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    Stand : 13.05.2021 - 13:38
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Jugendamt unterstützt Familien gerade auch in der Zeit der Corona-Pandemie

Das Jugendamt ist für Kinder, Jugendliche und deren Eltern Ansprechpartner, Ratgeber und Hilfeleistender – gerade auch in der Corona-Pandemie. „Wir spüren deutlich den Bedarf der Familien nach Unterstützung aufgrund der besonderen Herausforderungen, die durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, entstehen“, beschreibt Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn die Situation bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sozialen Dienstes. Im vergangenen Jahr seien 438 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt Pforzheim eingegangen.

Von Schulproblemen über Konflikte in der Familie bis zur Sucht – es gibt viele Gründe, die Kinder und Jugendliche belasten und beeinträchtigen. „Die Corona-Pandemie hat in vielen Familien diese Probleme verschärft: Keine Kita, keine Schule, keine Freunde treffen, kein Sport, kein Club. Gerade wenn sich das Leben in einer kleinen Wohnung abspielt, ist das für die Familien eine belastende Situation“, so Amtsleiter Joachim Hülsmann. Neben der fehlenden Struktur der Kinder und Jugendlichen, haben auch Eltern häufig das Problem, den Alltag in den Griff zu bekommen - von regelmäßigen Mahlzeiten bis zum Umgang mit Konflikten. Bereits bei diesen Themen setzen die Hilfestellungen des Jugendamtes an. „Praktische Unterstützung zu geben, das ist unser Job. Das Spektrum an Hilfe, die der Soziale Dienst dabei anbietet, ist breit: von der Beratung in Erziehungsfragen über die Unterstützung in der Familie bis zum Vermitteln einer Pflegefamilie“, so Abteilungsleiter Uwe Jung-Pätzold. Dabei ist es für die Arbeit des Sozialen Dienstes unablässig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort in die Familien gehen – und das auch zu Zeiten eines strikten Lockdowns.

Das Jugendamt wird auf unterschiedliche Weise auf Bedarfe der Familien aufmerksam. So melden sich häufig Eltern und Kinder selbst mit ihren Fragen und Problemstellungen. Während vor der Corona-Pandemie Hinweise oft aus Kitas und Schulen kamen, wenden sich nun auch vermehrt Menschen aus dem Umfeld einer Familie an das Jugendamt. Diese Hinweise sind eine wichtige Unterstützung für die Arbeit der Sozialen Dienste.

Von den im vergangenen Jahr 438 Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung waren ca. ein Drittel ernste, oft akute Fälle. Hierzu gehören insbesondere Fälle der häuslichen Gewalt. Michael Winkler, stellvertretender Abteilungsleiter, berichtet von einem Fall: „Ein Schüler in der Notbetreuung der Grundschule berichtete von seinen Erlebnissen zu Hause. Wir sind dem nachgegangen und haben zunächst die Einweisung des gewalttätigen psychisch erkrankten Vater veranlasst. Anschließend konnten wir in gemeinsamer Planung mit der Familie die Kontakte des Vaters mit dem Kind in einem geschütztem Rahmen wieder ermöglichen und Hilfestellungen für die Familie geben.“ Auch komme es immer wieder vor, so Winkler, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Familien kommen, in denen Überforderung aufgrund von Schulschließungen und Lockdown zu Vernachlässigungen, aber auch psychischer Misshandlung von Kindern führen. Hier gelte es um die Annahme von Unterstützung, z.B. durch eine Sozialpädagogische Familienhilfe, zu werben.

Bei fast 40 Prozent der eingegangenen Hinweise lag zwar keine Kindeswohlgefährdung vor, allerdings war Hilfe und Unterstützung vom Jugendamt dringend notwendig. In den übrigen Fällen stellte sich der Hinweis als falsche Einschätzung heraus. „Dieser ‚falsche Alarm‘ ist uns allemal lieber, als wenn einmal zu wenig hingeschaut wird“, sind sich Jung-Pätzold und Winkler einig.

Bei der Suche nach der passenden Hilfestellung stehen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes immer die Kinder, die Jugendlichen und ebenso die Eltern im Fokus. Oft reicht es für den Schutz der Kinder bereits aus, den Eltern konkrete Hilfen anzubieten. „Denn das ist häufig schon der Schlüssel zum Erfolg. Wer die Eltern stärkt, schützt damit meist auch die Kinder: starke Eltern, starke Kinder“, davon ist Jung-Pätzold überzeugt. So sei eine allein erziehende Mutter ohne soziale Kontakte, die an Covid-19 erkrankt war, an ehrenamtliche Einkaufshelfer vermittelt worden. Im ständigen telefonischen Austausch sei die besondere Belastungssituation und der Unterstützungsbedarf der Mutter eingeschätzt worden. Sie sei schließlich bereit gewesen, weitergehende durch das Jugendamt vermittelte ambulante Hilfen anzunehmen, die die familiäre Situation längerfristig stabilisierten.

Wer Hilfe braucht, wendet sich bitte direkt an den Sozialen Dienst des Jugend- und Sozialamts – per Telefon ist der Bereitschaftsdienst für eine erste Beratung zu den üblichen Öffnungszeiten erreichbar (07231/39-3242) oder per E-Mail (jsa(at)pforzheim.de).