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Ausstellung Designers in Residence 2019

Eine überdimensionale Brosche mit politischer Botschaft, 3D-gedruckte Kleidung und Schuhe, mit filigranen Textilien kombiniert und Objekte, die sich aus den Beobachtungen der Umgebung ableiten: Eine Ausstellung im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim vom 28. Juni bis 07. Juli 2019 präsentiert die Ergebnisse des Stipendienprogramms „Designers in Residence“, das die Stadt Pforzheim in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim und dem Design Center Baden-Württemberg jährlich ausschreibt.

Veröffentlichung bitte mit Namensnennung EMMA Kreativzentrum Pforzheim Emma-Jaeger-Str. 20 75175 Pforzheim Telefon 07231 39-3750 Telefax 07231 39-2595 info@emma-pf.de Foto: Winfried Reinhardt Klinglesweg 1 75228 Ispringen info@reinhardt-fotografie.de (0049)07231 - 984123
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Von April bis Juni waren die drei Designer Sheng-Hung Lee aus Taiwan, Dabin Lee aus Südkorea und Ganit Goldstein aus Israel im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim zu Gast, wo sie an ihren Projekten gearbeitet haben. „Wir freuen uns sehr zu sehen, wie die drei Designer die dreimonatige Stipendienzeit genutzt haben, nicht nur, um an ihren Projekten zu arbeiten, sondern auch, um sich mit den Kreativschaffenden und Unternehmen vor Ort zu vernetzen und auszutauschen“, sagt Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim.

Die israelische Modedesignerin Ganit Goldstein bewegt sich an der Schnittstelle von Tradition und Zukunftstechnologien. Ihre Kollektionen, die neben Kleidungsstücken auch Schuhe umfassen, vereinen traditionelle Handwerkstechniken mit 3D-Druck. „Bei all den Entwicklungen und Möglichkeiten, die Technologien wie der 3D-Druck bieten, dürfen wir die traditionellen Handwerkstechniken nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Ganit Goldstein. Daher arbeitet sie etwa traditionell gewebte Elemente in Teile aus dem 3D-Drucker ein, die sie vorher mithilfe eines Bodyscanners auf den Träger zugeschnitten hat. Während des Stipendiums forschte Ganit Goldstein darüber hinaus weiter an einem Verfahren, um mit dem 3D-Drucker direkt auf Stoff zu drucken, und experimentierte zusammen mit der Firma PRUSA mit flexiblen Materialen sowie mit dem Mehrfarben-Druck bei der Herstellung von Schuhen. „Mit meinen Kollektionen möchte ich die Möglichkeiten von 3D-Druck in der Mode erforschen und 3D-Druck tragbar machen, denn ich glaube, dass in dieser Technologie die Zukunft der Mode liegt“, erläutert Ganit Goldstein. Ein wichtiger Aspekt in ihrer Arbeit ist daher auch die Nachhaltigkeit. Zum einen lässt sich durch den Einsatz der 3D-Druck-Technlogie der Abfall bei der Herstellung von Kleidung reduzieren, zum anderen setzt Ganit Goldstein bei der Auswahl ihrer Stoffe und Materialen auf recycelte und Second-Hand-Waren.

Die Schmuckdesignerin Dabin Lee stammt aus Südkorea und lebt seit sieben Jahren in Belgien. Im EMMA arbeitete sie an großformatigen Schmuckstücken, die die Grenzen zwischen tragbarem Schmuck und Objekten verwischen. „Schmuckstücke können mehr als nur schön auszusehen, sie sind nicht nur tragbare Luxusobjekte. Schmuck ist für mich ein Mittel, um Botschaften zu transportieren“, erzählt Dabin Lee. Ihr Projekt „Hello Murder“ beschäftigt sich mit unserer Konsumgesellschaft und ihren Schattenseiten, mit den Folgen unserer Bequemlichkeit: Plastiktüten etwa sind praktisch und einfach zu produzieren, der Umwelt fügen sie jedoch erheblichen Schaden zu. „Alles ist heutzutage in Plastik verpackt, wir verbrauchen Unmengen an Plastik, ohne uns Gedanken über die Folgen für die Natur zu machen“, sagt Dabin Lee.

