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Ausstellung „Im Osten nichts Neues“ im A.K.T; und EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Ausstellung "Im Osten nichts Neues" ©CzechFoto: Janusz

Die Ausstellung „Im Osten nichts Neues“ ist vom 21. Oktober 2023 bis 14. Januar 2024 im A.K.T; und vom 21. Oktober bis 19. November 2023 im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim zu sehen. Sie beschäftigt sich mit der Entwicklung der Beziehungen zwischen ost- und westeuropäischen Staaten nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion. Die vergangenen 30 Jahre waren eine turbulente Zeit mit Phasen der Annäherung und der Entfremdung, nicht selten geprägt von Missverständnissen. „Im Osten nichts Neues“ unternimmt den Versuch, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Krisen-, bzw. Kriegssituation in Europa, den osteuropäischen Blick auf Europa zu erörtern, osteuropäische Perspektiven zu präsentieren und in einen offenen Diskurs zu treten. Gezeigt werden Positionen von Künstlerinnen und Künstlern aus Polen, Ungarn, Georgien, Lettland, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Slowenien, Tschechien, Belarus, Kasachstan oder der Ukraine, die über gesellschaftliche Fragstellungen in diesen Ländern reflektieren. „Auch 30 Jahre nach dem Ende des Warschauer Paktes scheint Osteuropa für die westeuropäischen Länder noch schwer greifbar zu sein. Insbesondere in der aktuellen Situation wird deutlich, dass wir Schwierigkeiten haben, die Situation in den osteuropäischen Ländern nachzuvollziehen. Mit der Ausstellung möchten wir einen Einblick geben, wie die Menschen in den osteuropäischen Ländern mit der Integration in ein anderes Wertesystem und andere ökonomische Strukturen umgehen und wie sie dies wahrnehmen“, erläutert Janusz Czech, künstlerischer Leiter des A.K.T;.

Die ausgestellten Werke zeigen das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, hinterfragen die Situation innerhalb der Europäischen Union, nehmen Bezug auf frühere und aktuelle Kriege und Konflikte, thematisieren die Rolle der Frau in der Gesellschaft oder betrachten die Auswirkungen der wirtschaftlichen Transformation. Die Künstlerin Nina Rukavina aus Kroatien etwa beschäftigt sich in ihren Performances, die in der Ausstellung als Videos zu sehen sind, unter anderem mit der europäischen Union und hinterfragt in „In the end it’s all about the money“ und „Lost in transition“ die Entwicklungen in der EU.

Die Serie „Date“ des polnischen Künstlers Wiktor Dyndo weist auf zentrale Ereignisse im Verlauf des jüngeren Zeitgeschehens hin, wie etwa „February 24“, die einen bestimmten Moment kurz vor dem ersten Bombenangriff auf eine ukrainische Stadt zeigt, oder „May 01“. Der 1. Mai ist einerseits der Tag der Arbeit, einst der wichtigste Feiertag in der kommunistischen Ära. Am 1. Mai 2004 trat Polen zudem der EU bei, weshalb es eine zweite Version des Bildes gibt, in der zum Ausdruck kommt, wie sich einige Menschen in osteuropäischen Staaten von den Auswirkungen des Turbokapitalismus überrollt fühlen.

Die Künstlerinnen Anna Baranowski (Polen) und Luise Schröder (Deutschland) thematisieren in ihrer Videoarbeit „facing the scene“, das die Einweihungsfeier der weltweit größten Jesus-Statue in der polnischen Kleinstadt Swiebodzin zeigt, die sich beeinflussenden Wechselbeziehungen zwischen Modernität und Tradition, Urbanität und Peripherie, Konsumverhalten und moderner Machtdemonstration und ermöglicht darüber hinaus eine Reflexion der gesellschaftlichen, sozialen, politischen und religiösen Dimensionen solcher spektakulären und massenmedial inszenierten Ereignisse.

Mit sowjetischer Symbolik und Nostalgie für die sowjetische Vergangenheit beschäftigt sich der lettische Künstler Krišs Salmanis. Sein „Window to Europe“, ein sternförmiges Kunststofffenster, entstand, als er während der Pandemie längere Zeit auf dem Land lebte und mit den zahlreichen verfallenen sowjetischen Gebäuden konfrontiert war. Die Installation „Waltz No. 2“, bei der ein Hammer ein unterbrochenes Kabel verbindet und die Jazz-Suite Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch zu hören ist, sind für Salmanis die Verkörperung der sowjetischen Vergangenheit, die viele seiner Landsleute noch heute empfinden.

