Allgemein

OB Augenstein: Verkehrsentwicklungsplan geht in die nächste Runde


18.06.08

Im Dezember 2006 hat der Gemeinderat beschlossen einen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) zu erstellen.



(stp/ab). Im Dezember 2006 hat der Gemeinderat beschlossen einen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) zu erstellen. Nach einer „Status-quo-Analyse“ ist nunmehr der zweite von vier Arbeitsschritten abgeschlossen: Die Leitbildentwicklung. Dieses Leitbild, so Oberbürgermeisterin Christel Augenstein, „fasst die Ziele der städtischen Entwicklung kurz zusammen, es definiert für die Verkehrssysteme einen verbindlichen Orientierungsrahmen“. So lautet eine der Kernaussagen des Leitbildes: Für alle Verkehrsteilnehmer sollen gleichwertige Chancen im Verkehr geschaffen werden. In der kommenden Woche beschäftigen sich nun die gemeinderätlichen Gremien mit dieser wichtigen Leitbildentwicklung.

* * *

Der Verkehrsentwicklungsplan ist Teil der Stadtentwicklungsplanung und soll einen Beitrag zu dessen Zielen leisten. Das künftige Verkehrssystem muss in Zukunft allen Bevölkerungsgruppen angemessene Möglichkeiten für die individuelle Mobilität bieten. Personen und Güter sind mit möglichst geringen physischen und ökonomischen Belastungen zu befördern – und dies unter größtmöglicher Schonung von Natur und Umwelt. Eine im Sinn der Stadtverträglichkeit verantwortungsbewusste Wahl des Verkehrsmittels ist zu unterstützen, so die Gutachter. Was sich bis hierhin noch recht theoretisch und vielleicht als bloße Willenserklärung anhört, birgt durchaus Brisanz. Denn die vom Büro Dr. Brenner in Aalen erarbeiteten Kernaussagen wurden nicht nur bereits in einer stadtinternen Projektgruppe breit diskutiert, sie beinhalten auch Konkretes. So wird seit 1990 in Pforzheim festgestellt, dass zwar weniger aber dafür längere Wege zurückgelegt werden. Der KFZ-Verkehr besitzt mit 58 Prozent den höchsten Anteil an der Mobilität und hat seit 1990 um zehn Prozent zugenommen. Diese Entwicklung ging fast ausschließlich zu Lasten der Fußwege. Der ÖPNV-Anteil konnte durch kontinuierliche Verbesserungen in dieser Zeit bei 17 Prozent gehalten werden. Besonders ungewöhnlich ist der geringe Radverkehrsanteil von einem Prozent. Doch – da sind sich die Gutachter einig – der Verkehr ist in Pforzheim möglichst stadt- und umweltverträglich abzuwickeln. Sie haben eine Vision: künftig „sollen 50 Prozent aller Wege zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV zurückgelegt werden“. Erreicht werden kann das durch eine funktionale Durchmischung von Stadtquartieren, dem Vorrang der Innenentwicklung oder einer verbrauchernahen Versorgung und Stärkung der Nahmobilität. Dafür wollen die Gutachter das Wegenetz ausbauen, eine hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum schaffen oder das Radverkehrsnetz weiter entwickeln. Auch an die Einrichtung überdachter, diebstahlsicherer und beleuchteter Fahrradabstellanlagen wird gedacht, die Realisierung eines gesamtnetzbezogenen Wegweisungssystems angestrebt. Das Ganze ist mit einer vernünftigen Marketingstrategie zu versehen.

 

Attraktiver ÖPNV

Der öffentliche Personennahverkehr soll mit dem städtischen und regionalen Angebot zu einem „integrierten Nahverkehrssystem“ entwickelt werden. Die Zusammenführung der beiden Omnibusbahnhöfe nördlich und südlich der Bahnlinie zu einem zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) ist dabei von herausragender verkehrstechnischer und städtebaulicher Bedeutung.

Die nächsten Schritte nach der Leitbildentwicklung heißen Entwicklung von Planungsszenarien und eine Realisierungskonzeption. Die Politik kann mit diesem Leitbild nunmehr den Grad der Zielereichung verschiedener Varianten feststellen und auf dieser Basis zu sachgerechten Entscheidungen finden. Die Öffentlichkeit kann die komplexen Zusammenhänge der Verkehrsentwicklung besser verstehen, vorgeschlagene Maßnahmen finden damit eine höhere Akzeptanz.

Michael Strohmayer







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