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Das Museum Johannes Reuchlin

Das Museum Johannes Reuchlin an der Südseite der Schloßkirche beleuchtet auf vier Ebenen Herkunft, Leben, Werk und Wirken des Pforzheimer Humanisten Johannes Reuchlin. Der Neubau von 2008, der die historische Form der ehemaligen Sakristei aufnimmt, befindet sich an der Stelle, an der nach seinem Tod 1522 Reuchlins berühmte  Bibliothek für viele Jahre aufbewahrt wurde. Damals wurde der Bau „Reuchlinkolleg“ genannt.

Johannes Reuchlin (1455-1522) rief Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf. Er schuf die Grundlagen für die Bibelübersetzung ins Deutsche und wurde zum Wegbereiter der Aufklärung. Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn ein "Wunderzeichen".

In einer Zeit schlimmster Judenverfolgungen an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit setzte Reuchlin sich für den Erhalt der jüdischen Schriften ein und warb als Anwalt für Toleranz und Menschenrechte für die Freiheit von Religion und Kultur.

Das MJR - Stätte des europäischen Humanismus

Reuchlins wertvolle Bibliothek wurde einst in einem spätgotischen Anbau der Schloßkirche aufbewahrt, dem »Reuchlinkolleg«. Dieser Ort galt schon im 16. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit. 1922 richtete die Stadt ein Reuchlinmuseum ein. Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurden Reuchlinkolleg und Reuchlinmuseum total zerstört.

Der neue Raum
Das »Reuchlinkolleg« an der Schloßkirche wurde in den Jahren 2006–2008 durch die Freunde der Schloßkirche e. V. für das Museum Johannes Reuchlin wiederaufgebaut. Die Entwürfe lieferte der Architekt Prof. Bernhard Hirche.

Die Ausstellung

Das Museum Johannes Reuchlin stellt den Medienstreit vor, den Reuchlin an der Schwelle zur Neuzeit gegen die »Dunkelmänner« führte. Das Museum gewährt Einblicke in das Sprachlaboratorium des Humanisten, der als christlicher Hebraist und Gräzist die Grundlagen für die Bibelübersetzung ins Deutsche schuf. Folgen Sie Reuchlins bewegtem Leben, erleben Sie die interaktiven Medienstationen, »blättern« Sie in seinen Büchern und Briefen.

Herkunft
»Pforzheim, Du Quell und Ursprung meiner selbst« – Woher kam Reuchlin?
Mit dem lateinischen Namenszusatz »Phorcensis« betonte Johannes Reuchlin (1455–1522) seine Herkunft. Die Familie, die Lateinschule und der Knabenchor der Schloßkirche waren erste Stationen auf dem Lebensweg des hoch begabten Jungen, der mit 16 Jahren zum Studium nach Paris zog. Stätte des europäischen Humanismus Reuchlins wertvolle Bibliothek wurde einst in einem spätgotischen Anbau der Schloßkirche aufbewahrt, dem »Reuchlinkolleg«. Dieser Ort galt schon im 16. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit. 1922 richtete die Stadt ein Reuchlinmuseum ein. Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurden Reuchlinkolleg und Reuchlinmuseum total zerstört.

Leben
»Das dreisprachige Wunder« – Wer war Reuchlin?
Von Beruf war Reuchlin Jurist und stand im Dienst der württembergischen Herzöge. Die europäische Gelehrtenwelt aber staunte nicht schlecht über das Sprachgenie, das »dreisprachige Wunder aus Deutschland«: Reuchlin beherrschte neben Deutsch, Französisch und Italienisch auch die drei Sprachen der Bibel, Griechisch, Hebräisch und Latein. Die Ausstellung zeichnet seinen Lebensweg nach, schildert die Begegnung mit den berühmten Humanisten Italiens.

Werk
»Zu den Quellen« – Was faszinierte Reuchlin?
Reuchlin hinterließ seiner Vaterstadt eine wertvolle Sammlung hebräischer und griechischer Bücher. Diese Humanistenbibliothek stand einst im Anbau der Schloßkirche. In seinem Buch »Die Kunst der Kabbala« rief er Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf. Reuchlins Druckwerke, Theaterstücke, Hebräisch- und Kabbala-Studien machten ihn berühmt. Mit seiner Sprachlehre schuf er die Voraussetzungen für die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Deutsche. In Form von Faksimiles wird Reuchlins Leistung am authentischen Ort rekonstruiert.

Wirkung
»Die Wahrheit wird für mich streiten« – Warum ist Reuchlin bis heute unvergessen?
Im »Augenspiegel« machte Reuchlin sich zum Fürsprecher der jüdischen Literatur und kämpfte gegen die »Dunkelmänner«, die die Bücherverbrennung forderten. Mit seinem selbstlosen Engagement für eine verfolgte Minderheit, die europäischen Juden des Mittelalters, setzte er an der Schwelle zur Neuzeit ein bis heute nachwirkendes Zeichen. Reuchlins Großneffe, der Refor­mator Philipp Melanchthon, legte 1552 den Grundstein der Reuchlin-Verehrung.

Wunderzeichen
Das Museum Johannes Reuchlin lädt dazu ein, einen Humanisten von europäischer Bedeutung und sein faszinierendes Lebenswerk zu entdecken. Johannes Reuchlin (1455–1522) rief Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf. Mit seinem Druckwerk »Augenspiegel« sorgte er 1511 europaweit für Aufsehen. In diesem Werk trat er für die bedrohte jüdische Minderheit ein und berief sich auf menschliche Grundrechte: Viel Schlimmes könnte daraus entstehen, wenn wir ihre Bücher verbrennen würden. Die Anerkennung kultureller Vielfalt machte Reuchlin zum Wegbereiter der europäischen Zivilgesellschaft – Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn ein »Wunderzaichen«.

Der Stiftschor
Zum Museum gehört auch der Stiftschor, der spektakulär geprägt wird durch Grabmonumente des markgräflich-badischen Fürstenhauses aus der Renaissancezeit sowie einen Zyklus farbiger Glasfenster von Charles Crodel aus der Nachkriegszeit.

Die Klanginstallation im Stiftschor
Seit März 2016 hören Sie im Stiftschor die Klanginstallation "Genesis" nach Reuchlins hebräischer Grammatik von 1518. In der Kombination von Renaissanceklängen mit dem traditionellen Kantorengesang in der Synagoge leistet dieses Auftragswerk von Catalina Vincens einen musikalischen Beitrag zum Dialog der Kulturen und Religionen.

Hier können Sie eine Hörprobe der Klanginstallation anhören!