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Wir und Frida

Kunst-, Kultur- und Teilhabeprojekt des Kulturamtes der Stadt Pforzheim, Idee und Konzeption von Kunsthistorikerin Regina M. Fischer

Das Kulturamt der Stadt Pforzheim erarbeitet derzeit ein zweiteiliges Kunst-, Kultur- und Teilhabeprojekt mit dem Titel „WIR UND FRIDA“. Die Idee und Konzeption zum Ausstellungsprojekt stammt von der Kuratorin Regina M. Fischer.

Wir und Frida – Wer ist damit gemeint?

Wir – das sind wir Menschen hier in Pforzheim und alle Kunstinteressierten und Frida – ist die berühmte mexikanische Malerin Frida Kahlo.

Die Verbindung zu Pforzheim ist ihr Vater Wilhelm. Er wurde am 26.10.1871 in der Goldtstadt geboren. Sein Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum 150sten Mal.

Mit einer filmischen Spurensuche zum Vater Wilhelm Kahlo und der Geschichte der Traditionsindustrie in Pforzheim werden Bezüge zum Schaffen der berühmten Tochter Frida Kahlo und der mexikanischen Kultur hergestellt.

Das Projekt mündet in einer Ausstellung, kuratiert von Regina M. Fischer, 2022/23 in der Pforzheim Galerie rund um das künstlerische Werk der Familie Kahlo und zeitgenössischer Kunst aus Mexiko.

Von Pforzheim aus wanderte er, wie übrigens auch einige Pforzheimer Schmuckfabrikanten, 1890 nach Mexiko aus. Dort nannte er sich fortan „Guillermo“ und wurde Fotograf. Er hatte ein besonderes Verhältnis zu seiner Lieblingstochter Frida.

Sie begleitete ihn oft, wenn er fotografierte. Als Frida Kahlo ihren verheerenden Unfall hatte, regte er sie an zu malen.

Sie wiederum hat ihn porträtiert und sich auch immer wieder mit ihren mexikanischen und europäischen Wurzeln auseinandergesetzt.

Aktuelles

​​​​​​​Wilhelm Kahlos Eltern  

Johann Heinrich Jakob Kahlo, Wilhelms Vater, Fridas Großvater, kam wohl 1859 von Frankfurt nach Pforzheim, jedenfalls wurde er in diesem Jahr erstmals in einem Pforzheimer Adressbuch verzeichnet.
Seine Aufnahme als Bürger wurde durch den „Gemeinderath der Großherzoglich Badischen  Stadt Pforzheim“ bestätigt.

Es war damals gar nicht so ohne weiteres möglich das Bürgerecht in einer Stadt zu erhalten. Man musste nachweisen, dass man ein gewisses Vermögen besaß. Das betrug in diesen Jahren zwischen 300 und 1.000 Gulden. Dazu musste jeder Neubürger ein „Einkaufsgeld“ entrichten. Wie hoch diese Summe war, wissen wir nicht, wir können aber sagen, dass Johann Heinrich Jakob Kahlo nicht mittellos war, sondern bereits über einen gewissen Wohlstand verfügte. Quellen belegen überdies, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur knapp 14 % aller Einwohner Pforzheims auch Bürgerrechte besaßen.

Bei seiner Hochzeit am 30. Juni 1862 war Johann Heinrich Jakob Kahlo bereits 43 Jahre alt, seine Braut Rosine Henriette Kaufmann, die Tochter eine Bijouteriewaren Fabrikanten, war erst 22, ein in bürgerlichen Kreisen damals durchaus typischer Altersunterschied. Ein Mann konnte erst um die Tochter aus gutbürgerlichen Kreisen anhalten, wenn er auch finanziell in der Lage war eine Familie zu unterhalten.

Johann Heinrich Jakob Kahlo wird mehrfach in Quellen genannt, die sich heute im Pforzheimer Stadtarchiv befinden.
So anlässlich der Taufe von Wilhelms ältester Schwester als „Bürger und Kaufmann“. Auch ist er mehrfach, nämlich 1867, 1870 und 1872 in den Pforzheimer Adressbüchern aufgeführt. Als Berufsbezeichnung steht dort „Bijouterie – Fabrikant“.
Der Begriff Bijouterie ist eine veraltete Bezeichnung für Schmuckwaren, wie sie im 19. Jahrhundert gebräuchlich war.

