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Kreisimpfzentrum Pforzheim schließt zum 30. September: Rückblick auf „bewegte und intensive Zeit“

OB: „Über 100.000 Menschen haben sich im KIZ Pforzheim impfen lassen“

Schließung Kreisimpfzentrum

v.l.: Oberbürgermeister Peter Boch, Stefan Hauswirth (stellv. Leiter Personal- und Organisationsamt), Cristina Raus Guerreiro (Betriebsleitung Impfzentrum), Andrea Gerwinat (Leitung MfA), Sebastian Fischer (Leiter Katastrophenschutz) und Dr. Thushira Weerawarna (Medizinischer Leiter Impfzentrum)

Am Donnerstag konnten sich Bürgerinnen und Bürger zum allerletzten Mal im Kreisimpfzentrum in der St.-Maur-Halle impfen lassen. Wie die anderen 44 Impfzentren in Baden-Württemberg beendet das KIZ Pforzheim am heutigen Tag planmäßig seinen Betrieb, die Halle wird nun wie vereinbart für den Eissport umgebaut. Die Impfkampagne selbst liegt künftig im Wesentlichen in den Händen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, der Betriebsärzteschaft sowie regionaler Mobiler Impfteams. Das Betriebsende haben Oberbürgermeister Peter Boch, Katastrophenschutzleiter Sebastian Fischer und der stellvertretende Personalamtschef Stefan Hauswirth zum Anlass genommen, um vor Ort ein Resumee zu ziehen, aber auch einen Blick in die Zukunft zu werfen.

„Es gehen intensive und von großen Herausforderungen geprägte neun Monate zu Ende“, kommentiert Oberbürgermeister Peter Boch. „Rund 103.000 Menschen haben sich in dieser Zeit impfen lassen – trotz aller Höhen und Tiefen der bundesweiten Impfkampagne eine Erfolgsgeschichte.“ Der Rathauschef erinnert daran, dass das Kreisimpfzentrum zum Jahreswechsel 2020/2021 in Rekordzeit hochgezogen wurde, um pünktlich zum 22. Januar 2021 starten zu können. Zunächst allerdings im Wesentlichen für die über 80-Jährigen, die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Impfstoffmengen waren noch stark begrenzt und schwankten zudem von Woche zu Woche. Die meisten Impfungen im KIZ - knapp 900 – fielen auf einen Tag Anfang Juni, der schwächste Tag war Ende Juli mit rund 150 Impfungen.

Am 22. Januar startetete dann auch das erste Pforzheimer Mobile Impfteam (MIT) mit einer Impfaktion im August-Kayser-Stift und setzte die Arbeit des MIT Karlsruhe fort. „Schon Mitte Februar hatten wir alle Seniorenheime in Pforzheim - mit Ausnahme solcher, die noch unter Quarantäne standen - zumindest einmal angefahren, sodass wir bereits mit den Zweitimpfungen beginnen konnten“, erinnert sich Katastrophenschutzleiter Fischer. Sehr schnell ging die Stadt mit den Impfungen noch weiter in die Breite und führte als eine der ersten in Baden-Württemberg Sonderimpfaktionen in Stadtteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen durch – ein Vorgehen, das bald zum Standard im ganzen Land wurde. Ob Familienzentren, Quartierszentren, Bürgerzentren oder Moscheen, das MIT war im gesamten Stadtgebiet unterwegs. „Zuletzt völlig niederschwellig mit dem Impfbus, ganz ohne jegliche Terminvergabe. Ca. 16.000 Impfungen konnten wir so insgesamt mobil vornehmen“, zieht der Oberbürgermeister Bilanz. Dies entspreche einem Anteil von 16 Prozent aller Impfungen des KIZ.

Dabei war die Impfkampagne immer wieder vor enorme Herausforderungen gestellt: So stoppte das Bundesgesundheitsministerium Mitte März alle Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von AstraZeneca. Auch in Pforzheim wurde diese Anweisung sofort umgesetzt. Nur wenige Tage später konnten die Impfungen mit dem Vektor-Impfstoff zwar wieder aufgenommen werden, dessen Imageschaden ließ sich jedoch bis heute nicht vollständig korrigieren. Zumal die Ständige Impfkommission (StIKo) Ende März eine Impfung von AstraZeneca vorrangig für Über-60-Jährige empfahl. „Eines zieht sich bei allen Herausforderungen wie ein Leitfaden durch“, stellt der stellvertretende Personalamtsleiter Hauswirth fest: „Es waren jedes Mal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kreisimpfzentrum, die schnell und flexibel auf neue Situationen reagieren mussten, im konkreten Fall mit einer groß angelegten Mail-Aktion an unmittelbar betroffene Personen, aber auch mit viel mehr Zeit für Beratungsgespräche vor Ort.“

