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Impfstoffliefermenge um ein Drittel gesunken: OB Peter Boch übt Kritik

Oberbürgermeister Peter Boch übt deutlich Kritik an den Impfstofflieferungen des Bundes und des Landes. So ist die Liefermenge für das KIZ Pforzheim in dieser Woche um 33 Prozent geringer ausgefallen als im Vergleich zu den Vorwochen. „Das stellt uns vor riesige Herausforderungen“, hebt der OB hervor. „Denn alles, was wir an Impfstoff geliefert bekommen, verimpfen wir auch zu 100 Prozent“, so der Rathauschef weiter. Bereits in der vergangenen Woche mussten Impftermine im KIZ dadurch gesichert werden, dass Impfstoff kurzzeitig an anderer Stelle ausgeliehen wurde. „Auch in dieser Woche wird wieder erheblicher Aufwand notwendig werden, um alle Termine wie gewohnt sicherzustellen.“ Außerdem könnten neue Termine erst einmal nicht ins Terminvergabesystem eingestellt werden. Die nächste Impfstofflieferung an das KIZ Pforzheim wird für Freitag erwartet. „Jede Minute zählt dabei“, weiß die Leiterin des Kreisimpfzentrums Sonja Störzbach. „Es macht einen Riesenunterschied, ob die Lieferung am Freitag um 9 Uhr früh – oder wie auch schon vorgekommen – um 15 Uhr nachmittags ankommt.“

Zwei für diese Woche geplante Sonderaktionen – eine im Bürgerzentrum Buckenberg-Haidach, eine für Kita-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der freien Träger – mussten nun abgesagt werden. „Es sind aber gerade solche Impfaktionen, mit denen wir den Anteil der Impfungen unter den Pforzheimerinnen und Pforzheimern gezielt erhöhen können“, erläutert Peter Boch. Dies sei der wichtigste Hebel, um die eigene Bürgerschaft besser zu erreichen. „Es zeigt sich jetzt, dass wir für die Kreisimpfzentren eigentlich das Wohnortprinzip bräuchten, wie das beispielsweise in Bayern der Fall ist“, so der Rathauschef weiter. Nachdem Anfang Mai erstmalig vom Sozialministerium landesweit die Impfquoten ausgewertet wurden, sei sofort auf die besondere Situation in Pforzheim sofort reagiert und als eine der ersten Städte mobile Impfungen in den Sozialräumen angeboten worden. Diese Aktionen sowie die Auslastung des Impfzentrums in der letzten Woche basierten auf dem, was bisher durchschnittlich an Impfstoff zugeteilt beziehungsweise vom Bund an Steigerungen im Mai / Juni angekündigt wurde.

Die große Abhängigkeit von den Impfstofflieferungen stellt sich nicht nur für die Planbarkeit von Impfterminen als großes Problem heraus. „Sie hat auch Auswirkungen für unser eigens für das KIZ engagiertes Personal, das so nicht auf die vereinbarte Arbeitszeit kommt, weil die angekündigten Impfstofflieferungen ausbleiben“, erläutert der OB weiter. Die Folge seien Minusstunden und „sehr viel Frust“, der sich anhäufe. Dabei ist das KIZ Pforzheim in seiner Bilanz sehr leistungsstark. Am gestrigen Sonntag ist die 54.000er Marke bezogen auf die Gesamtzahl der Impfungen überschritten worden. „Wir schaffen rund 1.000 Impfungen pro Tag – 850 im KIZ und bis zu 200 durch Sonderaktionen des Mobilen Impfteams“, betont der Rathauschef.

Allerdings sind in diesen Zahlen nicht nur Pforzheimer Bürgerinnen und Bürger enthalten. Durch seine zentrale Lage zwischen Karlsruhe und Stuttgart, seine gute Erreichbarkeit über die A8 und seine geographische Einbettung im Enzkreis ist das KIZ Pforzheim auch attraktiv für Menschen aus größeren Einzugsbereichen. Nach wie vor entfällt ein gutes Drittel aller Impfungen auf Pforzheimer, ein weiteres Drittel auf Bewohner des Enzkreises und ein Drittel auf Menschen, die von noch weiter weg kommen. Dadurch verschärfen sich die anhaltenden Schwierigkeiten im Terminvergabe-System des Landes, überhaupt einen Impftermin zu bekommen, noch weiter. „Zudem ist Pforzheim eine recht junge Stadt mit vielen Menschen, die bislang noch nicht impfberechtigt waren“, erläutert Peter Boch. Dies ändert sich nun zwar ganz aktuell durch den Wegfall der Priorisierungen. „Aber wenn wir weniger Impfstoff erhalten, können wir auch nur entsprechend wenig Termine vergeben“, so der OB. Gleichzeitig sei es extrem wichtig, an den Sonderimpfaktionen in den Quartieren festzuhalten, um Menschen aus Stadtteilen mit hoher Bevölkerungsdichte und besonderen sozialen Herausforderungen besser zu erreichen.