Die Fabrikation befand sich am Louisenplatz A 114, wo die Familie auch wohnte. Am Marktplatz D 39 betrieb Johann Heinrich Jakob Kahlo mit einem Kompagnon namens Schaller ein Ladengeschäft, in dem diverse „Bijouterie – Produkte“ zum Verkauf angeboten wurden.

Wir wissen, dass die Familie Kahlo mit ihren 3 Kindern, zwei älteren Schwestern und dem 1871 geborenen Sohn Wilhelm im Jahr 1874 nach Baden-Baden umgezogen ist.

Dort ist Johann Heinrich Jakob Kahlo 1876 im Adressbuch als „Kahlo, J.H. Rentner“ in der Lichtentalerstr. 50 genannt. Im Alter von 57 Jahren war er also bereits Privatier, das heißt, dass er genug Geld erwirtschaftet hatte, dass er nicht mehr arbeiten musste.
Tragisch ist das Schicksal von Wilhelms Mutter, sie starb mit nur 38 Jahren 1877, kurz nach  der Geburt ihres vierten Kindes.

Wem es mit den Familienverhältnissen von Wilhelm Kahlo zu kompliziert wird der schaut einfach noch mal auf den Stammbaum (siehe weiter unten).

Wilhelm Kahlo

Wilhelm Kahlo (Guillermo Kahlo) wird am 26.10.1871 in Pforzheim geboren.
Im Januar 1872 wird er mit dem vollen Namen Wilhelm Karl Kahlo in der evangelischen Stadtkirche in Pforzheim getauft. 1874 zieht die Familie von Pforzheim nach Lichtental, heute ein Stadtteil von Baden-Baden. Am 15.04.1877 stirbt die älteste Schwester Hermine Caroline Henriette 14jährig. Ein Jahr später stirbt die Mutter Henriette Kahlo, mit nur 38 Jahren, im Kindsbett. 1881 heiratet der Vater am 28.04. seine zweite Frau Karolina Ludowika Rahm. 
Im Mai 1890 entschließt sich Wilhelm mit dem Schiff ab Hamburg nach Veracruz auszureisen und nennt sich fortan Guillermo. 1893 heiratet Guillermo Kahlo Maria Cardeña Espino, mit ihr hat er zwei Töchter. Ein Jahr später erhält er am 21.11.1894 die mexikanische Staatsbürgerschaft. Ende Oktober 1897 verstirbt seine erste Frau Maria. 1989 vermählt Guillero Kahlo sich mit Mathilde Calderon y Gonzales, der Tochter eines Fotografen, mit ihr hat er vier Töchter. Im selben Jahr erhält er seinen ersten Fotoauftrag, die fotografische Dokumentation des Baus der „Casa Boker“. Am 9.10.1903 verstirbt sein Vater und Guillermo klagt sein Erbe ein und erhält ein Viertel des väterlichen Vermögens. Ein Jahr später kauft er mit dem Geld ein Grundstück in Coyoacán und baut die Caza Azul, dem heutigen Frida-Kahlo-Museum. Im selben Jahr erhält er einen Großauftrag die nationalen Monumente Mexikos zu fotografieren und bereist weite Teile des Landes.
Am 06.07.1907 wird seine Tochter Frida geboren. Nach dem Tod seiner Ehefrau Mathilde Calderón de Kahlo am 15.09.1932 zieht Guillermo, gesundheitlich angeschlagen, in das Haus der ältesten Tochter Mathilde. 
1941, am 14.04. verstirbt Guillermo Kahlo in Mexiko.

Literatur:
Gabriele Franger, Rainer Huhle: Fridas Vater: Der Photograph Wilhelm Kahlo. Von Pforzheim nach Mexiko. Bildband mit Texten von Juan Coronel Rivera, Cristina Kahlo Alcalá, Helga Prignitz-Poda, Raquel Tibol und den Herausgebern. Schirmer/Mosel, München 2005.

Vita Wilhelm Kahlo - filmische Spurensuche

Frida Kahlo

Am 6. Juli 1907 wurde Frida Kahlo in Coyoacán, in Mexiko-Stadt geboren. Ihr Vater war Wilhelm Kahlo, ein gebürtiger Pforzheimer.
1913 erkrankte Frida an Kinderlähmung, sie war lange ans Bett gefesselt und ihr rechtes Bein verkümmerte.
Ab 1922 besuchte sie die Escuela Nacional Preparatoria, eine der besten Schulen Mexikos.

