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Designers in Residence starten im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Internationales Stipendienprogramm Designers in Residence

Designers in Residence
BU v.l.: Die drei Stiependien gingen in diesem Jahr an Simon Rogalla, Alejandra Alarcon und Elisa Lutteral
©WSPFoto: Winfried Reinhardt

Das Stipendienprogramm „Designers in Residence“, das am 1. April gestartet ist, bietet seit 2016 in Kooperation mit dem Design Center Baden-Württemberg und der Hochschule Pforzheim internationalen Nachwuchsdesignerinnen und -designern die Möglichkeit, sich drei Monate lang intensiv mit einem selbst gewählten Thema auseinanderzusetzen und somit ihr Designprofil zu schärfen. In diesem Jahr arbeiten Alejandra Alarcón aus Mexico/Finnland, Elisa Lutteral aus Argentinien/USA und Simon Rogalla im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim an ihren Projekten.

„Der internationale Austausch und Kooperationen sind uns sehr wichtig, um neue Impulse für die Kreativschaffenden in die Stadt zu bringen und um die Wahrnehmung der Stadt Pforzheim als Designstandort zu erhöhen“, so Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). „Wir freuen uns daher sehr, mit Alejandra Alarcón, Elisa Lutteral und Simon Rogalla wieder drei Nachwuchsdesignerinnen und -designer im EMMA begrüßen zu können, die aus über 400 Bewerbungen ausgewählt wurden.“

Schon als Kind trat der Produktdesigner Simon Rogalla, wie auch schon seine Eltern und Großeltern, den Pfadfindern bei. Er lernte, Unterstände und Möbel aus Holz und Seilen zu bauen. Aus Respekt vor und zum Schutz der Umwelt, waren diese immer so konzipiert, dass alle Materialien abgebaut und wiederverwendet werden konnten. Dieses Prinzip möchte Simon Rogalla in seinem Projekt „Thread of Time“ in zeitgenössische Möbel übersetzen und verschiedene Seiltechniken als Verbindungselement für den Bau von Möbeln und anderen Objekten erforschen. „Mich fasziniert der Gedanke, ein Objekt zu entwickeln, das nach Gebrauch in seine Einzelteile zerlegt werden kann und das danach nicht mehr erkennbar ist, was es vorher war. Mein Konzept ist ein Gegenvorschlag dazu, was wir heute unter zeitlosem Design verstehen – Objekte, die für die Ewigkeit entwickelt und gebaut werden“, erklärt Simon Rogalla. Er möchte eine Serie aus Möbelstücken und weiteren Objekten aus möglichst unbearbeiteten Materialien entwickeln, die mit verschiedenen Knotentechniken verbunden werden.

Elisa Lutteral beschäftigt sich in ihrem Projekt „Soft Power“ mit der Repräsentation von Macht, insbesondere mit Materialien, die Menschen mit Macht verbinden. „In unserer Gesellschaft existiert ein Gegensatz, einerseits aus einem Streben nach biologisch abbaubaren und nachhaltigen Materialien und dem Schaffen von Objekten und Monumenten aus Metall oder Stein, die ein Menschenleben überdauern. Mich interessiert die Frage, warum wir Macht noch immer mit Stabilität, Metall und Strukturen verbinden und warum Symbole von Macht beständig sein müssen“, so Elisa Lutteral. Während ihres Stipendiums möchte sie Objekte aus galvanisierten Textilien schaffen, die hinterfragen, welche Materialien wir als wertvoll empfinden und was wir mit Macht assoziieren.

Alejandra Alarcón wirft einen kritischen Blick auf die soziale und kulturelle Dynamik bei Tisch. "Ich möchte die Menschen dazu einladen, auf andere Art und Weise mit ihrem Essen zu interagieren und einen neuen Ansatz für kulinarische Erlebnisse zu finden, indem ich mit etablierten Tischsitten breche", erklärt Alejandra Alarcón. Durch praxisorientierte Forschung möchte sie neue Artefakte entwickeln, die den Menschen einen spielerischen Zugang, sowohl bewusst aber als auch fantasievoll, zum Essen ermöglichen.

