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MVZ soll angespannte medizinische Versorgungslage verbessern

Verwaltung bringt Antrag zur Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums ein

Die Versorgungslage der Pforzheimer Bevölkerung im kinderärztlichen und allgemeinmedizinischen Bereich hat sich seit einigen Jahren zunehmend angespannt. Grund sind unter anderem die stark gestiegenen Einwohner- und Geburtenzahlen im Stadtgebiet bei einer gleichzeitigen fortschreitenden Alterung der Gesellschaft. Dazu kommen Praxisschließungen, weil keine Nachfolgerinnen oder Nachfolger gefunden werden. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, arbeiten Oberbürgermeister Peter Boch und Sozialdezernent Frank Fillbrunn seit vielen Monaten an der Schaffung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Mit einer Beschlussvorlage zur Gründung einer entsprechenden GmbH möchte die Verwaltung nun Tatsachen schaffen und für eine deutliche und spürbare Verbesserung der angespannten Versorgungslage sorgen. Der Antrag wird am 11. Juli in der gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfeausschusses und des Ausschusses für Soziales und Beschäftigung sowie am 16. Juli im Hauptausschuss und am 22. Juli im Gemeinderat vorberaten. Der endgültige Beschluss zur Schaffung eines Versorgungszentrums soll dann in der Sitzung des Gemeinderats am 24. Juli erfolgen.

„Wir haben über Monate hinweg intensiv daran geabeitet und verschiedenste Akteure eingebunden, um dem Gemeinderat jetzt die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums in Form einer GmbH vorschlagen zu können. Damit reagieren wir auf die berechtigten Forderungen unserer Bürgerinnen und Bürger, die Lücken in der kinderärztlichen und allgemeinmedizinischen Versorgung im Stadtgebiet zu schließen“, betont Oberbürgermeister Boch. Dabei sei es wichtig zu betonen, dass das MVZ keine Konkurrenz zu den schon in Pforzheim praktizierenden Ärztinnen und Ärzten darstelle. „Wir wollen vielmehr die medizinische Versorgung für die Zukunft Pforzheims sicherstellen und bestehende Angebote ergänzen“, so OB Boch. Auf dem Weg zur Gründung eines MVZ wurde die Stadt zudem maßgeblich durch die Fachexpertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts Pforzheim-Enzkreis unterstützt.

Im Mittelpunkt des MVZ-Angebots steht die hausärztliche- und kinderärztliche Grundversorgung. Dazu gehören zum Beispiel im kinderärztlichen Bereich die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) und Impfungen. Starten soll das Versorgungszentrum mit zwei Medizinern im pädiatrischen Bereich. „Für uns ist aber klar, dass dieses MVZ in den kommenden Monaten und Jahren wachsen soll. Schon jetzt gibt es weitere Interessenten, mit denen es uns gelingen wird, die medizinische Versorgung in Pforzheim kontinuierlich zu verbessern“, erklärt Bürgermeister Frank Fillbrunn. Zudem solle im Zentrum auch ein Fokus auf die Weiterbildung und die Einbindung von weiteren medizinischen Berufsgruppen gelegt werden.

Mit einem Versorgungszentrum wird Medizinerinnen und Medizinern auch die Chance auf eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis und in Teilzeit ermöglicht. Dies eröffnet vor allem die Möglichkeit, Ärztinnen und Ärzten ein flexibles Arbeitszeitmodell zu bieten, das unter anderem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch das Arbeiten in Altersteilzeit ermöglicht. Zudem sorgt die Organisation des MVZ als selbständige GmbH mit einem Geschäftsführer und mehreren medizinischen Fachangestellten dafür, dass den Ärztinnen und Ärzten die bürokratischen Aufgaben einer Praxis abgenommen werden. So wird mehr Zeit für die Versorgung der Patientinnen und Patienten geschaffen.

Der Betrieb des Versorgungszentrums soll in Form einer kommunalen GmbH erfolgen. Die Stadt Pforzheim wird dabei alleinige Gesellschafterin der Gesundheitszentrum Pforzheim MVZ GmbH. Für die Geschäftsführung konnte bereits ein erfahrener Mediziner gewonnen werden. Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die bei dieser GmbH angestellt sind, ist nach oben nicht begrenzt, begonnen werden muss allerdings mit mindestens zwei Ärztinnen und Ärzten mit zwei halben Sitzen. Bei der Finanzierung des MVZ ist davon auszugehen, dass sich dieses nach fünf Jahren selbst trägt und nach den Mitteln zur Gründung der GmbH keinen regelmäßigen städtischen Zuschuss mehr benötigt. Für die Gründung und die auskömmliche Finanzierung der neuen GmbH werden nach detaillierten Planungen circa 360.000 Euro benötigt. Diese Summe bildet unter anderem die anfallen Kosten für das Startkapital, die Gründungskosten, die Aufwendungen für die Ausstattung der Praxis und die Ausstattung mit notwendiger Liquidität ab. Darüber hinaus rechnet die Verwaltung mit Beratungskosten, da vor allem in der Gründungsphase Expertise notwendig ist.

Seinen Standort soll das MVZ in gut zugänglichen Räumen im innenstadtnahen Bereich, gegebenenfalls in einem Ärztehaus beziehen. Von der Verwaltung wurden in diesem Zusammenhang bereits einzelne Standorte in Erwägung gezogen. Angemietet werden die Räumlichkeiten nach der Gründung der GmbH.