Am 17. September 1925 ereignete sich das verheerende Busunglück, bei dem Frida Kahlo schwer verletzt wurde. Auf Grund dieses Unfalls blieb Frida Kahlo zeitlebens leidend, sie war monatelang ans Bett gefesselt und musste sich zahlreichen Operationen und schmerzhaften Therapien unterziehen.  In der Malerei verarbeitete Frida Kahlo ihre persönliche Situation und körperlichen und seelischen Schmerzen.
1929 heiratete Frida den berühmten, 20 Jahre älteren, mexikanischen Maler Diego Rivera zu ersten Mal. Beide führten eine turbulente Ehe, die von tiefer Verbundenheit aber auch von Affären und gegenseitigen Verletzungen geprägt war. 1939 kam es zur Scheidung. 
Am 8. Dezember 1940 hat Frida Kahlo Diego Rivera erneut geheiratet.
Frida Kahlo zählte eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten zu ihrem Freundeskreis.
Sie hielt sich für einige Monate in den USA und in Paris auf.
Zusammen mit ihrem Mann zählte sie 1943 zu den ersten Lehrkräften an der „La Esmeralda“, einer heute noch existierenden Kunstschule.
1953 fand in Mexiko City die erste Einzelausstellung mit Werken von Frida Kahlo statt. Diese offizielle Würdigung hatte sie sich lange gewünscht und so ließ sich Frida, die zu dieser Zeit schon ans Bett gefesselt war, zur Eröffnung tragen.
Am 13. Juli 1954 starb Frida Kahlo an einer Lungenembolie. Beweise für den, von Freunden vermuteten, Selbstmord konnten nicht gefunden werden da Diego Rivera eine Obduktion ihrer Leiche verweigerte.

Frida Kahlo ist heute überaus populär. Ihre Selbstbildnisse faszinieren Millionen von Menschen weltweit.

Literatur zu Frida Kahlo

Ansel Adams, Elena Poniatowska, Carla Stellweg: Frida Kahlo. Die verführte Kamera – ein photographisches Porträt von Frida Kahlo. Wiese, Basel 1992, ISBN 3-909158-71-4.
Isabel Alcántara, Sandra Egnolff: Frida Kahlo und Diego Rivera. Pegasus-Bibliothek. Prestel, München 2005, ISBN 3-7913-3244-9.
Erika Billeter (Hrsg.): Das blaue Haus. Die Welt der Frida Kahlo, Schirn Kunsthalle, Frankfurt 1993, ISBN 978-3-49919-345-3.
Bilkis Brahe: „Tragödien sind albern“. Frida Kahlo (1907–1954). Eine amerikanische Malerin (= Widerständige Frauen. Band 4). Edition AV, Lich/Hessen 2007, ISBN 3-936049-80-7.

Pierre Clavilier: Frida Kahlo, les ailes froissées. Jasmin, Clichy 2006, ISBN 2-912080-53-3.

Gérard de Cortanze, Lorraine Audric: Frida Kahlo und Diego Rivera. Gesehen von Gisèle Freund. Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2014, ISBN 978-3-942787-32-1.

Reinhild Feldhaus: Der Ort von Künstlerinnen im Diskurs der Avantgarde: zur Rezeption von Paula Modersohn-Becker, Frida Kahlo und Eva Hesse (= Dissertation.de. Band 1565). Dissertation.de, Berlin 2009, ISBN 978-3-86624-465-8 (Dissertation, Uni Oldenburg, 2002, 223 S.).

Uta Felten; Tanja Schwan (Hrsg.): Frida Kahlo (= Tranvía sur. Band 18). Körper, Gender, Performance. Edition Tranvía, Frey, Berlin 2008, ISBN 978-3-938944-15-8 (deutsch und spanisch).

Christine Fischer-Defoy (Hrsg.): Frida Kahlo. Das private Adressbuch. Koehler & Amelang, Leipzig 2009, ISBN 978-3-7338-0367-4.

Maren Gottschalk: Die Farben meiner Seele. Die Lebensgeschichte der Frida Kahlo. Beltz & Gelberg, Weinheim 2010, ISBN 978-3-407-81060-1.