Die drei Designerinnen und Designer werden von April bis Juni 2024 in Pforzheim wohnen und im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim an ihren Projekten arbeiten. Für den Zeitraum des Stipendiums erhalten sie eine kostenlose Unterkunft sowie eine monatliche finanzielle Förderung. Darüber hinaus können die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Infrastruktur und die Angebote der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim im Rahmen des Stipendiums nutzen. Im Anschluss werden die Ergebnisse vom 29. Juni bis 14. Juli 2024 in einer Ausstellung im EMMA – Kreativzentrum präsentiert, die Eröffnung der Ausstellung findet am 28. Juni 2024 um 19 Uhr statt.


Die Stipendiaten

Alejandra Alarcón ist eine interdisziplinäre zeitgenössische Designerin. Sie wurde in Mexiko geboren und lebt und arbeitet in Helsinki in Finnland. Ihre Arbeit ist eine Mischung aus persönlichen Erzählungen, Forschung und Materialerkundung. In letzter Zeit konzentrierte sie sich auf den Bereich der Lebensmittel und des Designs in seinen verflochtenen sozialen, politischen, kulturellen und nachhaltigen Dimensionen. Alejandra Alarcón absolvierte den MA in zeitgenössischem Design an der Aalto Universität (2023) und den BA in Industriedesign an der Universidad Iberoamericana Ciudad de México (2019). Ihre Arbeiten wurden bereits im Museo Universitario del Chopo, auf der Helsinki Design Week, der Dutch Design Week und im Museo Franz Mayer in Mexiko-Stadt ausgestellt.

Elisa Lutteral studierte Modedesign an der University of Buenos Aires (FADU, 2015), wo sie zudem als Dozentin arbeitete. 2023 absolvierte sie einen Master in Textildesign an der Parsons, The New School of Design in New York, wo sie aktuell lebt und arbeitet. Elisa erhielt das Sakata Orimono Stipendium in Hirokawa, Fakuoka, Japan. Ihre Arbeiten wurden unter anderem bei der Talente-Schau in München, in der L Space Gallery und bei PTM Contemporary, New York, USA, ausgestellt. Sie wurde im Talking Textiles Magazin veröffentlicht und erhielt 2022 eine Anerkennung als Finalistin des Dorothy Waxman Textil Preises. Elisa Lutteral ist zudem Teil des Kollektivs „Colectivo de Palabreo“, das durch Events und Diskussionen traditionelle Herangehensweisen an Wissen und Materialkulturforschung hinterfragt.

Simon Rogalla studierte Produkt- und Holzdesign an der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg. Aktuell arbeitet er als Freelancer in Nittenau, Bayern. Seine Arbeit fokussiert sich auf Produkte, die im Kern nachhaltig sind, aber auch durch Geschichten und eine harmonische Formensprache eine Verbindung zu den Menschen herstellen.

EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Das EMMA – Kreativzentrum Pforzheim ist die zentrale Plattform für Pforzheims Kreative. In einem ehemaligen Jugendstilbad an der Enz, bietet das Kreativzentrum auf einer Fläche von 3.000 Quadratmeter Werkstatt- und Coworking-Arbeitsplätze, Ateliers, Büros und Ausstellungsflächen. Auch die Stadt selbst zeichnet sich durch eine lebendige Kreativszene mit Schwerpunkt Design aus. Zahlreiche Hochschulabsolventen, Existenzgründerinnen und -gründer, Freelancer und Unternehmen aus der Kreativwirtschaft arbeiten in Pforzheim und beleben den Standort. „Designers in Residence“ wird unterstützt von der Sparkasse Pforzheim Calw, C. Hafner GmbH + Co.KG, dem Rotary Club Pforzheim-Schloßberg und der yellow design gmbh.