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„(S)ELECTION – neue Ausstellung im A.K.T; in Pforzheim

Die Ausstellung (S)ELECTION vom 23. September bis 28. November 2021 im A.K.T; in Pforzheim mit Positionen u.a. von Agnieska Polska, Yongbo Zhao, Axel Heil oder Marina Gržinić & Aina Šmid nimmt dies zum Anlass, um künstlerisch über die Wahlen als wesentliches Merkmal der Demokratie zu reflektieren.

Ausstellung (S)ELEKTION
Foto: Janusz Czech
Ausstellung (S)ELEKTION
Foto: Kevin Jerome Everson

Am 26. September findet die Bundestagswahl in Deutschland statt, das Land befindet sich im Wahlkampfmodus. Die Ausstellung (S)ELECTION vom 23. September bis 28. November 2021 im A.K.T; in Pforzheim mit Positionen u.a. von Agnieska Polska, Yongbo Zhao, Axel Heil oder Marina Gržinić & Aina Šmid nimmt dies zum Anlass, um künstlerisch über die Wahlen als wesentliches Merkmal der Demokratie zu reflektieren.

Durch die Wahl übergibt das Volk als Souverän zeitlich befristet die Macht an ihre Vertretung und legitimiert diese. Jede Stimme zählt dabei gleich viel – so das Ideal. Was auf den ersten Blick einfach scheint, erweist sich in der Realität oft als ein zäher Vorgang, der mal mehr, mal weniger vom Ideal abweicht. Die Demokratie, auch eine repräsentative, lebt von der Partizipation, vom Engagement für die gemeinsame Sache. Diese Anteilnahme am demokratischen Prozess geht für viele – u.a. auch weil deren Zeitbudgets von beruflichen und familiären Pflichten strapaziert sind – jedoch nicht über die Teilnahme an Wahlen hinaus. Manche sind - aus Enttäuschung oder aus Desinteresse – nicht einmal dafür zu mobilisieren. Gleichzeitig nehmen verschiedene Interessensgruppen Einfluss auf die Politikschaffenden, die Parteien und ihre Wahlprogramme. Die Positionen der Ausstellung, die von großformatigen Ölgemälden über Fotografien, Installationen und Videoarbeiten reichen, werfen einen künstlerischen Blick auf Wahlen und demokratische Prozesse in verschiedenen Ländern und laden ein darüber nachzudenken, wie frei wir wirklich in unserer Wahl sind.

So übersetzt etwa Katrin Bertram in ihrem Werk CAMPAIGN (2016) ihre Beobachtungen des Wahlkampfes von Hilary Clinton und Donald Trump in zwei Partituren. Die Parameter für Melodie, Rhythmus und Dynamik definierte sie dabei sowohl anhand des Gesprochenen als auch durch die Interaktion von Trump und Clinton mit dem Publikum. Kevin Jerome Eversons Film „Tonsler Park“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Wahl 2016 in den USA und zeigt die Geschehnisse in einem Wahllokal in Charlottesville, Virginia, am 8. November 2016 – dem Tag, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Kevin Jerome Everson drehte sein Porträt auf 16-mm-Schwarz-Weiß-Film und legte den Schwerpunkt auf lange Einstellungen der meist Schwarzen Frauen, die im Wahllokal arbeiten.

Mit den Ursprüngen der Demokratie setzt sich das Werk des in Mexiko geborenen Künstlers Gerardo Nolasco-Rózsás auseinander. Der Animations-Film “The Heavy Resilience and the Politics of Resistance” (2020, dt. Die schwere Resilienz und die Politik des Widerstands) zeigt auf, dass in der Antike das gesamte griechisch-lateinische Gedankengut (Kunst, Philosophie, Literatur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik) von weißen Männern des Westens geschaffen wurde und unser heutiges Demokratieverständnis auf einem exklusiven und restriktiven politisches System beruht. Das Projekt ist dabei eine Hommage an Personen, die sich für eine gleichberechtigte politische Teilhabe einsetzen.

