Inhalt

Johannes Reuchlin (1455-1522) rief Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf. Er schuf die Grundlagen für die Bibelübersetzung ins Deutsche und wurde zum Wegbereiter der Aufklärung. Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn ein "Wunderzeichen".

Die Ausstellung
Das Museum Johannes Reuchlin gewährt Einblick in das Sprachlaboratorium des Humanisten und stellt den Medienstreit vor, den Reuchlin an der Schwelle zur Neuzeit gegen die "Dunkelmänner" führte. Folgen Sie Reuchlins bewegtem Leben und "blättern" Sie in seinen Büchern und Briefen.

Stätte des europäischen Humanismus

Reuchlins wertvolle Bibliothek wurde einst in einem spätgotischen Anbau der Schloßkirche aufbewahrt, dem »Reuchlinkolleg«. Dieser Ort galt schon im 16. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit. 1922 richtete die Stadt ein Reuchlinmuseum ein. Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurden Reuchlinkolleg und Reuchlinmuseum total zerstört.

Der neue Raum

Das »Reuchlinkolleg« an der Schloßkirche wurde in den Jahren 2006–08 durch die Freunde der Schloßkirche e. V. für das Museum Johannes Reuchlin wiederaufgebaut. Die Entwürfe lieferte der Architekt Prof. Bernhard Hirche.

Erleben Sie einen Raum, der in seiner architektonischen
Gestalt historische Spuren und moderne Ausstellungspräsentation vereint.
Jede der vier Ausstellungsebenen hat einen eigenen Themenschwerpunkt. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, über Treppen vom Erdgeschoss bis zum vierten Level emporzusteigen oder das interaktive Angebot der Ausstellungspräsentation zu nutzen.

Mehr Information zu Johannes Reuchlin

Wirkung

»Die Wahrheit wird für mich streiten« –
Warum ist Reuchlin bis heute unvergessen?

Im »Augenspiegel« machte Reuchlin sich zum Fürsprecher der jüdischen Literatur und kämpfte gegen die »Dunkelmänner«, die die Bücherverbrennung forderten. Mit seinem selbstlosen Engagement für eine verfolgte Minderheit, die europäischen Juden des Mittelalters, setzte er an der Schwelle zur Neuzeit ein bis heute nachwirkendes Zeichen. Reuchlins Großneffe, der Refor­mator Philipp Melanchthon, legte 1552 den Grundstein der Reuchlin-Verehrung.

Werk
 

»Zu den Quellen« – Was faszinierte Reuchlin?


Reuchlin hinterließ seiner Vaterstadt eine wertvolle Sammlung hebräischer und griechischer Bücher. Diese Humanistenbibliothek stand einst im Anbau der Schloßkirche. In seinem Buch »Die Kunst der Kabbala« rief er Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf. Reuchlins Druckwerke, Theaterstücke, Hebräisch- und Kabbala-Studien machten ihn berühmt. Mit seiner Sprachlehre schuf er die Voraussetzungen für die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Deutsche. In Form von Faksimiles wird Reuchlins Leistung am authentischen Ort rekonstruiert.

Leben

»Das dreisprachige Wunder« – Wer war Reuchlin?

Von Beruf war Reuchlin Jurist und stand im Dienst der württembergischen Herzöge. Die europäische Gelehrtenwelt aber staunte nicht schlecht über das Sprachgenie, das »dreisprachige Wunder aus Deutschland«: Reuchlin beherrschte neben Deutsch, Französisch und Italienisch auch die drei Sprachen der Bibel, Griechisch, Hebräisch und Latein. Die Ausstellung zeichnet seinen Lebensweg nach, schildert die Begegnung mit den berühmten Humanisten Italiens.

Herkunft
»Pforzheim, Du Quell und Ursprung meiner selbst« – Woher kam Reuchlin?

Mit dem lateinischen Namenszusatz »Phorcensis« betonte Johannes Reuchlin (1455–1522) seine Herkunft. Die Familie, die Lateinschule und der Knabenchor der Schloßkirche waren erste Stationen auf dem Lebensweg des hoch begabten Jungen, der mit 16 Jahren zum Studium nach Paris zog.

Stätte des europäischen Humanismus
Reuchlins wertvolle Bibliothek wurde einst in einem spätgotischen Anbau der Schloßkirche aufbewahrt, dem »Reuchlinkolleg«. Dieser Ort galt schon im 16. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit. 1922 richtete die Stadt ein Reuchlinmuseum ein. Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurden Reuchlinkolleg und Reuchlinmuseum total zerstört.

Der Ausstellungsbau


Das »Reuchlinkolleg« an der Schloßkirche wurde in den Jahren 2006–08 durch die Freunde der Schloßkirche e. V. für das Museum Johannes Reuchlin wiederaufgebaut. Die Entwürfe lieferte der Architekt Prof. Bernhard Hirche. ­Erleben Sie einen Museumsbau, der in seiner Raumwirkung historische Spuren und moderne Ausstellungspräsentation vereint.

Der Stiftschor

Als Teil des Museums zugänglich ist der spätgotische Stiftschor, dessen Innenraum in der Renaissancezeit mit aufwändigen Grabdenkmälern zur Grablege der Markgrafen von Baden ausgestaltet wurde. Den Raum prägt ein kostbarer Zyklus moderner Farbglasfenster, gestaltet von Charles Crodel.

Wunderzeichen


Das Museum Johannes Reuchlin lädt dazu ein, einen Humanisten von europäischer Bedeutung und sein faszinierendes Lebenswerk zu entdecken. Johannes Reuchlin (1455–1522) rief Christen, Juden und Muslime zum Dialog auf. Mit seinem Druckwerk »Augenspiegel« sorgte er 1511 europaweit für Aufsehen. In diesem Werk trat er für die bedrohte jüdische Minderheit ein und berief sich auf menschliche Grundrechte: Viel Schlimmes könnte daraus entstehen, wenn wir ihre Bücher verbrennen würden. Die Anerkennung kultureller Vielfalt machte Reuchlin zum Wegbereiter der europäischen Zivilgesellschaft – Johann Wolfgang von Goethe nannte ihn ein »Wunderzeichen«.

Die Ausstellung

Das Museum Johannes Reuchlin stellt den Medienstreit vor, den Reuchlin an der Schwelle zur Neuzeit gegen die »Dunkelmänner« führte. Das Museum gewährt Einblicke in das Sprachlaboratorium des Humanisten, der als christlicher Hebraist und Gräzist die Grundlagen für die Bibelübersetzung ins Deutsche schuf. Folgen Sie Reuchlins bewegtem Leben, erleben Sie die interaktiven Medienstationen,»blättern« Sie in seinen Büchern und Briefen.