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Grundlegende Erneuerung der Pforzheimer Kanalisation in der Innenstadt geplant


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30.07.10

Sicherheit der Abwasserentsorgung soll gewährleistet und die Kanalisation auf aktuelle Wassermengen angepasst werden – Umweltschutz spielt zentrale Rolle: Wasserqualität wird nachhaltig verbessert



Das Kanalisationssystem der Pforzheimer Innenstadt wird grundlegend erneuert und an aktuelle Wassermengen angepasst. Fast zweieinhalb Jahre werden die umfangreichen Bauarbeiten des Eigenbetriebs Stadtentwässerung Pforzheim (ESP) dauern: von November 2010 bis August 2013. Abspielen werden sie sich zum größten Teil unterhalb von Nagold, Enz und Emma-Jaeger-Straße – und zwar in den Abschnitten, die zwischen Stadtkirche und Altstadtkirche liegen. Da die bestehende Kanalisation bereits über 100 Jahre alt ist, lassen sich die Arbeiten nicht aufschieben. „Eine sichere Abwasserentsorgung wollen wir auch in Zukunft gewährleisten“, beschreibt Erster Bürgermeister Roger Heidt eines der wesentlichen Ziele des Projekts. Aber auch Umweltschutz-Gesichtspunkte spielen eine zentrale Rolle: „Künftig sollen weniger Schmutz- und Schadstoffe unsere Flüsse belasten. Wir wollen den Bürgerinnen und Bürgern ein nachhaltig qualitätvolles und sauberes Wasser gewährleisten“, so Roger Heidt. Rund 26 Millionen Euro kostet das gebührenfinanzierte Projekt des ESP und soll in mehreren Phasen ablaufen.

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Die zu bauenden Kanaltrassen wurden dabei so gewählt, dass Auswirkungen auf den Straßenverkehr möglichst gering bleiben. Dennoch wird es zeitweise zu Sperrungen in Teilbereichen der Rennfeldstraße, der Melanchthonstraße, der Pflügerstraße und der Emma-Jaeger-Straße kommen. Anlieger sind vor allem durch den zeitweisen Wegfall von Parkplätzen an der Stadtkirche (Melanchthonstraße), der Rennfeldstraße, der Theaterstraße und später auch der Gabelsberger Straße betroffen. Weitreichenden Umleitungen sind erst von November 2012 bis März 2013 zu erwarten. Dann nämlich ist der Bereich St.-Georgen-Steige und Kreuzung Kreuzstraße/ Calwer Straße bis hin zur Auerbrücke betroffen. Nur noch eine Spur wird hier stadtauswärts Richtung Buckenberg/Haidach führen. Umgekehrt muss der Verkehr in die Innenstadt komplett über die Gesellstraße und die Zweite Buckenberg-Auffahrt umgeleitet werden.

Intensive Öffentlichkeitsarbeit

Besonders wichtig ist dem Ersten Bürgermeister, dass die Bürgerinnen und Bürger jederzeit gut darüber informiert sind, mit welchen Einschränkungen sie zu rechnen haben und wie lange diese dauern. Deshalb ist eine ganze Reihe von Initiativen der Öffentlichkeitsarbeit geplant: Ständig aktualisiert wird der Internetauftritt unter www.pforzheim.de/enzdueker. Ein Informationsflyer wird Anlieger und Verkehrsteilnehmer über das Bauprojekt und die zu erwartende Einschränkungen in Kenntnis setzen, Baustellenschilder werden aufgestellt. Die Anliegerinnen und Anlieger sollen zusätzlich in Versammlungen die Gelegenheit bekommen, ihre direkten Fragen zu stellen. In der Östlichen-Karl-Friedrich-Straße 37a wird ein Projektbüro eingerichtet, in dem aktuelle Pläne und Materialien aushängen bzw. ausliegen. Weitere Aktionen wie ein Baustellen-Eröffnungsfest und Baustellen-Rundgänge sind denkbar. Auch die Medien werden regelmäßig über Pressedienste und Pressegespräche über Aktuelles informiert.

9.000 Liter Abwasser pro Sekunde

Als die bestehenden Abwasserleitungen vor über 100 Jahren gebaut wurden, ging man noch von ganz anderen Einwohnerzahlen und Abwassermengen aus. Heute müssen pro Sekunde über 9.000 Liter Abwasser aus den verschiedenen Einzugs- und Stadtgebieten durch die Innenstadt geleitet werden. – Zum Vergleich: 19.800 Liter fließen pro Sekunde durch die Enz. – Für die bestehende Kanalisation ist diese Entwicklung auf Dauer nicht verkraftbar. Hinzu kommt ein weiteres Problem: In Gebieten mit Mischwasserkanälen – also Kanälen, durch die sowohl Regen- als auch Schmutzwasser fließt, schwankt die abzuleitende Wassermenge je nach Wetterlage stark. So kann es vorkommen, dass sich bei sehr geringer Strömungsgeschwindigkeit in den Kanalisationsrohren Schmutzstoffe und Sand absetzen (Sedimentation). Bleiben diese dort lange unbewegt, kann es zu Verstopfungen kommen. Überschwemmungen und hohe Kosten sind die Folge. Dieser Gefahr will der ESP mit dem Bau eines Luftkissen-Dükers begegnen.

Was ist ein Luftkissen-Düker?

Beim Bau der neuen Abwasserleitungen in der Innenstadt müssen die Kanalrohre auch unter den beiden Flüssen Nagold und Enz durchgeführt werden. Das Fachwort für eine solche Unterführung eines Rohres lautet Düker.