War am Angang der Impfkampagne das Problem, zu wenig Impfstoff und damit zu wenig Termine anbieten zu können, drehte sich die Ausgangslage im Sommer komplett – plötzlich war Impfstoff für alle da, aber das Interesse an Impfungen nahm rapide ab. Die Stadt reagierte prompt: Am 16. Juli wurden erstmals alle Impfstoffe, einschließlich der „mRNA-Impfstoffe“, ohne Termin im KIZ verimpft. In immer neuen Aktionen kam der Impfbus zum Einsatz – vor Baumärkten, Fußballstadien oder Open-Air-Kinos. Überregionales Interesse erreichte eine Aktion im Pforzheimer Stadtteil Haidach, wo der Oberbürgermeister selbst mit mehreren ehrenamtlichen Impfbotschafterinnen und Impfbotschaftern die anliegenden Hochhäuser aufsuchte, um fürs Impfen zu werben. Zuletzt kamen mobile Impfaktionen in den Schulen dazu – acht Termine wurden durchgeführt, wobei teilweise Schulen zusammengefasst wurden. In den letzten Wochen dann wieder eine erfreuliche Wende: Im Kreisimpfzentrum pendelte sich der Wert der täglichen Impfungen bei um die 400 ein, nicht zuletzt weil sich der Anteil der 12 bis 40-Jährigen unter allen Impfungen gleichzeitig erhöhte.

Ausblick – Wie geht es nun weiter

Ab Oktober werden Impfungen noch stärker als schon bisher durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie die Betriebsärzteschaft durchgeführt. Für eine Übergangszeit von drei Monaten (bis Ende Dezember) wird es zusätzlich weiterhin – insgesamt 30 - Mobile Impfteams in Baden-Württemberg geben, um die niedergelassene Ärzteschaft zu unterstützen. Die MIT sind regional ausgewogen an zwölf ausgewählte Krankenhausstandorte angebunden. Der Stadtkreis Pforzheim ist dem Standort Karlsruhe zugeordnet.

Neben einer großen Zahl von Auffrischimpfungen für vulnerable, immobile Personengruppen etwa in Heimen und Einrichtungen sind damit in der Zeit von Oktober bis Dezember auch weiterhin Impfaktionen für Erst- und Zweitimpfungen – insbesondere an Schulen oder bei Veranstaltungen, bei Sportveranstaltungen und an anderen öffentlichen Orten – möglich. Impflinge, die ihre Erstimpfung noch vor dem 30. September im Impfzentrum erhalten haben, sollten sich für ihre Zweitimpfung bei einem niedergelassenen Arzt einen Impftermin geben lassen. Zudem haben die Verwaltungsstäbe in Pforzheim und im Enzkreis die Entwicklung des Impffortschritts sehr genau im Blick und prüfen beispielsweise, wie man ein niederschwelliges Impfangebot über den 30. September hinaus in Pforzheim aufrechthalten kann. Eingebunden in diese Überlegungen sind der Kreis, das Gesundheitsamt, die niedergelassenen Ärzte, Kliniken sowie Feuerwehr/Katastrophenschutz.

Perspektive für den Eissport

Mit der Schließung des Kreisimpfzentrums kann die St. Maur-Halle auch wieder für den Eissport hergerichtet werden. Wenn vom Land alle Abholtermine für die IT, Akten und andere Ausstattung eingehalten werden, kann die Übergabe an den Eigentümer wie bereits vereinbart am 21. Oktober stattfinden. „Wir danken dem Eissport und der Abteilung Eishockey des 1. CfR Pforzheim, dass Sie in Zeiten der Corona-Pandemie diesen großen Beitrag zum Gelingen der Impfkampagne geleistet haben“, so OB Boch. „Das war alles andere als leicht. Darauf können Sie sehr stolz sein.“ Auf Vermittlung des Rathauschefs hin hatte sich das Polarion in Bad Liebenzell bereit erklärt, dem Pforzheimer Eissport im September mit Trainingszeiten auszuhelfen.