Karen Genschow: Frida Kahlo. Leben, Werk, Wirkung (= Suhrkamp Basisbiographie. Band 22). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-18222-2

Salomon Grimberg: Ich werde Dich nie vergessen… – Frida Kahlo und Nickolas Muray. Unveröffentlichte Photographien und Briefe. Übersetzt von Christian Quatmann. Schirmer/Mosel Verlag, München 2004, ISBN 3-8296-0120-4 (Originaltitel: I Will Never Forget You…).

Salomon Grimberg: Frida Kahlo. Bekenntnisse. Übersetzung von Christiane Court. Prestel, München [u. a.] 2009, ISBN 978-3-7913-4188-0 (Originaltitel: Song of herself).

Francisco Haghenbeck: Das geheime Buch der Frida Kahlo (= Insel Taschenbuch. Band 4001). Übersetzt von Maria Hoffmann-Darteville. Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-458-35701-8 (Roman; Originaltitel: Hierba Santa).

Hayden Herrera: Frida Kahlo, Malerin der Schmerzen, Rebellin gegen das Unabänderliche. Scherz, München 1983, ISBN 3-502-18309-0.

 

Hayden Herrera: Frida Kahlo. Ein leidenschaftliches Leben. Übersetzt von Dieter Mulch. Vorwort von Erika Billeter. Scherz, Bern/München/Wien 1995, ISBN 3-502-18311-2.

Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo (= Livre de poche. Band 14573). Übersetzt aus dem Englischen von Philippe Beaudoin. Editions Anne Carrière, Paris 1996, ISBN 2-253-14573-4 (französisch; 730 S.).

María Hesse: Frida Kahlo. Eine Biografie. Insel, Berlin 2018, ISBN 978-3-458-36347-7.

Frida Kahlo: Gemaltes Tagebuch. Kindler, München 1995, ISBN 3-463-40276-9.

Frida Kahlo und Tina Modotti. Katalog der Whitechapel Gallery, London 1982; Neue Kritik, Frankfurt 1982, ISBN 3-8015-0180-9 (deutsch).

Helga Prignitz-Poda, Salomon Grimberg und Andrea Kettenmann (Hrsg.): Frida Kahlo. Das Gesamtwerk. Aus dem Amerikanischen von Bodo Schulze, spanische Texte übersetzt von Gabriela Walterspiel und Veronica Reisenegger. Neue Kritik, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-8015-0215-5.

Helga Prignitz-Poda: Frida Kahlo – Retrospektive. Ausstellungskatalog Martin-Gropius-Bau. Prestel, München 2010, ISBN 3-7913-5009-9.

Helga Prignitz-Poda: Frida Kahlo. Die Malerin und ihr Werk. Schirmer/Mosel Verlag, München 2003, ISBN 3-8296-0067-4.

Guadalupe Rivera, Marie-Pierre Colle, Ignacio Urquiza: Mexikanische Feste. Die Fiestas der Frida Kahlo. Christian, München 1998, ISBN 3-88472-398-7.

Juan Coronel Rivera, Rainer Huhle, Gaby Franger (Hrsg.): Fridas Vater. Der Fotograf Wilhelm Kahlo. Von Pforzheim bis Mexiko. Schirmer/Mosel Verlag, München 2005, ISBN 3-8296-0197-2.

Laura Rodrigues Nöhles: Frida Kahlo in Deutschland. Eine Rezeptionsgeschichte. Reimer, Berlin 2015, ISBN 978-3-496-01536-9 (Dissertation, Universität Freiburg im Breisgau, 2014).

Linde Salber: Frida Kahlo. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997, ISBN 3-499-50534-7.

Dieter Wunderlich: Frida Kahlo. Ihr Werk. Hörbuch mit Vera Müller, CD, 42 Min., Hoerwerk, Leipzig 2005, ISBN 3-86189-906-X.

Belletristik

Caroline Bernard: Frida Kahlo und die Farben des Lebens. Aufbau, Berlin 2019, ISBN 978-3-7466-3591-0 (Mit Literaturangaben).

Projektverlauf

DIE FAMILIE KAHLO – Fridas Legenden

Frida Kahlo schrieb 1953 an Raquel Tibol, ihrer ersten Biografin:
„Mein Vater wurde 1872 in Baden-Baden, in Deutschland, als Sohn von Ungarn geboren. Studiert hat er in Nürnberg. Als er 18 Jahre alt war, starb seine Mutter. Die Stiefmutter liebte er gar nicht, deshalb gab ihm mein Großvater, der Goldschmied war, genügend Geld für eine Reise nach Amerika. 1891 kam er nach Mexiko.“

Quelle Franger/Huhle S. 11 / Raquel Tibol, 1980, S. 16f

Hier stimmt so gut wie nichts!

