Inhalt

Das MJR ist eines von sieben städtischen Museen, an denen das Kulturamt Pforzheim Angebote Kultureller Bildung etabliert hat. Die Kulturelle Bildung ist seit 2013 ein zentrales Handlungsfeld kommunaler Kulturarbeit in Pforzheim. Sie richtet sich vor allem an Kitas und Schulen, um möglichst vielen Kindern der Stadt Teilhabe an Kultur und Bildung zu ermöglichen. Denn Kulturelle Bildung ist ein Menschenrecht aller Kinder und Jugendlichen, wie es in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen sowie im Grundgesetz und in den Länderverfassungen verbrieft ist.

Kunst, Kultur, Spiel und Medien sind spezifische Ausdrucksformen des Menschen. Mit ihrer Hilfe erschließen sich Kinder und Jugendliche die Welt. Sie lernen nicht nur, die Welt zu verstehen, sondern auch zu reflektieren und zu gestalten. Sie entwickeln ihre Identität und finden ihre Position. … Kulturelle Bildungsangebote geben den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen nach Selbstentfaltung, Mitgestaltung und Gemeinschaft Raum. Zugleich unterstützen sie jungen Menschen dabei, Kompetenzen wie Kreativität, Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein, Toleranz und Verantwortungsbereitschaft zu entwickeln. (BKJ 2015)

Kulturelle Bildung trägt somit maßgeblich zur Entwicklung jener 21st century skills (creativity, cooperation, communication, critical reflection) bei, die als maßgeblich für die Bewältigung anstehender Zukunftsaufgaben gelten.  Und «Kulturelle Bildung ermöglicht […] gesellschaftliche, politische und kulturelle Beteiligung.»

Lebensweltbezug

Bildung mit Lebensweltbezug und Alltagslernen wird in den aktuellen Bildungsplänen von Kita und Schule durchaus thematisiert. Gerade für Kinder und Jugendliche aus zugewanderten Familien, denen das Traditionswissen zum neuen Wohnort fehlt, spielt sie eine wichtige Rolle. Deshalb bildet die Orientierung in Raum und Zeit einen zentralen Fokus der Kulturellen Bildung in Pforzheim. Orientierung schafft Sicherheit und ist eine Grundvoraussetzung für kulturelle Teilhabe und Identifikation. Viele Kinder und Jugendliche aus Pforzheim stammen aus bildungsbenachteiligten Familien. Sie verfügen nicht über Wissen um das eigene Umfeld und haben kaum oder keine Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Das ist keineswegs ausschließlich dem hohen Migrationsanteil in der Pforzheimer Stadtgesellschaft geschuldet, sondern auch einer problematischen Sozialstruktur, deren Ursachen mannigfaltig sind. Orientierung erfahren die Kinder und Jugendlichen in den Angeboten Kultureller Bildung nicht nur in Raum und Zeit, sondern auch im Hinblick auf das gesellschaftliche Miteinander, auf die Werte und Normen, denen unsere freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet ist. Auch sie sind Thema der Auseinandersetzung, gerade und explizit im MJR.

Stärkenorientierung

Das Kulturamt vertritt in seinen Angeboten eine ausdrückliche Bedarfs- und Stärkenorientierung. Jedes Kind, jede/r Jugendliche wird dort abgeholt wo es/er/sie steht und wird an seinen/ihren Stärken gemessen. Der Umgang erfolgt auf Augenhöhe. Auftrag der Kulturellen Bildung in den Museen Pforzheims ist in erster Linie Kompetenzförderung und nicht Wissensvermittlung. Stichwort: Empowerment, um zu einen selbstbestimmten, selbstgestalteten, glücklichen Leben zu gelangen.  Dabei liegt ein weites Bildungsverständnis zugrunde, das emotional-affektive, kognitiv-intellektuelle, körperlich-sinnliche und sozial-kulturelle Prozesse umfasst.

Potenzialentfaltung

In Veranstaltungen der Kulturellen Bildung in Pforzheim steht vernetztes und selbst motiviertes Lernen im Fokus, ebenso Selbstwirksamkeitserfahrungen, Selbstvergewisserung und Persönlichkeitsentwicklung.  Eine wichtige Rolle spielt dabei die Förderung von Schlüsselkompetenzen. Sie werden unterschieden nach Selbstkompetenzen (z. B. Belastbarkeit, Eigeninitiative, Flexibilität), Sozialkompetenzen (z. B. Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit) und Methodenkompetenzen (z. B. Problemlösefähigkeit, Reflexionsfähigkeit). 

In der Vermittlung dieser Kompetenzen und in der Begleitung der damit verbundenen Prozesse verstehen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Team Kulturelle Bildung des Kulturamts Pforzheim im Sinne Gerald Hüthers als Potentialentfaltungcoachs. Ihr Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen neue Weltzugänge an besonderen, authentischen Orten, unter Einsatz der ästhetischen und kreativen Potentiale der Künste, zu eröffnen.