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Tag der Erinnerung in Pforzheim – Gäste aus den Vogesengemeinden und aus Gernika nehmen an den Gedenkfeierlichkeiten zum 23. Februar teil

Zum 75. Gedenken des Angriffs auf Pforzheim hat eine große Gruppe aus den Vogesen an den Gedenkfeierlichkeiten in Pforzheim teilgenommen. Das Interesse der Franzosen war außerordentlich, diesen Tag in Pforzheim zu verbringen.

Dabei ist das nicht selbstverständlich: Denn die knapp 60 Männer und Frauen sind Gäste aus den Dörfern La Bresse, Cornimont und Ventron in Frankreich. Viele ihrer Angehörigen wurden infolge eines Angriffs auf die Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter nach Pforzheim deportiert. Nicht nur mussten sie hier 1944/45 fernab von ihrer Heimat und ihren Familien schwer arbeiten, sondern erlebten auch die Bombardierung der Stadt mit. Und verloren dabei einige ihrer Leidensgenossen.

Unter den Angereisten ist auch Michel Arnould, der Präsident der Vereinigung von „Les Amis de Pforzheim“. Er hat über Jahrzehnte hinweg die Versöhnung zwischen den beiden Nationen vorgetrieben und er ist Bürgermedaillenträger der Stadt Pforzheim. Sein Buch „Ils étaient á Pforzheim“ („Sie waren in Pforzheim“) enthält erschütternde Zeitzeugenberichte, Abenteuer und eindrückliche Begegnungen aus den Jahren der Zwangsarbeit 1944/45 in Pforzheim unter kärglichen Bedingungen.

Von der jungen Generation waren Jugendgemeinderäte und Schüler aus La Bresse und Cornimont ein gewichtiger Teil der Gruppe. Wollen Sie doch die Freundschaft und die Verbindung zu Pforzheim in die Zukunft tragen und mit dem Besuch ein starkes Zeichen setzen. Das zeigt ein mitgebrachtes Friedensgedicht, das auf dem Marktplatz beim Lichtermeer vorgetragen wird. Um der engen Bindung zueinander Ausdruck zu verleihen, verliest Jugendstadtrat Paul Günther die deutsche Übersetzung des Textes.

Am Nachmittag bot die Beauftragte für Kulturelle Bildung der Stadt Pforzheim, Frau Susanne Reinmüller und der Künstler Harald Kröner ein besonderes Programm für die jungen Gäste. Nach einer Führung durch die Bildtafel-Ausstellung im Stadtlabor, die Pforzheimer Schülerinnen und Schüler zum 23. Februar gestaltet haben, konnten die Gäste selber kreativ werden und nach Fotografien eigene Bilder zum Thema gestalten. Das stieß auf große Resonanz und regte aber auch zum Nachdenken an.

Es ist die Deutsch-Französische Gesellschaft, die die Kontakte zu den Nachkommen der französischen Zwangsarbeiter „Les Amis de Pforzheim“ aus den Südvogesen maßgeblich pflegt. Die Mitglieder organisieren jährliche Treffen und Wanderungen und beherbergen sich hier wie dort gegenseitig. Und es sind sehr enge Freundschaften zwischen den einstmals verfeindeten Nationen entstanden.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation hat Oberbürgermeister Peter Boch erst am 9. November vergangenen Jahres die Gemeinden besucht. Er dankte den Gästen für den nun erfolgten Gegenbesuch zum Gedenktag in Pforzheim und zeigte sich beeindruckt von dem großen Interesse der Gäste diesen Tag in der Stadt mitzuerleben und aller Opfer gemeinsam zu gedenken. Den Zwangsarbeitern widerfuhr in Pforzheim großes Leid - aber seit den ersten Kontakten im Jahr 1964 sei aus dem früheren Geist der Zerstörung und der Feindschaft ein Weg der Versöhnung erwachsen. Dieser Weg weist uns in ein geeintes Europa in Frieden und Freundschaft. 

Ebenfalls angereist ist eine Delegation aus Gernika mit dem stellvertretenden Bürgermeister Iñaki Gorroño und dem Stadtrat Alberto Azueta. Das gemeinsame Gedenken verbindet die Stadt Pforzheim mit der baskischen Partnerstadt Gernika.

Beide Städte eint dasselbe Schicksal - sie wurden im spanischen Bürgerkreig und Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe zerstört. Seit 1989 besteht eine Städtepartnerschaft, die durch etliche Austauschaktivitäten mit Leben gefüllt wird. Heute verbindet beide Kommunen eine tiefe und bereits seit über 30 Jahren andauernde Freundschaft.“