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Erlebnisreiches Wochenende unter Freunden in Osijek

Partnerschaftsvertrag unterzeichnet

Bei allen Begegnungen anlässlich der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen Pforzheim und Osijek klang das lange und vielfältige Miteinander auf den unterschiedlichsten Bereichen an. Es bewegen sich Freunde unter Freunden, war bei allen Reden zu hören. Drei Oberbürgermeister waren auf der Osijeker Seite bei der Unterzeichnung dabei. So Prof. Zlatko Krameric, der 15 Jahre hindurch die Geschicke der Stadt leitete, sein Nachfolger Anto Dapic, der inzwischen als Stadtparlamentspräsident die Sitzungen leitet und der neue Mann Gordan Matkovic, der hofft, dass die politischen Krisenzeiten in Osijek überwunden sind. Auch auf Pforzheimer Seite waren zwei Oberbürgermeister Dr. Joachim Becker, Christel Augenstein und der verstorbene Erste Bürgermeister Siegbert Frank in den Entwicklungsprozess eingebunden. Gemeinsam mit Zlatko Krameric setzte der Osijeker Ehrenbürger Siegbert Frank 1996 bei der Weltmeisterschaft beim Spiel Tschechien gegen Deutschland auf einen Sieg für Deutschland wie auch jetzt die Kroaten den Deutschen beim Endspiel die Daumen drückten.

Die Pforzheimer Delegation erlebte in der Stadt an der Drau am Freitag und Samstag die Osijeker Sommernächte mit vielen unterschiedlichen Musikgruppen und Stilrichtungen. Die Schwarzstörche am Markplatz ließen sich dabei aber nicht aus ihrer Ruhe bringen. Daneben konnte die Gruppe im Rahmen der Osijeker Kulturwochen ein modern gestaltetes Mozartkonzert unter dem Sternenhimmel an der Drau genießen. Gleichzeitig war das 8. Deutschsprachige Theaterfestival in der Stadt angesiedelt bei dem sich zwölf Gruppen aus Kroatien und eine Gruppe aus Serbien der Jury stellte.

Neben dem Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Zagreb Dr. Bernd Fischer, der den erkrankten deutschen Botschafter vertrat, fand sich zum Ereignis der Partnerschaftsunterschrift  auch die Generalkonsulin des weltweit größten Konsulats der Kroaten aus Stuttgart, Dr. Vera Tardic, in Osijek ein.

Nostalgisch ließ sich die Gruppe mit der 85  Jahre alten Straßenbahn durch die Jugendstilstraße fahren. Bereits 1884 tuckelte die erste Bahn durch die Stadt. Es war zu der Zeit die erste in Südeuropa, wie der Stadtführer Vlado Pest berichtete.

Er wies auch auf die 16 000 Studenten hin, die in der Stadt studieren, brachte das Krankenhaus mit seinen 3000 Angestellten und 400 Ärzte ins Spiel und wies auf 17 gepflegte Parkanlagen in der Stadt hin. Freibad, Zoo und das gewaltige Naturschutzgebiet Kopaki – Rit sorgen ebenfalls dafür, dass sich ein Besuch in der ostslawonischen Stadt lohnt. Der Weg führte auch am Markt vorbei, der werktags von 5 bis 17 Uhr geöffnet ist. In der Unterstadt erwartete die Gruppe zwei Gandarme in der Uniform der 19. Jahrhunderts. Dort stand dann auch ein Fiaker mit Kutscher bereit für eine Rundtour durch die historische Unterstadt, ehe im Museum ein 150 Jahre alter funktionierender Musikschrank auf großes Interesse stieß.