Der Digitaldruck „Seeing is believing“ der ukrainischen Künstlerin Julia Beliaeva zeigt eine lebensgroße Porzellanfigur, die auf einer Fotografie eines hungernden Mädchens in den Straßen von Kharkiv basiert. Mit ihrer Arbeit thematisiert Beliaeva die Kindheit als schützenswertes Gut und verleiht den aktuellen Ereignissen in der Ukraine eine historische Perspektive.

Begleitend zur Ausstellung findet im A.K.T; in Kooperation mit der Dydo Gallery im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim eine Ausstellung mit Plakaten polnischer Künstlerinnen und Künstler statt, wie u.a. Franciszek Starowieyski, Jan Sawka, Jan Lenica, Waldemar Świerzy, Lipiński Eryk, Pągowski Andrzej oder Tomaszewski Henryk. Gezeigt werden Plakate der polnischen Schule sowie zeitgenössische Plakate von 1950 bis heute. In der Nachkriegszeit wurde polnische Plakatkunst international als sogenannte „polnische Schule“ bekannt. Die Künstlerinnen und Künstler, die Plakate für Theater, Filme oder kulturelle Veranstaltungen gestalteten, verfügten über eine große künstlerische Freiheit und entwickelten neue Ausdrucksformen, die sich durch Kreativität und Vielfalt auszeichneten. Gleichzeitig spiegeln die Plakate den Zeitgeist in Polen wider und reflektieren die ereignisreiche polnische Geschichte.

 

Ausstellung Im Osten nichts Neues

Teil 1

21. Oktober 2023 bis 14. Januar 2024
Wo: A.K.T; Theaterstraße 21, 75175 Pforzheim

Öffnungszeiten: Fr 14 bis 19 Uhr, Sa 14 bis 22 Uhr, So 11 bis 19 Uhr
www.akate.de

Teil 2
in Kooperation mit der dydo poster gallery
21. Oktober bis 19. November 2023
Wo: EMMA – Kreativzentrum Pforzheim, Emma-Jaeger-Straße 20, 75175 Pforzheim
Öffnungszeiten: Fr 14 bis 19 Uhr, Sa 14 bis 22 Uhr, So 11 bis 19 Uhr
www.emma-pf.de

 

Mit Werken von

Maja Bajević, Anna Baranowski & Luise Schröder, Rufina Bazlova & Sofia Tocar, Julia Beliaeva,

Frédéric Chaubin, Márta Czene, Lex Drewinski, Wiktor Dyndo, Ieva Epnere, Vladimir Frelih & Dragan Matić, Susanne Fritz, Sętowski Gawron, Shalva Gelitashvili, Michael Grudziecki, Aneta Grzeszykowska, Marina Gržinić & Aina Šmid, Jakub Janovský, Sofia Hager, Gvantsa Jishkariani & Nata Sopromadze & David Apakidze, Zhanna Kadyrova, Franka Kaßner, Zauri Matikashvili, Ana Petrović, Nika Rukavina, Krišs Salmanis, Slavs and Tatars, Zbigniew Sikora, Simpson, Wojciech Wilczyk, Waldemar Zimbelmann

 

A.K.T;

Der A.K.T; ist ein Ort für gesellschaftliche Diskurse und ein interdisziplinäres Labor der Zukunft. Aktuelle Fragestellungen werden im A.K.T; aus dem Blickwinkel des Designs und der Kunst beleuchtet und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Design sichtbar gemacht. Neben regelmäßigen Ausstellungen erforschen Studierende des Masterstudiengangs Design & Future Making der Hochschule Pforzheim im MADLAB Zukunftsfragen. Im EG und 1. OG ist das Café Roland beheimatet.

Künstlerische Leitung: Janusz Czech, Lisa Schlenker (Assistenz), Co-Kurator Thomas Olze

Die Ausstellung findet statt in Kooperation mit:
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Werner Wild Stiftung, agora42, EMMA – Kreativzentrum Pforzheim, Hochschule Pforzheim, Café Roland, dydo poster gallery