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Der bronzene Mohr

Lebensnah wird das Bildnis von Musikdirektor Theodor Mohr (1826-1903) in einer großen Bronzegussplakette vorgestellt. Der ernste, würdevolle Blick des Dargestellten kontrastiert mit der zwar gescheitelten, aber leicht zotteligen Frisur. Auch der nachlässig hängende Oberlippenbart widerspiegelt einen Menschen, dem Musik wichtiger als Äußerliches ist. Eine schöne Umschrift in erhabenen Buchstaben ergibt den Namen des Portraitierten: Theodor Mohr. Vor allem als Dirigent des Männergesangsvereins 1858 Pforzheim hat er sich bleibende Verdienste erworben.

1866 übernahm Mohr, aus Freiburg kommend, die Leitung des MGV. In seiner Ära zählte der Gesangsverein zu den Spitzenchören in Pforzheim und trat bei zahlreichen offiziellen Anlässen auf, insbesondere wenn hoher Besuch aus dem badischen Fürstenhaus in der Stadt weilte. Seine musikalische Begeisterung und Vielseitigkeit bewies Mohr auch als Gründer und Chorleiter des Musikvereins, als Chorleiter der Gesangvereine Freundschaft und Liedertafel und natürlich als Komponist. Der Maestro engagierte sich zudem als Mitglied des engeren Ausschusses des badischen Sängerbunds. Nachdem im fortgeschrittenen Alter zwei Verlobungen in Pforzheim nicht zum gewünschten Erfolg führten, orientierte er sich privat mehr nach Karlsruhe, wo er zusätzlich die Leitung des Cäcilienvereins übernahm. Zu seinem 70. Geburtstag wurde Theodor Mohr zum Bundeschormeister des Badischen Sängerbunds ernannt. Er zählte auch zu den Trägern des Zähringer Löwenordens.

Aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde Mohr am 3. Januar 1903 mit einem silbernen Lorbeerkranz aus seinen Funktionen beim MGV verabschiedet. Er verstarb am 14. Oktober 1903 in Karlsruhe.

Der Gemeinderat der Stadt Pforzheim würdigte am 21. Dezember 1976 mit Straßenbenennungen eine Gruppe von Männern, die das Musikleben in Pforzheim im 19. und 20. Jahrhundert befruchtet haben. Unter Ihnen Theodor Mohr.

Der Schöpfer der 42,5 cm (!) großen Bronzeplakette war kein Geringerer als Professor Adolf Schmid (geb. am 15. Juni 1867 in Stuttgart, gest. am 31. März 1944 in Pforzheim), der seit 1911 an der Kunstgewerbeschule unterrichtete. Als Kleinplastiker, Medailleur und Ziseleur machte er sich einen Namen. So war Schmid berufen, zum 70. Geburtstag des Prinzen Karl von Baden 1902 eine Medaille zu entwerfen. Auch Franz Liszt und Johann Peter Hebel wurden von ihm 1904 künstlerisch in Metall portraitiert. Die Städte Karlsruhe und Konstanz versicherten sich seiner Dienste mit Medaillenprägungen zu der Zweihundertjahrfeier der Karlsruher Stadtgründung 1715 bzw. der Einhundertjahrfeier der Vereinigung von Konstanz mit Baden 1806. Adolf Schmid arbeitete unter anderem mit den Pforzheimer Prägeanstalten B. H. Mayer und Schmidhäussler zusammen.

Der Theodor-Mohr-Guss von 1904, sorgfältig ziseliert und in gelblich-dunkler Farbe patiniert, stellt ein Unikum dar. Portraitplaketten in dieser Größe waren einerseits eigenständiges Kunstobjekt. Andererseits dienten sie auch als zu reduzierende Vorlage, um Patrizien in fast beliebiger Größe für spätere Medaillenprägungen herzustellen.