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Ausstellung „Bodies That Matter“ im A.K.T;

Ausstellung "Bodies that matter" ©EMMA-KreativzentrumFoto: A.K.T;

Wir leben im Anthropozän, im Zeitalter des Menschen. Wir wirken massiv auf unsere Umwelt ein, aber auch an uns Menschen gehen die Veränderungen nicht spurlos vorbei. Vor allem die letzten Jahre sind geprägt von tiefgreifenden ökologischen, technologischen, kulturellen und politischen Transformationen, mit denen wir als Individuen, aber auch als Gesellschaft umgehen müssen. Die Ausstellung „Bodies That Matter“ vom 19. Mai bis 9. Juli im A.K.T; zeigt Einzelpositionen, die Bezug auf den Körper und den Raum als Medium dieser Veränderungsprozesse nehmen und sich damit beschäftigen, wie der Körper auf technologische Veränderungen reagiert, wie sich die Wahrnehmung von Körpern wandelt und wie Körper die Umwelt prägen und politisieren. „Ausgangspunkt für die Ausstellung sind die Künstliche Intelligenz und Technologien, die unser Alltagsleben beeinflussen. Welche Rolle spielen da noch Körper? Inwiefern sind Körper ein Politikum im Raum“, skizziert Janusz Czech, künstlerischer Leiter des A.K.T; die Leitfragen von „Bodies That Matter“. Die Vernissage findet am 17.Mai, um 19 Uhr im A.K.T; statt. Am Abend der Vernissage ist die Ausstellung von 19 bis 22 Uhr geöffnet.

 

Über die Ausstellung „Bodies That Matter“.

Zu sehen sind Exponate von fünf Kunstschaffenden, die zeitlich und thematisch ein breites Spektrum bespielen. Aus den 1970er-Jahren stammt die Videoinstallation „Die neue leibhaftige Zeichensprache eines Geschlechts nach den Gesetzen der Anatomie, Geometrie und Kinetik“ der österreichischen Videokünstlerin Friederike Pezold, eine Leihgabe der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München. Pezold setzt den eigenen Körper häufig als Gegenstand ihrer Kunst ein, dabei gleichzeitig als Subjekt und Objekt, Künstlerin und Modell. In der „Neuen leibhaftigen Zeichensprache“ sind Video-Ausschnitte eines nackten weiblichen Körpers zu sehen. Die Betrachtenden blicken dabei wie durch ein Vergrößerungsglas auf vier Körperteile. Indem sie den weiblichen Körper segmentiert und in Endlosschleifen zeigt, schließt Pezold jeden Voyeurismus aus. Die weibliche Anatomie wird zur Karikatur, der Frauenkörper zum „weißen Blatt“, das neu beschrieben werden kann. Durch die Monitore vermitteln die dargestellten Körperteile den Eindruck einer Skulptur, die beliebig kombinierbar ist.

Nam June Paik, ein koreanisch-amerikanischer Komponist und bildender Künstler, gilt als einer der Pioniere der Video- und Medienkunst. Von 1979 bis 1996 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Der A.K.T; zeigt mit „Triangle, Trinity” aus dem Jahr 1998 eine Arbeit, die – wie viele seiner Werke – in geradezu prophetischer Weise heute relevante Themen vorwegnimmt, etwa die Einflussnahme von Massenmedien auf unser Denken und gesellschaftliche Prozesse. Die Bildsprache lässt aus heutiger Sicht auch Assoziationen zum Post- und Transhumanismus zu, die eine Überwindung des biologischen Menschseins beschreiben; eine Transformation hin bis zur künstlichen Intelligenz.

Mit zwei Arbeiten ist die britisch-israelische Künstlerin Yishay Garbasz in der Ausstellung vertreten. Ihre Installation „Becoming“ (2007-2010/2023) beschäftigt sich mit ihrem Körper und dessen Veränderungen vor und nach ihrer geschlechtsangleichenden Operation. In einem Zoetrop, auch Wundertrommel genannt, zeigt die Installation 32 Porträts als analog animierte Bewegtbilder, um die visuellen Veränderungen des Körpers durch den Übergangsprozess zu erforschen. Die Künstlerin zeigt am eigenen Beispiel, wie Körperlichkeit und Geschlecht sich in einem stetigen Werden befinden und, dass normative Geschlechterzuschreibungen obsolet geworden sind.
Ihre zweite Installation, „The Number Project” (2011), dokumentiert ebenfalls körperliche Veränderungen künstlerisch. Garbasz brannte sich mit heißen Drähten die Nummer „A 2867“ in den Arm. Diese Nummer hatte ihre Mutter im Konzentrationslager Auschwitz tätowiert bekommen, sie hatte sich diese später chirurgisch entfernen lassen. Garbasz dokumentierte ihr Vorgehen des Einbrennens, auch den Schmerz, der sich in ihrem Gesicht abbildet, mit einer Kamera.

