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Reuchlinpreisträgerin 2018:

Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger

Am 20. Oktober 2018 wurde der Reuchlinpreis an die renommierte Historikerin und Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger verliehen.

Frau Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger ist seit 1997 Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster. Sie gilt als eine der profiliertesten Historikerinnen Deutschlands. Ihre Arbeitsschwerpunkte reichen vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit. Ihre Forschungen zu Ritualen, symbolischer Kommunikation und Zeremoniell haben den Blick auf Herrschaftsausübung in der Vormoderne entscheidend verändert. Zu ihren zahlreichen Veröffentlichungen zählen die vielbeachteten Monographien „Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation vom Spätmittelalter bis 1806“ (2006, 5. Aufl., 2013), „Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des alten Reiches“ (2008, 2. Aufl 2013) und „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit“ (2017, 4. Aufl.).

Für das letztgenannte Buch erhielt sie 2017 den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse. Im selben Jahr wurde ihr auch der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. 2013 wurde sie mit dem Preis des Historischen Kollegs und 2005 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet, der als deutscher Nobelpreis gilt.

Frau Prof. Stollberg-Rilinger war unter anderem Sprecherin des DFG-Sonderforschungs-bereichs „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution“ und des „Exzellenzclusters - Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“. Sie ist Mitglied mehrerer Akademien und hat sich in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien engagiert. Zwischen 2009 und 2011 war sie Mitglied im Stiftungsrat der Berliner Einstein-Stiftung. Im Jahr 2015 verbrachte sie ein Jahr als Fellow am Wissenschaftskolleg. Seit Jahresbeginn leitet  sie das Wissenschaftskolleg in Berlin.

Besonders hervorzuheben ist Barbara Stollberg-Rilingers große Biographie über Maria Theresia. Hierzu schrieb die Jury: „Zum einen rückt sie eine der bedeutenden Gestalten in der europäischen Geschichte endlich in das ihr gebührende Licht. Und dieses Licht ist postmodern, so wie sie es selber formuliert. Sie sucht nicht die geheime Wurzel, den Generalschlüssel zur Person, so wie es viele Autoren oft genug versuchen und sich dabei selber täuschen. Sie beschreibt stattdessen dieses Leben als Inszenierung eines Spiels in vielen verschiedenen, aber gleichzeitigen Rollen. Natürlich kommt auch die Liebende vor, die Frau, die Mutter von 16 Kindern, Wut, Enttäuschung, Tränen. Aber Barbara Stollberg-Rilinger stützt sich nie auf die morsche Krücke der Psychologisierung. Es gelingt der Autorin, eine ganze Epoche durch diese Gestalt zu erschließen. Unzählige Quellen werden bezwingend von ihr arrangiert und gedeutet, Barbara Stollberg-Rilingers Stil ist glänzend, von dezenter Eleganz. Maria Theresia ist keine Angela Merkel des 18. Jahrhunderts. Aber diese Biographie schärft dennoch unseren Blick auf Rituale und Zeremonien heute und deren Logiken. Die symbolische Ordnung und die Welt der Zeichen in unserer Gegenwart des 21. Jahrhunderts: Sie sieht man nach der Lektüre präziser, unbestechlicher gleichsam in einem anderen Licht.“

Die Rede der Reuchlinpreisträgerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger können Sie hier herunterladen!