Das Geburtsdatum – geboren ist Wilhelm Kahlo am 26. Oktober 1871 – nicht 1872
Der Geburtsort – Wilhelm Kahlo wurde in Pforzheim geboren, nicht in Baden-Baden s. Geburtsurkunde
Die Familie kam nicht aus Ungarn, sondern aus Frankfurt am Main.
Der Tod seiner  Mutter - Henriette Kahlo geborene Kaufmann verstarb am 8.April 1878 – da war Wilhelm also erst 7 Jahre alt.
Sie wurde nur 38 Jahre alt - Vermutlich hängt ihr früher Tod mit der Geburt von Wilhelms jüngster Schwester Caroline Henriette Kahlo zusammen, die am 16. März 1878 das Licht der Welt erblickte.

Die Stiefmutter war Ludowika Karolina Rahm, mit ihr verheiratete sich Wilhelms Vater am 28. April 1881 – also 3 Jahre nach dem Tod der Mutter.
Der Beruf des Vaters. Ob der Vater Goldschmied – also Handwerker war – lässt sich nicht nachweisen. In den Adressbüchern taucht er als Bijouterie-Fabrikant auf.




DIE FAMILIE KAHLO - Die Fakten

Gabriele Franger  und Rainer Huhle (Autoren der Biografie "Fridas Vater: Der Photograph Wilhelm Kahlo. Von Pforzheim nach Mexiko") konnten die Familiengeschichte bis 1744 zurückverfolgen.

Urahn Johann Sigismund Kahlo diente als Königlich Preußischer Unteroffizier im Infanterie Regiment und war mit Eva Dorothe Lobedanin verheiratet. Durch die Frau des gemeinsamen Sohnes Johann Sigismund Gabriel – es war Maria Rücker kam eine Lebkuchenbäckerei in die Familie. Die Familie Kahlo ist in Frankfurt nachweisbar.
Um 1859 ließ sich Johann Jacob Heinrich Kahlo, Wilhelms Vater (geb.18.1.1819) in Pforzheim nieder.
Im Adressbuch von 1859, wo er erstmals unter der Adresse Marktplatz D 171, genannt ist er als Kaufmann bezeichnet. Am 30. Juni 1862 heiratete er die 22jährige Rosine Henriette Kaufmann, die Tochter des Teilhabers einer Goldfabrik.

Wilhelms Vater wird mehrmals, in den Jahren 1867, 1870, 1872 in den Pforzheimer Adressbüchern geführt, nun wird seine Profession mit Bijouterie-Fabrikant angegeben.

Sensation – Rekordpreis erwartet – ein Gemälde von Frida Kahlo kommt in eine Auktion

Es kommt durchaus nicht alle Tage vor, dass ein Bild von Frida Kahlo zum Verkauf steht. Nun informierte das Auktionshaus Sotheby’s, dass ein Gemälde im November in New York zur Versteigerung kommt.

Das Selbstporträt „Diego y yo“ von 1949, war bereits einmal 1990 für 1,4 Mio Dollar verkauft worden. Damit war Fridas Gemälde das erste Kunstwerk aus Lateinamerika, das die Millionengrenze überschritt.

Zu sehen ist Frida mit einem Porträt von Diego Rivera auf der Stirn. Auf seiner Stirn wiederum zeigt sich ein drittes Auge. Frida stellt heraus, dass Diego, ein Teil Ihres Denkens, ein Teil ihrer selbst ist. Das Gemälde symbolisiert die Trauer Fridas, angesichts einer Affäre ihres Gatten mit der mexikanischen Filmschauspielerin Maria Felix. Frida, die sich hier mit Tränen darstellt, war außer sich, da die Liebesbeziehung in der Presse breitgetreten wurde und verkroch sich zunächst in ihrem Haus.

Diesmal rechnen Experten mit einem Rekorderlös von mehr als dreißig Millionen Dollar (knapp 26 Millionen Euro). Das wäre dann der höchste Preis, der je für ein Gemälde Frida Kahlos oder für ein Kunstwerks aus Lateinamerika erzielt wurde.

