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In Zeiten fortschreitender Klimaerwärmung: Waldentwicklung 20 Jahre nach „Lothar“

Umweltwanderung mit Bürgermeisterin Schüssler rund um Hohenwart

Mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern ist Umweltbürgermeisterin Sibylle Schüssler auf den Spuren von Orkan „Lothar“ rund um Pforzheims Höhenstadtteil Hohenwart bis zum Aussichtsturm „Hohe Warte“ gewandert.

Am Beispiel der „Niesswiesen“ am Ortseingang von Hohenwart veranschaulichten Umwelt- und Forstamtsleiter Markus Haller und Forstrevierleiter Andreas Bürle die gelungene Umwandlung einer rund 8 Hektar großen Sturmwurffläche von „Lothar“ zu einer mittlerweile artenreichen Wiesenlandschaft. Das 2003 vom Amt für Umweltschutz durchgeführte Projekt war eine erforderliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für die Realisierung des Baugebiets „Obere Maden“. „Am südlichen Waldrand hat die Forstverwaltung einen Waldrandweg mit Sitzbänken angelegt, den unsere Bürgerinnen und Bürger rege annehmen“, erläuterte Amtsleiter Markus Haller. Daneben stellt die seinerzeit neu begründete Allee mit Streuobstbäumen entlang des Feldwegs „Alte Huchenfelder Straße“ am Rand der Sickinbrunnenwiesen zudem einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt dar. Alte Obstbaumsorten wie etwa die Palmischbirne, die Champagner Bratbirne, Gelbmöstler, Sonnenwirtsapfel, Danziger Kantapfel oder die Dollenseppler Kirsche bereichern im Frühjahr die Landschaft mit ihren Blüten und im Herbst auch mit ihren Früchten.

Weiter führte die Wanderung über den alten Kirchenweg, der ein kurzes Stück als sogenannter Hohlweg ausgebildet ist, durch das hochwertige Fauna-Flora-Habitat-Gebiet der Flachlandmähwiesen hindurch in den Hohenwarter Wald rund um die „Hohe Warte“. Haller erinnerte dabei an den Jahrhundertorkan „Lothar“ vom 26. Dezember 1999, der allein in Baden-Württemberg rund 15 Millionen Festmeter Sturmholz verursacht hatte. Besonders im Bereich der westexponierten Kuppenlagen von Hohenwart, Huchenfeld und Büchenbronn entwickelte der Orkan Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern. Deshalb und wegen extrem durchfeuchteter Böden aufgrund tagelanger Regenfälle drückte der Orkan allein auf Pforzheimer Gemarkung rund 300.000 Bäume mit Leichtigkeit um. Allein im Stadtgebiet entstanden mehr als 500 Hektar Kahlflächen.

Die Bewältigung der immensen Schäden und die Wiederbewaldung der Schadensflächen war eine enorme Herausforderung für die Forstverwaltung sowie die eingesetzten Forstunternehmer und Waldarbeiter. Allein im Westen des Hohenwarter Waldes mussten rund 80 Hektar Sturmkahlflächen wiederbewaldet werden. Zwanzig Jahre später sind Markus Haller und Revierleiter Andreas Bürle zufrieden über das Ergebnis. Mittlerweile wachsen auf allen Flächen wieder artenreiche Mischwälder, die zu über 80 Prozent durch natürliche Waldverjüngung entstanden sind. Annähernd 20 Prozent der Flächen wurden ergänzend – vor allem mit Laubbäumen – bepflanzt.

„Leider wirkt sich der fortschreitende Klimawandel auch in Pforzheims Wäldern immer stärker aus“, drückte Forstamtsleiter Haller während der Wanderung sein Bedauern aus, „das extreme Trockenjahr 2018 war das wärmste und trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 140 Jahren, der nochmals außergewöhnlich heiße Sommer 2019 war bislang der drittwärmste insgesamt.“ Hitze und Trockenheit haben mess- und zählbar zu gravierenden Waldschäden geführt: insbesondere bei größeren und älteren Bäumen, vor allem bei der Weißtanne und der Hauptbaumart in Südwestdeutschland, der Buche. „Diese bisher ungekannten Schäden sind aus unserer Sicht sehr besorgniserregend“, zeigte sich Umweltbürgermeisterin Sibylle Schüssler nachdenklich, „zumal wir in Pforzheim eigentlich durchweg naturnahe und strukturreiche Mischwälder aufgebaut haben.“ Die Mitarbeiter der Forstverwaltung sind sich sicher, dass der Förderung und Pflege wärme- und trockenheitsverträglicher Baumarten wie etwa der Eiche oder auch der bisher noch seltenen Esskastanie daher künftig eine zunehmende Bedeutung zukommen wird.

Zum Abschluss der Umweltwanderung konnten die Teilnehmer bei erfrischenden Getränken noch herrliche Ausblicke vom 40 Meter hohen Aussichtsturm „Hohe Warte“ genießen, der 2002 als Naherholungsziel auf der größten Orkanschadensfläche in Hohenwart eingeweiht wurde.