Die Künstlerin Angela Stiegler aus München arbeitet bildhauerisch in verschiedenen Medien, darunter Video und Performance sowie in kollaborativen Kontexten. Ihre Übungsreihe „Motion Sickness Exercise“ (2022) nimmt die Schwachstelle der Virtual Reality-Technologie (VR) zum Anlass, körperliche Zustände zu verhandeln. Ein Problem, das in VR im Zusammenhang mit Bewegung auftritt, ist eine Form von Schwindelgefühl, das durch eine Diskrepanz zwischen der Bewegung des eigenen Körpers und der visualisierten Umgebung entsteht. Die Nutzung von Virtual Reality soll in dieser künstlerisch geleiteten Forschung dazu verwendet werden, den menschlichen Körper über die Grenzen normativer Denkweisen hinaus zu führen. Besuchende sind eingeladen, im Rahmen dieser künstlerisch-wissenschaftlichen Untersuchung selbst zu experimentieren. Das Projekt „Motion Sickness Exercise“ wird unterstützt durch LEONARDO – Zentrum für Kreativität und Innovation, eine Kooperation der Technischen Hochschule Nürnberg, der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und der Hochschule für Musik Nürnberg.

Stieglers Übung „Anti Körper“(2018) untersucht darüber hinaus Körperpolitiken ausgehend von der Zeichentrickserie „Es war einmal ... das Leben“ (FR/JPN, 1986).

Silke Helmerdig, Professorin für künstlerische Fotografie an der Hochschule Pforzheim, trägt

„Layers of Time“ (2022/23) zur Ausstellung bei. Als Künstlerin und Theoretikerin interessiert sich Silke Helmerdig für das Verhältnis von Fotografie und Zeit. Ihre Arbeit stellt Gedenkstätten – vielmehr: Fotografien von Gedenkstätten – in den Mittelpunkt. Gedenkstätten sind Räume, die komprimierte Zeit enthalten, Schichten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Gedenken wird bewusst im öffentlichen Raum inszeniert. Manchmal erwecken Denkmäler, die das offizielle Gedenken artikulieren, aber den Eindruck, als seien sie nur dazu da, ein Gedenken vorzutäuschen, das politisch nicht erwünscht ist. Gedenkräume werden im Nachhinein gestaltet. Die Fotografien dieser Orte sind in ihrer eigenen Gegenwart aufgenommen, das heißt nach einer Zeit der Reflexion und somit zweimal nach dem ursprünglichen Ereignis. Da die Gedenkstätte selbst durch ihre Gestaltung bereits ein abstrahierter Erinnerungsort ist, führt die Fotografie zu einer weiteren Abstraktion des beabsichtigten Gedenkens.

Vernissage am 17.Mai, um 19 Uhr im A.K.T;
Nach einer Begrüßung durch Janusz Czech, künstlerischer Leiter des A.K.T; finden Gespräche im Kontext der ausgestellten Werke statt:

Unter dem Titel „Sickness Wellness Madness“ führen Angela Stiegler (Künstlerin), Franziska Linhardt (Kuratorin, Museum Brandhorst, München) und Shila Rastizadeh (Wissenschaftlerin) ein Gespräch über den Einfluss von Technik auf den Körper. Ausgehend von dem künstlerischen Forschungsprojekt „Motion Sickness Exercise“ geben sie Einblicke in die kollektiv und interdisziplinär angelegte Übungsreihe und sprechen gemeinsam über die Möglichkeiten und Schwachstellen von Technologien und deren Wechselwirkung mit körperlichen Zuständen und normativen Denkweisen. 

Yishay Garbasz (Künstlerin) widmet sich mit Silke Helmerdig (Künstlerin, Professorin an der HS PF) im Gespräch „Becoming“ und „The Number Project“ Körper und Raum, Erinnerungskultur und Körperpolitiken. Das Gespräch wird in englischer Sprache geführt.

Die Ausstellung wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und der Werner Wild Stiftung gefördert und findet in Kooperation mit dem EMMA – Kreativzentrum Pforzheim, der Hochschule Pforzheim, agora42 und dem Café Roland statt.
Das Projekt „Motion Sickness Exercise“ wird unterstützt durch LEONARDO – Zentrum für Kreativität und Innovation, eine Kooperation der Technischen Hochschule Nürnberg, der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und der Hochschule für Musik Nürnberg.
Die Ausstellung ist eine Veranstaltung des Fachbereichs Kreativwirtschaft des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim.

Daten zur Ausstellung „Bodies That Matter“
Wann: 19.Mai bis 9. Juli 2023
Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag 14 bis 22 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr
Wo: A.K.T; Theaterstraße 21 75175 Pforzheim
www.akate.de 

Der A.K.T;
Der A.K.T; ist ein Ort für gesellschaftliche Diskurse und ein interdisziplinäres Labor der Zukunft. Aktuelle Fragestellungen werden im A.K.T; aus dem Blickwinkel des Designs und der Kunst beleuchtet und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Design sichtbar gemacht. Neben regelmäßigen Ausstellungen erforschen Studierende des Masterstudiengangs Design & Future Making der Hochschule Pforzheim im MADLAB Zukunftsfragen. Im EG und 1. OG ist das Café Roland beheimatet.

Künstlerische Leitung: Janusz Czech, Lisa Schlenker (Assistenz)