"Wir und Frida!" - Projektvorstellung, Kunsthistorikerin Regina M. Fischer (Idee und Konzeption) zusammen mit Kulturamtsleiterin Angelika Drescher

Statements zu und über Frida Kahlo und ihrem Vater Wilhelm Kahlo

Sibylle Schüssler, Kulturdezernentin

Frida Kahlo hat ihre Wurzeln in Pforzheim, das stellt schon eine Verbundenheit her. Das Leben von Frida Kahlo bewegt mich sehr, ihre schmerzhaften Erfahrungen prägen auch ihre künstlerische Arbeit; eine wie ich finde beeindruckende Authentizität strahlt aus ihren Werken. Sie wurde durch ihr künstlerisches Schaffen auch ein Vorbild für Künstlerinnen in ihrer Zeit und später.

Ingrid Decker, Autorin des Buches "Frida Kahlo, Mexikanische Künstlerin mit deutschen Wurzeln" 2016

Frida Kahlo 1907 – 1954 – 2021/22

Wenn man sich etwas länger mit dem Leben der Frida Kahlo beschäftigt, fragt man sich irgendwann, was genau so anziehend und berührend an dieser zarten, fragilen, lediglich 158 cm großen Frau war, die sich - stolz und mutig - nicht von ihrem schweren Schicksal bezwingen ließ. Der Busunfall, den sie mit 18 Jahren nur mit Mühe und Not überlebte, sollte ihr bis zu ihrem frühen Tod mit 47 Jahren Einschränkungen und Beschwerden bereiteten.
Frida Kahlo wurde weltweit einem breiten Publikum vor allem durch den Anfang der 2000er Jahre erschienen Film „Frida“ bekannt, dem diverse Buchveröffentlichungen vorangingen und folgten. Es begegnet uns in Frida Kahlo eine außergewöhnliche Frau und Künstlerin: Mexikanerin mit deutschen Wurzeln väterlicherseits, verletzlich, zart – aber stark. Ihre Gemälde erzählen von ihrem Schicksal, aber auch von ihrer ungebrochenen Lebenslust, ihrer Ungezwungenheit und Unbezwingbarkeit. Die Malerin lebte ein unkonventionelles Leben voller Intensität und Lust. Ihre Gemälde sind Ausdruck ihrer Empfindungswelt, sind Ventil ihrer tiefen Gefühle. Die teils blutig, brutal, schonungslos grausamen Bilder sind auch Ausdruck der Zerrissenheit ihres Daseins.
Nach dem Unfall musste sie mit den andauernden Schmerzen, ärztlichen Behandlungen und ständigen Behinderungen leben. Das Leben an der Seite von Diego Rivera, der ebenfalls Maler war und schon früh einen großen Bekanntheitsgrad mit seinen Wandmalereien erreichte, erforderte innere Stärke und Widerstandskraft, um nicht unterzugehen neben einem so starken Charakter. Man kann nur vermuten wie ihr Leben vielleicht ausgesehen hätte an der Seite ihres Jugendfreundes Alejandro Arias, der aus einer sehr wohlhabenden Familie kam und ihr ein Leben in der mexikanischen Oberschicht hätte bieten können mit all ihren Annehmlichkeiten und Verführungen. Es ist kaum anzunehmen, dass sie sich der Malerei zugewandt hätte…
Faszinierend ist auch ihre rigorose Authentizität, frei von Künstelei, Feigheit oder Neid. Sie war eine freiheitsliebende Frau, die sich keiner Reglementierung unterwarf. Frida war Mexikanerin mit Leib und Seele, voller Mitgefühl und Leidenschaft. Ihr Vater, Wilhelm Kahlo, in Pforzheim geboren, in Baden-Baden aufgewachsen, wanderte mit 18 Jahren nach Mexiko aus. Man mag sich fragen, ob sie von ihm diese angeblich so deutschen Eigenschaften wie Beharrlichkeit und Zuverlässigkeit geerbt hat.
Ihr außergewöhnliches Talent als Künstlerin, das eigene Leid ohne Attitüde in Selbstportraits auszudrücken, machte sie – die ja Autodidaktin war – zu einer überwältigenden Persönlichkeit. Die Unterstützung ihres Vaters, der ihr in trostlosen, langweiligen, einsamen und traurigen Wochen und Monaten, in denen sie ans Bett gefesselt war, vorlas, sie beim Zeichnen unterstützte, half ihr wohl, den Mut zum Leben und zum Malen nicht aufzugeben. Wilhelm Kahlo selbst litt an epileptischen Anfällen und wusste sehr wohl, wie hilflos man sich als kranker Mensch fühlen kann. Umgekehrt war Frida auch ihrem Vater Stütze und Hilfe. Sie stand ihm schützend zur Seite, wenn seine epileptischen Attacken ausbrachen oder auszubrechen drohten. [...]
Fridas Bilder sprechen zu uns von den mexikanischen Traditionen und der starken Bindung der Künstlerin an diese Traditionen. Der Volkstümliche Realismus, dem man ihre Bilder zuordnet, hatte in ihr eine aussagekräftige Vertreterin. Ihre Bilder, vorzugsweise Selbstbildnisse, zeigen uns eine Frau, die ihr Leben trotz vielerlei Beschränkungen liebt und lebt. Sie sagte über die vielen Selbstbildnisse: „Ich male mich, weil ich sehr viel Zeit alleine verbringe und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.“
Ob Frida mit der Vermarktung ihrer Bilder, der Ausbreitung ihres Seelenlebens in diversen Büchern, und der Verbreitung kitschiger Souvenirs, so wie es heute geschieht, glücklich wäre, sei dahingestellt… Würde sie erfahren, dass ihr kleines Gemälde „Diego e Yo“ im Jahre 2021 bei einer Auktion zwischen 30 und 50 Mio Dollar gehandelt würde, sie wäre schockiert…