Beispielhaft hierfür steht für Dabin Lee die Möwe: Da ein großer Teil unseres Plastikmülls im Meer landet, sterben diese Vögel, die das Plastik für Futter halten. Das 120cm auf 120cm große Werk „What do you sea?“ ist ihre Interpretation eines Warnschildes, mit Metalldrähten zu einem Teppich getufted. Es zeigt eine mutierte, vierbeinige Möwe, deren Bauch gefüllt ist mit alltäglichem Plastikmüll Wie schon in ihren bisherigen Werken setzt sie dabei die „Tufting“-Technik ein: Feine, bunte Metalldrähte werden hierbei wie beim Teppichknüpfen verarbeitet, so dass eine Struktur entsteht, die den Betrachter an Fell erinnert. „Auf den ersten Blick wirken meine Werke bunt und fröhlich, doch wenn man genauer hinschaut und das kalte Metall anfasst, wird man daran erinnert, dass die Realität anders aussieht“, erklärt Dabin Lee. Darüber hinaus sammelte Dabin Lee während ihres Aufenthalts in Pforzheim Plastikmüll von der Straße. Indem sie diesen mit Kupfer oder Silber galvanisiert: „So gebe ich dem Müll wieder einen Wert und verwandle ihn in ein Schmuckstück, denn unseren Schmuck schmeißen wir nicht weg.“

Der taiwanesische Industriedesigner Sheng-Hung Lee, der in Shanghai lebt und arbeitet, kreierte im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim „Small things with big heart“, 12 Objekte, die auf den ersten Blick klein wirken, aber dennoch eine große Bedeutung für das alltägliche Leben haben. Er verfolgt dabei den Ansatz des „humanity centered design“, stellt also den Menschen in den Mittelpunkt und überlegt, wie die Lebensqualität durch kleine Veränderungen in alltäglichen Dingen verbessert werden kann. Bei seinen Entdeckungstouren durch Pforzheim beobachtete er seine Umgebung und die Menschen in der Stadt und dokumentierte Situationen oder Gegenstände, die ihn inspirierten: „Dinge, die andere Menschen als selbstverständlich erachten sind für mich Dinge, die ein Designer in Angriff nehmen sollte“, sagt Sheng-Hung Lee. Bei einem Besuch in dem lokalen Stempel-Geschäft Stempel Weeber etwa fiel ihm auf, dass man oft Schwierigkeiten bei der korrekten Ausrichtung des Stempels hat. Daher entwickelte er in Kooperation mit Stempel Weeber eine Lösung hierfür. Das Ergebnis wird zusammen mit weiteren Produkten, die er aus seinen Beobachtungen abgeleitet hat, und seinem Buch „Design Concsiousness“, das seinen Arbeitsprozess dokumentiert, in der Ausstellung zu sehen sein. Auch Sheng-Hung Lee arbeitet mit 3D-Druck. „Der 3D-Druck gibt mir die Möglichkeit, meine Produkte direkt vor Ort als Prototypen auszudrucken und zu testen. Außerdem ist diese Art der Produktion kostengünstiger als beispielsweise CNC-Fräsen“, erläutert er.

Alle drei Designer zeigten sich begeistert über die Möglichkeit, drei Monate an einem Projekt zu arbeiten, das ihnen wirklich am Herzen liegt, und sich darüber hinaus mit Designern aus anderen Ländern und anderen Disziplinen auszutauschen. „Wir haben über die drei Monate super als Team zusammengearbeitet, haben uns gegenseitig Feedback zu unseren Projekten gegeben und auch viel zusammen unternommen“, erzählt Ganit Goldstein. Sheng-Hung Lee ergänzt: „Gerade wenn man wie ich aus dem Berufsalltag kommt, ist ein Stipendium wie Designers in Residence eine tolle Chance, sich auf seine eigene Arbeit zu konzentrieren, anstatt Auftragsarbeiten zu erledigen“.

„Designers in Residence“ wird auch im nächsten Jahr fortgeführt: Die Ausschreibung für den Aufenthalt 2020 startet Mitte September 2019.

Ausstellung „Designers in Residence“
28. Juni bis 07. Juli 2019
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-19 Uhr, Sa+So 11-19 Uhr
EMMA - Kreativzentrum Pforzheim, Emma-Jaeger-Straße 20, 75175 Pforzheim

Vom 17. September bis 17. Oktober 2019 wird die Ausstellung in Kooperation mit dem Design Center Baden-Württemberg zudem im Haus der Wirtschaft in Stuttgart gezeigt.

