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Designers in Residence beginnen ihre Arbeit im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Für drei Monate wird Pforzheim wieder zum Wohn- und Arbeitsort für drei internationale Nachwuchsdesigner.

Designers in Residence
©Foto: Winfried Reinhardt
Dabin Lee
©Foto: Winfried Reinhardt
Ganit Goldstein
©Foto: Winfried Reinhardt
Sheng Hung Lee
©Foto: Winfried Reinhardt

Die Modedesignerin Ganit Goldstein aus Israel, die südkoreanische Schmuckdesignerin Dabin Lee und der taiwanesische Industriedesigner Sheng-Hung Lee werden im Rahmen des Stipendiatenprogramms „Designers in Residence“, das die Stadt Pforzheim jährlich in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim und dem Design Center Baden-Württemberg ausschreibt, von April bis Juni im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim an ihren Projekten arbeiten. „Mit dem Stipendiatenprogramm möchten wir nicht nur jungen Designern die Möglichkeit geben, sich drei Monate lang auf ihre Projekte zu konzentrieren, sondern auch zeigen, welche Themen internationalen Nachwuchsdesignern aktuell wichtig sind und welche Ansätze sie verfolgen. Die diesjährigen Projekte hinterfragen beispielsweise die Funktion von Schmuck und zeigen neue Möglichkeiten und Herangehensweisen für die 3D-Druck-Technologie auf“, erläutert Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim.

Zwei der drei diesjährigen Stipendiaten des Programms „Designers in Residence“ beschäftigen sich in ihren Projekten auf unterschiedliche Weise mit der 3D-Druck-Technologie. Die israelische Modedesignerin Ganit Goldstein vereint traditionelles Handwerk und 3D-Druck. „Ich glaube, dass der Einsatz der 3D-Druck-Technologie ein neues Verständnis für die Gestaltung von Kleidung und Accessoires schaffen kann, insbesondere in Bezug auf den verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt – momentan steht die Textilindustrie an zweiter Stelle der größten Umweltverschmutzer“, erläutert Ganit Goldstein. Während der drei Monate im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim möchte sie an einer maßgefertigten Kollektion aus Kleidungsstücken und Schuhen arbeiten, die auf einem 3D-Scan des menschlichen Körpers basieren. Die durch Spitzentechnologie gefertigten Elemente kombiniert sie mit traditionellen Handwerkstechniken. „Mein Ziel ist es nicht nur, eine innovative Kollektion zu entwickeln, sondern Verknüpfungen zwischen den digitalen Technologien und den Handwerkstechniken herzustellen, um so das Feld der „New Digital Craft“ voranzutreiben“, erzählt Goldstein.

Die Umgebung beobachten, auf die Bedürfnisse der Mitmenschen eingehen und daraus Objekte entwerfen, die direkt mit dem 3D-Drucker produziert werden können: Das ist das Ziel des taiwanesischen Industriedesigners Sheng-Hung Lee. „Designer haben oftmals eine andere Sicht auf die Dinge. Ziel meines Projektes ist es, zu beobachten, was die Menschen in meiner Umgebung bewegt und sinnvolle Produkte zu entwerfen, die sie dann auch selbst mithilfe eines 3D-Druckers herstellen können“, erklärt Sheng-Hung Lee. Aus diesem Grund möchte er die Pläne von allen während des Stipendiums entwickelten Produkten als Open Source Dateien zur Verfügung stellen.

Gerade von ihrer Einzelausstellung bei der Munich Jewellery Week zurückgekehrt, möchte die südkoreanische Schmuckdesignerin Dabin Lee im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim weiter an ihrem ausdrucksstarken Schmuck arbeiten, der politische Botschaften transportiert. Mit fellartiger Struktur, die sich durch das Knüpfen von dünnen Metalldrähten erreicht, und grellbunten Farben prangert ihre aktuelle Kollektion „Hello Murder“ beispielsweise Tierversuche in der Kosmetikindustrie an. „Schmuck ist für mich mehr also nur tragbare Luxusobjekte, er stellt eine Projektionsfläche dar, um gesellschaftliche Probleme darzustellen und zu hinterfragen“, erzählt Dabin Lee. Während des Stipendiums im EMMA möchte sie den verschwenderischen Umgang mit Plastik thematisieren und auch mit der Größe der Schmuckstücke experimentieren. „Ich freue mich sehr über diesen Freiraum, den mir das Stipendium bietet, um meine Ideen weiterzuentwickeln und mich ausprobieren zu können“.