Achern, 13.11.2021

Angelika Drescher, Kulturamtsleiterin

Frida Kahlo war eine bemerkenswert mutige und starke Frau ! Die Beschäftigung mit ihr als Person, aber auch mit ihrer Kunst fasziniert und gibt Impulse! Ich freu mich auf dieses partizipative Ausstellungsprojekt

Alfred Müller, Künstler

Disculpame Frida, Ich habe mich bis heute leider nicht ernsthaft mit der Kunst von Frida Kahlo beschäftigt. Als ich in den 80ern Malerei studierte, waren immer noch viele der Ansicht, Malen sei Männersache. Nicht daß ich auch dieser Meinung gewesen wäre, aber tatsächlich beschäftigte ich mich damals wenig mit der Malerei von Frauen, obwohl ich die Bilder von Frida Kahlo natürlich kannte. Mit ihrem Mann, dem Maler Diego Rivera hatte ich mich allerdings schon beschäftigt. Auf meinen inzwischen zahlreichen Mexikoreisen verhinderte die allgegenwärtige Präsenz Fridas als nationale Ikone in Medien und auf Plakaten bis hin zu Instagramfiltern mit denen man sich Monobraue und Damenbart zulegen kann und dem Devotionalienhandel mit Frida Kahlo Kitsch in Souvenirshops eine ernsthafte Auseinandersetzung. Dabei passt ihre Geschichte mehr als perfekt in meine neue Heldinnenserie über starke Frauen, die zum Opfer zu Märtyrerinnen werden. Nach Cindy, Tracy, Amy und Elena sollte das nächste Bild Frida heißen.

Dorothea Rogulja-Wagner, Künstlerin

Die Bilder von Frida Kahlo haben mich als Künstlerin schon immer beeindruckt, sie bleiben im Kopf und in der Seele weil sie sehr persönlich sind und dabei viel von ihrer Lebensenergie , ihrer Phantasie und auch ihrer Verletzlichkeit zeigen.

Lisa-Marie Pfeffel

Ich bin Lehrerin am Kepler-Gymnasium in Pforzheim. Zum Schuljahresanfang haben meine beiden 5. Klassen im Kunstunterricht Selbstporträts nach Frida Kahlo angefertigt. Einige waren sehr begeistert von ihrer Kunst und waren z. T. bereits richtige Expertinnen und Experten bei der Werkbetrachtung. Wir haben uns gemeinsam über Frida Kahlos Damenbart und die Monobraue gewundert, uns gefragt, warum sich eine Frau so darstellt; schließlich festgestellt, dass ein Schönheitsideal im Auge des Betrachters liegt und sich in der Kunst jeder zeigen darf, so wie er ist, sich wohlfühlt oder sein möchte, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Mach mit bei "Wir & Frida"

Möchten Sie etwas zum Ausstellungsprojekt mit einem Statement zu Frida und/oder ihrem Vater, ein Bild oder Ausstellungsobjekt beitragen? Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Was verbinde ich mit Frida Kahlo und/oder mit Wilhelm Kahlo? Was aus Pforzheim erinnert mich an die Künstlerin oder an ihren Vater?

