31.01.12
Umfangreiches Begleitprogramm bemüht sich um Vermittlung an junge Generation – Erstmals findet Kundgebung „Bündnis Pforzheim Nazifrei“ statt
Die Stadt Pforzheim setzt im Gedenken an den 23. Februar 1945 neue Akzente: Wie bereits im vergangenen Jahr sucht und beschreitet sie gemeinsam mit Vertretern aus den Bereichen Kirche, Kultur und Gesellschaft neue Wege der Erinnerung, ohne dabei auf bewährte Traditionen zu verzichten. „Es ist uns gelungen, ein Programm zusammenzustellen, das jüngere Generationen in das Gedenken mit einbezieht“, stellt Kulturreferentin Isabel Greschat heraus. Das könne nur gelingen, wenn an die Erfahrungen der Jugendlichen angeknüpft werde. Viel Leidenschaft, viel Begeisterung war dabei, als sich 2011 zahlreiche Kindertagesstätten und Schulen, aber auch Bürgervereine, Organisationen und Privatpersonen aus ganz Pforzheim erstmals an der Mosaikaktion auf dem Pforzheimer Marktplatz beteiligten. In diesem Jahr wird die Aktion fortgesetzt. 250 Einzelteile werden dabei schätzungsweise zusammenkommen. Ab 10 Uhr wird das Puzzle am 23. Februar in Anwesenheit von Oberbürgermeister Gert Hager u.a. von Schülern der Fritz-Erler-Schule auf Pforzheimer Marktplatz zusammengebaut. Die Jugendlichen werden dabei auch das Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan vortragen und einen Ausdruckstanz sowie Musik aufführen.
Tradition hat die zentrale Gedenkveranstaltung, die am Gedenktag selbst um 16 Uhr auf dem Hauptfriedhof beim Ehrenkreuz der Großgrabstätte stattfindet. Zur inneren Einkehr lädt die ökumenische Orgelmeditation in der Schlosskirche ein, die dieses Mal bereits um 18 Uhr beginnt. Hintergrund dafür ist die Kundgebung „Bündnis Pforzheim Nazifrei“, die für 19.15 Uhr auf dem Pforzheimer Marktplatz angesetzt ist. In einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenschluss haben die Pforzheimerinnen und Pforzheimer hier die Chance, ein deutliches Zeichen der unmissverständlichen Ablehnung der sogenannten „Mahnwache“ zu setzen, die alljährlich von Anhängern des rechtsradikalen Vereins „Freundeskreis Ein Herz für Deutschland e.V.“ am Gedenktag der Zerstörung Pforzheims auf dem Pforzheimer Wartberg stattfindet. Das Glockengeläut der Pforzheimer Kirchen zum Gedenken an den Angriff beginnt um 19.50 Uhr (bis 20.10 Uhr), was dem historischen Zeitraum der Bombardierung entspricht.
Daneben gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, aus dem an dieser Stelle nur einige Höhepunkte herausgegriffen werden können: So gibt es musikalische Aufführungen (z. B. „Rock gegen Rechts“ am 11. Februar, veranstaltet vom Stadtjugendring Pforzheim e.V., den Falken, dem DGB, und der SJR Betriebs GmbH im Haus der Jugend), stadtgeschichtliche Filme im Kommunalen Kino (z.B. „Code Yellowfin“ am 16. Februar oder Rolf Schweizers „Requiem“ am 18. Februar in Anwesenheit des Komponisten selbst), Vorträge (z.B „Frieden? Hemmnisse und Hoffnungen in den drei Schriftreligionen“ am 22. Februar in der Auferstehungskirche mit dem Bischof von Oldenburg i.R. und Militärbischof i.R. Peter Krug, Xanten), Inszenierungen im Stadttheater („Das Tagebuch der Anne Frank“ am 23. Februar, 18 Uhr) sowie Führungen am Modell des zerstörten Pforzheim im Stadtmuseum (am 26. Februar mit Kunsthistorikerin Christina Klittich). Zum letzten Mal werden in diesem Jahr die Bildtafeln zum kriegszerstörten Pforzheim aufgestellt.
Alle Programmpunkte mit den genauen Daten lassen sich dem offiziellen Begleitprogramm entnehmen, das auch im Internet zu finden ist: http://www.kultur.pforzheim.de
Direkt unter www.pforzheim.de gibt es einen Link zu einer Sonderseite zur Kundgebung am 23. Februar.
*** Zur Geschichte Am Abend des 23. Februars 1945 griffen alliierte Bomber Pforzheim an. Die Goldstadt stand durch ihre Feinmechanik herstellenden Betriebe, die eine Zünderproduktion möglich machten, und die militärisch wichtigen Bahnanlagen auf der Zielliste der Alliierten. Im 22-minütigen Bombenhagel und dem anschließenden Feuersturm starben bis zu 17.600 Menschen. Zwei Drittel des Stadtgebietes wurden zerstört. Die Bombardierung veränderte nicht nur das architektonische Gesicht der Stadt – sie prägt bis heute das Leben derer, die das Inferno überlebten: Das Erinnern an den 23. Februar 1945 und seine Ursachen bildet einen zentralen Bestandteil in der Identität der Pforzheimer. |