 

Die Stipendiaten

Ganit Goldstein, geboren 1992 in Israel, schloss 2018 ihr Mode- und Schmuckstudium an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf dem Einsatz von 3D-Druck zur Textilentwicklung für Mode und Schuhe ab. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester an der Tokyo University of the Arts in Japan. Für ihr zweites Studienjahr erhielt Ganit Goldstein eine Auszeichnung, darüber hinaus nahm sie weltweit an verschiedenen Ausstellungen und Wettbewerben teil, darunter beispielsweise der New York Textile Month, die Hong Kong Fashion Week oder der Art of Fashion Competition des San Francisco Art Museum. Zuletzt wurde ihre Kollektion „Between the Layers“ bei der Sonderschau „Talente“ auf der Internationalen Handwerksmesse in München gezeigt. Ihr Interesse liegt dabei an der Schnittstelle zwischen Handwerk und Technologie, sie erforscht, wie 3D-Druck und -Scan in genutzt werden können, um neue Methoden für die Mode- und Schuhkonstruktion zu entwickeln.

Dabin Lee, geboren 1991 in Südkorea, lebt aktuell in Belgien, wo sie ihren Master in Schmuckdesign, Gold- und Silberschmiedekunst an der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen (SEIN) absolvierte. Ihre Arbeiten wurden beispielsweise bereits auf der Munich Jewelry Week, im CODA Museum in Apeldoorn (Niederlande)sowie in der Galerie Beyond in Antwerpen und der Galerie Marzee in Nijmegen, Niederlande, gezeigt. 2015 erhielt sie den Legacy Award for Contemporary Jewelry, 2016 den Arts & Crafts Design Award in Zagreb (Kroatien). Dabin Lee bschäftigt sich mit sozialen Problemen und Alltagsfragen in unserer Gesellschaft. Ihre grellen, humorvollen und farbenfrohen Werke transportieren eine Botschaft und bringen den Betrachter dazu, ihre eigene Wahrnehmung und Meinung zu überdenken.

Sheng-Hung Lee, geboren 1987 in Taiwan, ist Industriedesigner und Product Experience Designer, Maker bei der internationalen Designagentur IDEO und Professor am Shanghai Institute of Visual Arts der Fudan University. Sheng-Hung schloss 2013 sein Studium an der National Cheng Kung University (NCKU), Taiwan, mit einem Doppel-Bachelor-Abschluss in Design und Elektrotechnik ab. Seine Arbeiten wurden mit renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter IDEA Gold, Braun-Preis und Core77 Designpreis, Red Dot (Best of the Best), Spark Design Award, Europäischer Produktdesignpreis (Gold) und iF Award. Sein Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Einflusses von Design und Technologie auf die Gesellschaft. Kürzlich wurden seine Arbeiten u Strategie, Service und Benutzererfahrung für den asiatischen Markt in Zusammenarbeit mit der Industrial Designers Society of America in dem Buch <IDSA Blueprint in Asia> veröffentlicht.

 

Das Stipendium

Die Stadt Pforzheim lädt jedes Jahr von April bis Juni in Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und dem Design-Center Baden-Württemberg internationale Nachwuchsdesigner im Rahmen des Stipendiatenprogramms "Designers in Residence" nach Pforzheim ein. "Designers in Residence" richtet sich an Nachwuchsdesigner aus den Bereichen Schmuck-, Mode-, Accessoire- und Industriedesign. Insgesamt werden drei Stipendiaten zu einer dreimonatigen Arbeitsphase ins EMMA – Kreativzentrum Pforzheim eingeladen. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgte durch eine Jury, bestehend aus Mirjam Hiller (Schmuckdesignerin, mirjam hiller jewelry), Tim Storti (Industriedesigner, PEARL CREATIVE) und Bettina Weiss (Modedesignerin, adidas).

Den Stipendiaten stehen im Kreativzentrum voll ausgestattete Arbeitsplätze in den Werkstätten zur Verfügung sowie eine Unterkunft für den Zeitraum des Stipendiums. Bei Bedarf kann außerdem auf die Werkstätten der Hochschule Pforzheim zurückgegriffen werden. Zusätzlich erhält jeder Stipendiat eine monatliche Unterstützungsleistung und eine Erstattung der Reisekosten für An- und Abreise. Die Ergebnisse des Arbeitsstipendiums werden anschließend vom 28. Juni bis 7. Juli 2019 in einer Ausstellung im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim präsentiert, die Eröffnung der Ausstellung ist am 27. Juni um 19 Uhr. Vom 17. September bis 17. Oktober 2019 wird die Ausstellung in Kooperation mit dem Design Center Baden-Württemberg zudem im Haus der Wirtschaft in Stuttgart gezeigt.

Das Projekt wird unterstützt von der Sparkasse Pforzheim Calw, C. Hafner, dem Rotary Club Pforzheim-Schloßberg, Witzenmann, La Biosthétique, der KLiNGEL Gruppe und yellow design.

 

Kontakt:

Alexandra Vogt

Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim

Alexandra.vogt@ws-pforzheim.de

07231 39 1874