Bitte beachten Sie, dass vor Veröffentlichung alle Beiträge von der Kuratorin Regina M. Fischer geprüft werden.

Frida inspiriert

Gabriele Münster, Künstlerin

Ute Bremer

Herbert Müller

Irgendwo sah ich dieses Bild. Und im Keller stand ein alter Sauerkrauttopf. Aus beidem wurde dann das abgebildete Objekt. Erst durch einen Zufall wurde mir bewusst, dass das Bild Frida Kahlo darstellt.

Anja Dudek

Das erste Mal habe ich von Frida Kahlo mit 16 Jahren gehört. Es hat mich neugierig gemacht mehr über Sie zu erfahren nach dem man sie überall auf Postern oder auch Tshirt gesehen hat. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie eine Verbindung zu Pforzheim, meiner jetzigen Heimat hat.
Später in meiner Ausbildung/Studium zur Grafikerin habe ich mich intensiver mit dem Surrealismus befasst und konnte Ihre Werke besser verstehen. Auch wenn sie sich selber nie als Surrealistin sah.
In meiner Hommage an sie, wollte ich sie so zeigen wie sie von meiner jungen Generation gesehen wird. Sie ist auch in der jetzigen Kunst- & Modewelt zu einer Ikone geworden die überall abgebildet wird. Mir war es sehr wichtig Ihren Stil nicht zu kopieren und Sie als eine starke und furchtlose Frau darzustellen. Wer sich mit ihren Werken befasst hat, erkennt schnell welche Elemente ich aus Ihren Bildern in mein Bild eingeflossen habe.


 

Ana-Rosa López

Am 2. Dezember 2019 bin ich zum zweiten Mal nach Deutschland eingewandert. Nach acht langen und wunderschönen Jahren in meiner Heimat Bolivien war ich mit meiner Familie, meinem Mann und meinen beiden Söhnen, zu einem neuen Abenteuer in Europa aufgebrochen. Was habe ich aus Bolivien mitgebracht? Eine Menge Erinnerungen und Heimweh, ein paar Klamotten, einen großen, schwarzen, pelzigen Flat-Coated Retriever und meine komplette Sammlung von Frida-Kahlo-Büchern, Puppen und Accessoires. Der Rest unserer Sachen wurde verkauft oder verschenkt. So entledigte ich mich aller anderen Bücher meiner Bibliothek, mehr als hundert. [...] Frida hat einen großen Teil meines Lebens als Erwachsener geprägt, und seit ich 1997 durch eine von Elena Poniatowska verfasste Biografie auf sie gestoßen bin, bin ich ein Fan ihres Lebens und ihres Werks und verfolge treu alle ihre Spuren. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sie sich seit ihrem Unfall im September 1925 an die hartnäckige Begleitung des Todes gewöhnt hat. Und ich bin eine kritische Beobachterin ihrer Liebe zu Diego, ihrem verehrten Elefanten. [...] Im selben Jahr, an ihrem 114. Geburtstag, beendete ich endlich das Amigurumi-Strickprojekt, das mich seit Monaten schon beschäftigt hatte. Meine Frida-Puppe ist ganz anders als all die anderen in meiner Sammlung. Ich habe sie mit meinen eigenen Händen gemacht, indem ich mit schwarzer Wolle die dunkle Möwe nachgebildet habe, die ihre Stirn zerfurchte. Ich habe versucht, in jeder Farbe und in jedem Kleidungsstück die Stärke, die Integrität und die Energie zu retten, die Frida trotz ihrer gebrochenen Wirbelsäule repräsentierte und repräsentiert. Heute folge ich ihrem Weg und besuche jede Ausstellung und da der Frida-Wahn allgegenwärtig ist, kaufe ich auch alle möglichen Accessoires, die mich an sie erinnern. Ihre Casa Azul in Coyoacán zu besuchen, ist nach wie vor eines meiner großen Ziele.
Danke, meine liebe Frida, für das Paar Flügel, das dir erlaubt hat, zu fliegen, sogar bis zum Tod. Danke für deine Leidenschaft für das Leben, für deine mutige Hingabe an die Liebe und für und deinen erbitterten Kampf im Angesicht des Schmerzes... Wo immer du jetzt auch bist, danke!

Gabriela Löbe

aus verschiedenen Briefmarken zusammengesetzt