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Die „Rassler“ – Mythos und Wirklichkeit

Unter diesem Titel präsentierte am 20. Juli 2015 Prof. Dr. Hans-Peter Becht vom Historischen Seminar der Universität Stuttgart im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Montagabend im Archiv“ seinen Überblick über die Geschichte der Pendelwanderung der Industriearbeiter nach Pforzheim. Becht – als vormaliger langjähriger Leiter des Stadtarchivs den über 65 Besucher kein Unbekannter – gab einen fundierten Überblick über die Industrialisierung Pforzheims von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert und stellte die Geschichte der Pendelwanderung in diesen Kontext.

Mit umfangreichem Zahlenmaterial belegte Becht die Bedeutung der Pendler für die Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie, erläuterte Entwicklung und Konjunkturen der Pendelbewegungen nach Pforzheim und zeichnete ein differenziertes Bild der Aufteilung der Nah- und Fernpendlern auf ihre jeweiligen Herkunftsorte; Thema waren schließlich auch die Bedeutung Infrastruktur bzw. des Anschlusses Pforzheims an das Eisenbahnnetz ab der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie Ausbildung und Bezahlung der Schmuckarbeiter und Schmuckarbeiterinnen, die zumeist überwiegend für geringer qualifizierte Tätigkeiten beschäftigt und schlechter als ihre männlichen Kollegen bezahlt wurden.

Von Becht zitierte Selbstzeugnisse der Pendler gaben ein eindrucksvolles Bild der Lebenswirklichkeit der „Rassler“. Mitveranstalter des Abends war die Löbliche Singergesellschaft von 1501, deren Obermeister Claus Kuge den Referent und die Gäste ebenfalls herzlich begrüßte.