.de  

„Da ein Großteil der Klingel-Beschäftigten entweder in Pforzheim oder dem Enzkreis wohnt, ist die gemeinsame Jobbörse der beiden Kommunen eine sehr gute Anlaufstelle“, sind sich Landrat Bastian Rosenau und Oberbürgermeister Peter Boch einig. Dort seien alle offenen Stellen gelistet, die entweder der Agentur für Arbeit oder Portalen wie Stepstone oder Indeed gemeldet werden. OB und Landrat betonen weiterhin, dass die Auflösung des Unternehmens Klingel eine „regionale Herausforderung darstellt, die gemeinsam und in engem Schulterschluss anzugehen ist.“

Gibt es eine zentrale Anlaufstelle, wo all diese Angebote gebündelt werden?
Ja, die Stadt hat basierend auf den Angeboten der Agentur für Arbeit eine Website aufgebaut und bündelt dort fortlaufend alle Informationen der unterschiedlichen Akteure.

www.Pforzheim.de/klingel 

Ebenfalls wurde eine zentrale E-Mail-Adresse von der Stadt Pforzheim eingerichtet.

klingel(at)pforzheim.de