 

Die Stipendiaten

Ganit Goldstein, geboren 1992 in Israel, schloss 2018 ihr Mode- und Schmuckstudium an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf dem Einsatz von 3D-Druck zur Textilentwicklung für Mode und Schuhe ab. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester an der Tokyo University of the Arts in Japan. Für ihr zweites Studienjahr erhielt Ganit Goldstein eine Auszeichnung, darüber hinaus nahm sie weltweit an verschiedenen Ausstellungen und Wettbewerben teil, darunter beispielsweise der New York Textile Month, die Hong Kong Fashion Week oder der Art of Fashion Competition des San Francisco Art Museum. Zuletzt wurde ihre Kollektion „Between the Layers“ bei der Sonderschau „Talente“ auf der Internationalen Handwerksmesse in München gezeigt. Ihr Interesse liegt dabei an der Schnittstelle zwischen Handwerk und Technologie, sie erforscht, wie 3D-Druck und -Scan in genutzt werden können, um neue Methoden für die Mode- und Schuhkonstruktion zu entwickeln.

Dabin Lee, geboren 1991 in Südkorea, lebt aktuell in Belgien, wo sie ihren Master in Schmuckdesign, Gold- und Silberschmiedekunst an der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen (SEIN) absolvierte. Ihre Arbeiten wurden beispielsweise bereits im CODA Museum und der Gallery Marzee in den Niederlanden, im Bejing World Art Museum in China und auf der Munich Jewelry Week gezeigt. 2015 erhielt sie den Legacy Award for Contemporary Jewelry, 2016 den Arts & Crafts Design Award in Zagreb (Kroatien). Dabin Lee bschäftigt sich mit sozialen Problemen und Alltagsfragen in unserer Gesellschaft. Ihre grellen, humorvollen und farbenfrohen Werke transportieren eine Botschaft und bringen den Betrachter dazu, ihre eigene Wahrnehmung und Meinung zu überdenken.

Sheng-Hung Lee, geboren 1987 in Taiwan, ist Industriedesigner und Product Experience Designer, Maker bei der internationalen Designberatung IDEO und Professor am Shanghai Institute of Visual Arts der Fudan University. Sheng-Hung Lee schloss 2013 sein Studium an der National Cheng Kung University (NCKU), Taiwan, mit einem Doppelabschluss in Industriedesign und Elektrotechnik ab. Seine Arbeiten wurden mit renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter IDEA Gold, Braun-Preis und Core77 Designpreis, Red Dot (Best of the Best), Spark Design Award, Europäischer Produktdesignpreis (Gold) und iF Award. Sein Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Einflusses von Design und Technologie auf die Gesellschaft.

 

Das Stipendium

Die Stadt Pforzheim lädt jedes Jahr von April bis Juni in Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und dem Design-Center Baden-Württemberg internationale Nachwuchsdesigner im Rahmen des Stipendiatenprogramms "Designers in Residence" nach Pforzheim ein. "Designers in Residence" richtet sich an Nachwuchsdesigner aus den Bereichen Schmuck-, Mode-, Accessoire- und Industriedesign. Insgesamt werden drei Stipendiaten zu einer dreimonatigen Arbeitsphase ins EMMA – Kreativzentrum Pforzheim eingeladen. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgte durch eine Jury, bestehend aus der Mirjam Hiller (Schmuckdesignerin, mirjam hiller jewelry), Tim Storti (Industriedesigner, PEARL CREATIVE) und Bettina Weiss (Modedesignerin, adidas).

Den Stipendiaten stehen im Kreativzentrum voll ausgestattete Arbeitsplätze in den Werkstätten zur Verfügung sowie eine Unterkunft für den Zeitraum des Stipendiums. Bei Bedarf kann außerdem auf die Werkstätten der Hochschule Pforzheim zurückgegriffen werden. Zusätzlich erhält jeder Stipendiat eine monatliche Unterstützungsleistung und eine Erstattung der Reisekosten für An- und Abreise.

Das Projekt wird unterstützt von der Sparkasse Pforzheim Calw, C. Hafner, dem Rotary Club Pforzheim-Schloßberg, Witzenmann, La Biosthétique, Klingel und yellow design.

 

Kontakt:

Alexandra Vogt
Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim
Alexandra.vogt(at)ws-pforzheim.de
07231 39 1874