Neben der Unterzeichnung war Anlass des Treffens das Peter – und Paulsfest, nach der gewaltigen Kathedrale im Zentrum der Stadt benannt, zu dem am Samstag auch hochrangige Delegationen aus den Partnerstädten kamen. Auf großes Interesse stieß die Ausstellungseröffnung „ Der Himmelsfluss Ganges und seine heiligen Männer „ von Uwe Dürigen im Nationaltheater. Der zweite Verwaltungsfachmann im Pforzheimer Stadttheater konnte damit nicht nut bei der Fotokina in Köln Beachtung finden sondern sein gleichnamiger Bildband war auch Buch des Monats, wie Oberbürgermeisterin bei ihrer Rede mit Stolz hinwies.

Am frühen Sonntag füllte sich der Innenhof im Rathaus in der Unterstadt mit Delegationen und der Pforzheimer Gruppe zur Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommens. Anto Dapic eröffnete die Begegnung mit den Worten  „ Jeder Tag, den man mit Freunden verbringt, ist ein wertvoller Tag „. Er erinnerte daran, dass in schwerer Zeit von 1991 bis 2000 59 Transporter mit insgesamt 2300 Tonnen humanitäre Hilfe oft unter schwierigsten Bedingungen  Osijek ansteuerten. Die Hilfe kam Heimen, der Volksküche des Caritasverbandes sowie Frauen und Kindern in Not zu Gute. Prof. Zlatko Krameric ging noch ausführlicher auf den gemeinsamen Weg ein und stellte dabei vor allem Siegbert Frank als Motor heraus mit dem er freundschaftlich verbunden war. Vor allem bewunderte er seine Vielfältigkeit und dass er ihm im Spiel mit dem Saxophon unterlegen war. Er bezeichnete das Miteinander der beiden Städte als einen wertvollen Baustein im Blick auf Europa. Um die Jahrhundertwende lebten 50 Prozent Deutsche in Osijek und Umgebung und das Gymnasium 2 in Osijek hat Deutsch als Fremdsprache und einen guten Kontakt zum Hildagymnasium.

Auch die Oberbürgermeisterin Christel Augenstein ging in ihrer Rede auf die Hilfsappelle aus Osijek ein, die nicht ungehört verhallten, kam auf die seit 1977 bestehende Verbindung von der Josip Juray Strossmeyer Universität mit der Pforzheimer Fachhochschule zu sprechen und fand vom Hilfskomitee für Osijek und Umgebung, das sich 1991 in Pforzheim gründete, letztlich zum Freundschaftsvertrag der beiden Städte am 12. November 1994 in Pforzheim. 1999 kam es dann zur Gründung der Deutsch-Kroatischen-Gesellschaft.

In Baden Württemberg gibt es nur vier solcher Gesellschaften. „ Mit und für die Bürgerinnen und Bürger der beiden Städte konnten wir unsere freundschaftlichen Beziehungen kontinuierlich ausbauen – mit und für die Bürgerinnen und Bürger unserer Städte soll unsere Partnerschaft gelingen „, war abschließend ihr Wunsch. Der Oberbürgermeister Gordan Matkovic erinnerte ebenfalls an die erfolgreiche Zusammenarbeit, die uneigennützige und aufopfernde Hilfen in schwerer Zeit, die den Osijekern signalisierte „ ihr seid nicht allein „. Mit Einzelnen, Vereinen und Institutionen schafften wir feste, freundschaftliche Beziehungen in vielen wirtschaftlichen, kulturellen, bildungs- und sportlichen Bereichen, die es nun in ein europäisches Kroatien hinein fortzupflegen gilt, führte er aus. Auch der neue Präsident der Kroatisch- Deutschen-Gesellschaft in Osijek, Mag. Drazen Kusen  sucht den Kontakt zur Pforzheimer Gesellschaft und der ehemalige Vorsitzende der Volksdeutschen in Kroatien und bis vor kurzem Abgeordneter der Minderheiten im Parlament in Zagreb Nikola Mak kam zur Unterzeichnung. Durch gewaltige Sonnenblumenfelder ging es bereits am Morgen für die Delegation aus Pforzheim auf der Autobahn zurück nach Zagreb.  

Rolf Constantin