Zum Inhalt springen
  • Bewölkt mit Aufhellungen: 51-84%10 °C
  • Kontrast

Darf’s ein bisschen mehr sein? Zwei Tonnen des historischen Erbes der Stadt auf dem Weg zur Massenentsäuerung

Insgesamt gehen 3.370 Verzeichnungseinheiten verpackt in 500 Archivboxen und verteilt auf sieben Paletten auf Reisen (Foto: Stadtarchiv)

„Papier ist geduldig!“, so heißt es gemeinhin. Die Archivarin weiß es besser: Manche Papiere sind es definitiv nicht und zeigen schon nach wenigen Jahrzehnten erste Zerfallserscheinungen. Das trifft in besonderem Maße auf Papier zu, das etwa zwischen den 1880er und den 1970er Jahren hergestellt wurde, denn neue Rezepturen und Produktionsverfahren erlaubten zwar die massenhafte Herstellung, gingen aber auf Kosten der Alterungsbeständigkeit: Das Papier auf Holzschliffbasis in Verbindung mit alaunhaltiger Leimung zersetzt sich vor allem aufgrund des niedrigen pH-Wertes schneller als vor oder nach diesem Zeitraum hergestelltes Papier. Das Papier vergilbt, wird spröde und kann schon nach wenigen Jahrzehnten so brüchig sein, dass es durch jede Benutzung unwiederbringlich zerstört würde.

Um es soweit nicht kommen zu lassen, hat das Stadtarchiv Pforzheim schon zum dritten Mal einen kleinen Teil seines Archivguts auf Reisen geschickt, damit dringend notwendige bestandserhalterische Maßnahmen durchgeführt werden können. Bei einem qualifizierten Spezialdienstleister werden die Dokumente der Pforzheimer Stadtgeschichte entsäuert. In einem eigens für die Zwecke von Archiven und Bibliotheken entwickelten Verfahren werden Stoffe in das Papier eingebracht, die den pH-Wert des Papiers positiv beeinflussen: von einem niedrigen, sauren pH-Wert, der den Papierzerfall beschleunigt, wird es auf einen leicht basischen pH-Wert von mindestens 7,5 gebracht.

Dieses Jahr ist die Menge der behandelten Originale mit 2.000 kg besonders groß – die Zeit drängt, denn je früher das bedrohte Papier entsäuert wird, desto nachhaltiger ist der Effekt. Vor diesem Hintergrund bitten wir um das Verständnis unserer Nutzer/innen, denn die behandelten Bestände stehen einige Wochen nicht für Recherchen zur Verfügung.

Die Massenentsäuerung betrifft folgende Bestände:

  • B1 – Dezernat 1, Signaturen 1974 – 2270
  • B24 – Besatzungskostenamt, Signaturen 1 – 1513
  • B31 – Polizeiamt, Signaturen 1 – 144
  • B32 – Amt für öffentliche Ordnung, Signaturen 9418 – 9419 (Gewerberegister)
  • B53 – Chemisches Untersuchungsamt, Signaturen 1 – 363
  • B55 – Ausgleichsamt, Signaturen 462 – 1303
  • B200 – Gemeinderat, Signaturen 1 – 228

Die zur Entsäuerung gegebenen Archivalien aus Bestand B200 wurden bereits digitalisiert und können derweil digital genutzt werden. Ab Dezember können alle Unterlagen wieder wie gewohnt in den Lesesaal bestellt werden.