Die Spezialform des Luftkissen-Dükers soll nun die Strömungsgeschwindigkeit des Abwassers ständig über dem Punkt halten, an dem sich Schmutz und Sand in den Rohren festsetzen. Das wird mit Hilfe eines Luftkissens erreicht, das sich jederzeit an unterschiedliche Abflussmengen anpasst. Generell gilt: Fließt wenig Abwasser durch die Kanalisation, wird das Luftkissen erhöht, um die Strömungsgeschwindigkeit zu vergrößern. Fließt viel Abwasser durch die Kanalisation, wird das Luftkissen verringert oder ganz abgelassen. Damit steht der ganze Querschnitt für den Abfluss des Abwassers zur Verfügung.

In den Städten Basel, Hamburg und Dresden gibt es bereits Luftkissen-Düker. Dort hat man sehr positive Erfahrungen mit der neuen Technik gemacht.

In welchen Phasen verläuft das Projekt?

(1.) Luftkissen-Düker unter Nagold und Enz – 15 Meter tief und fast 500 Meter lang

In einem ersten Schritt wird in der Zeit von November 2010 bis September 2012 das Abflussrohr unter Nagold und Enz durchgeführt – und zwar in den Flussabschnitten, die zwischen Stadtkirche und dem Parkplatz an der Theaterstraße liegen. Es wird also in einer Tiefe von 15 Metern ein fast 500 Meter langer Luftkissen-Düker gebaut. Die Arbeiten erfolgen in geschlossener Bauweise (Vortrieb). Somit wird ein Tunnel vorangetrieben. Anschließend folgen die Betonierarbeiten und der Einbau der Technik. Während der Bauarbeiten entfallen die Parkplätze an der Theaterstraße und an der Stadtkirche (Melanchthonstraße). Ferner in der Rennfeldstraße, da hier die Zufahrt zur Baustelle vorgesehen ist. Der Zugang zu den Häusern und in die Stadtkirche wird weitestgehend gewährleistet. Ständig gewährleistet ist der Zugang ins Emma-Jaeger-Bad. Auch die Benutzung des Wachtelstegs und des Inselstegs ist möglich.

(2.) 500 Meter langer Stauraumkanal unterhalb der Emma-Jaeger-Straße

Zum Teil gleichzeitig mit dem Vortrieb des Luftkissen-Dükers wird zwischen Mai 2011 und September 2011 unterhalb der Emma-Jaeger-Straße ein 500 Meter langer Stauraumkanal gebaut. In dem Bereich zwischen dem Parkplatz an der Theaterstraße und der Altstädter Brücke geschieht dies in einer Tiefe von sieben Metern in geschlossener Bauweise, d.h. im Vortrieb. Das letzte Stück des Stauraumkanals, das unterhalb der Brühlstraße endet, wird dagegen in offener Bauweise hergestellt. Hier wird für dieses kleine Stück  in einer Tiefe von dreieinhalb Metern von oben her gebaut.

Aufgabe des Stauraumkanals ist es, Mischwasser zu speichern und dem Regenüberlaufbecken in der Abnobastraße zur Regenwasserbehandlung gedrosselt zuzuführen.

(3.) Stauraumkanal unterhalb der Kreuzstraße

Auch unterhalb der Kreuzstraße und dem ersten Stück der Gabelsberger Straße wird in einer Tiefe von sieben Metern ein 130 Meter langer Stauraumkanal in geschlossener Bauweise, also im Vortrieb, gebaut. Dieser soll nach wasserrechtlicher Vorgabe das Mischwasser aus dem Buckenberg/ Haidach-Gebiet aufnehmen und zwei bestehende Regenüberläufe ersetzen, die zurzeit die Enz noch mit einem hohen Schadstoff-Anteil belasten. Außerdem werden zwei Bauwerke im Bereich der Pflügerstraße hergestellt – und zwar auf der Höhe Pflügerstraße/ Obere Augasse und Pflügerstraße/ Hermannstraße. Die Arbeiten finden zwischen Juni 2012 und voraussichtlich März 2013 statt und werden in dieser Zeit zu umfangreichen Einschränkungen im Straßenverkehr führen.

Betroffen ist der Bereich St.-Georgen-Steige und Kreuzung Kreuzstraße/ Calwer Straße bis hin zur Auerbrücke. Nur noch eine Spur wird hier stadtauswärts Richtung Buckenberg/Haidach führen. Stadteinwärts muss der Verkehr aus dieser Richtung komplett über die Gesellstraße und die Zweite Buckenberg-Auffahrt umgeleitet werden. Die Abbiegemöglichkeit von der Calwer Straße in die Kreuzstraße entfällt. Auch die Pflügerstraße wird in Teilbereichen gesperrt. Parkplätze entfallen an der Gabelsberger Straße. Der Zugang zu den Häusern und Geschäften wird jedoch weitestgehend gewährleistet.

(4.) Instandsetzung von Kanälen

In der Rennfeldstraße, der Melanchthonstraße und der Gabelsbergerstraße werden zwischen Mai 2012 und Januar 2013 in offener Verlegung Kanäle instand gesetzt. Außerdem werden bestehende Schachtöffnungen und Baugruben genutzt, um Kanäle mittels grabenloser Techniken instand zu setzen – und zwar in der Kreuzstraße, in der Pflügerstraße und bei der Nagoldquerung zwischen Melanchthonstraße und Wachtelgasse. Die Anlieger werden rechtzeitig vor den jeweiligen Arbeiten informiert.

 

Weitere Informationen erhalten Sie hier

 


Links:

www.pforzheim.de/enzdueker




Dateien:
Auswirkungen_Maßnahmen4.pdf
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