Die Ausstellung setzt sich zudem damit auseinander, wie der politische Diskurs und die Meinungsbildung durch bestimmte Themen oder Persönlichkeiten beeinflusst werden können. So greift die Künstlerin Julia Lein in ihrem Werk beispielsweise ein emotional aufgeladenes und daher oft zur politischen Meinungsbildung herangezogenes Thema auf: Für die Installation „Lost“ sammelte die Künstlerin über zwei Jahre hinweg Schuhe, die an einem Strand in Südafrika angespült wurden, und fragte sich dabei: Wo kam der Schuh her? Wie lange war er unterwegs gewesen? Wer hat ihn verloren? Irgendwann begann sie, jeden gefundenen Schuh mitzunehmen. Das Institut für kritische Verschwörungstheorie (IkV) nimmt die Ausstellung „(S)ELECTION“ zum Anlass, sich mit gesellschaftlichen und ideologischen Verwicklungen des Essens und des Kochens zu beschäftigen. Zur Finissage der Ausstellung veranstaltet das IkV eine analytische Kochshow. Die Besuchenden können mitbestimmen, welche Gerichte aus dem Repertoire von Attila Hildmann dabei in den kulinarischen, spekulativen und ideologiekritischen Fokus rücken sollen. Attila Hildmann machte Karriere als veganer Koch, Ernährungsexperte und Autor, gefeiert von der deutschen Öffentlichkeit. Inzwischen wird er wegen des dringenden Verdachts der Volksverhetzung per Haftbefehl gesucht.

Ergänzt wird die Ausstellung durch verschiedene Textbeiträge im Audioformat aus dem philosophischen Wirtschaftsmagazin „agora42“, die sich kritisch mit dem System der Wahl in Deutschland auseinandersetzen und alternative Formen von demokratischer Teilhabe aufzeigen, wie etwa der Beitrag der Demokratiewissenschaftlerin Dr. Tamara Ehs, der die Idee von zufallsgelosten Bürgerräten vorstellt.

„Mit den künstlerischen Positionen in der Ausstellung möchten wie Denkanstöße geben, um das heutige Konzept von Wahlen zu hinterfragen und sich mit dem Prozess der Meinungsbildung zu beschäftigen“, so Janusz Czech, künstlerischer Leiter des A.K.T;

Die Ausstellung wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Werner Wild Stiftung und dem Förderverein Ornamenta gefördert und findet in Kooperation mit dem EMMA – Kreativzentrum Pforzheim, der Hochschule Pforzheim, agora42, dem Café Roland, dem Kulturamt der Stadt Pforzheim sowie dem Kommunalen Kino Pforzheim statt.

 

Ausstellung (S)ELECTION
Wann: 23. September 2021 bis 28. November 2021
Donnerstag bis Samstag, 15 bis 19 Uhr, So 11 bis 19 Uhr

Wo: A.K.T; Theaterstraße 21 75175 Pforzheim

Vernissage 22. September 2021, 19 Uhr
Begrüßung: Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft, Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim

Gesprächsrunde mit: Janusz Czech, künstlerischer Leiter A.K.T; und Dr. Tamara Ehs, Demokratiewissenschaftlerin und Beraterin für Demokratieinnovation und politische Bildung. Moderation: Dr. Ana Kugli, Texterin und Podcasterin

20.30 Uhr: Kammermusikalische Kundgebung

Zwei Partituren aus CAMPAIGN (2016) von Katrin Bertram
Inna Kautzleben (Piano)
Albert Ginthör (Violine)
Norbert Ginthör (Violoncello)

Die Ausstellung ist am Abend der Vernissage von 19 bis 22 Uhr geöffnet.

Für die Ausstellung steht ein Audioguide zur Verfügung. Um diesen nutzen zu können, sind ein eigenes mobiles Endgerät und Kopfhörer notwendig.

Mit Werken von:
Katrin Bertram
Kevin Jerome Everson
Marina Gržinić & Aina Šmid
Siu Wai Hang
Axel Heil
Institut für kritische Verschwörungstheorie
Nooshin Hakim Javadi
Julia Lein
N.N.
Gerardo Nolasco-Rózsás
Agnieszka Polska
Tomasz Wolski
Yongbo Zhao

agora 42 (Textbeiträge)

Pressekontakt:
Alexandra Vogt
Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim
Emma-Jaeger-Straße 20, 75175 Pforzheim
Alexandra.vogt(at)ws-pforzheim.de