Architektur der 50er und 60er Jahre: Eine Entdeckungsreise ins Teenageralter der Bundesrepublik

Bild: Hauptbahnhof Pforzheim

Hauptbahnhof Pforzheim

Bild: Schmuckmuseum Pforzheim

Schmuckmuseum Pforzheim

Bild: Matthäuskirche Pforzheim

Matthäuskirche Pforzheim

Nirgendwo könnte man eine architektonische Entdeckungsreise ins Teenageralter der Bundesrepublik besser antreten als in Pforzheim: bei einem Bummel durch die Innenstadt.

Scheinbar schwerelos schwebende Flugdächer geben den Gebäuden eine schwungvolle Note, Blumenfenster treten an den Fassaden hervor, Mosaike zieren als fröhlicher Schmuck Hauswände und Balkone und sind als golden schimmernde Mosaiksteinchen in der dunklen Naturfassade des Bahnhofs zu finden.

Am 23. Februar 1945 wurde die Pforzheimer Innenstadt komplett durch Bombenhagel und einen Feuersturm zerstört. Nach dem Krieg bot sich der Stadt die Chance zum Neuanfang. Nach Überwindung der Diktatur dominierte in den 50er Jahren der Wunsch nach Offenheit und Freiheit. Das zeigt sich in der Architektur in einer leichten und transparenten Bauweise, dem Einsatz von Glas und einer Lust an verschwenderischem Umgang mit Raum.

Eines der markantesten Beispiele nachkriegsdeutscher Verkehrsarchitektur ist das 1958 eingeweihte Empfangsgebäude des Pforzheimer Hauptbahnhofs. Mit großzügiger Glasfront und kühnem Schwebevordach, öffnet sich die Bahnhofshalle den Besuchern als elegantes Entree zur Innenstadt. In der Dämmerung wandelt sich die von Architekt Helmuth Conradi geschaffene Halle zu einem leuchtenden Körper.

International Beachtung findet bis heute das Reuchlinhaus im Stadtgarten. Manfred Lehmbruck, ein Schüler des Bauhauses und Sohn des bekannten Bildhauers Wilhelm Lehmbruck, schuf den völlig neuen Bautyp. Kontrastreiche Materialien und Lichtverhältnisse, Panoramascheiben und die frei schwingende Treppenspirale, in der sich der Charakter der Leichtigkeit zeigt, zeichnen den von Le Corbusier und Mies van der Rohe inspirierten Bau aus. Dem großzügigen Foyer sind vier pavillonartige Quader angegliedert. Sie beherbergen das Schmuckmuseum, den Kunstverein Pforzheim und ein Museumscafe.

Im Pforzheimer Stadtteil Brötzingen-Arlinger schuf der bekannte Architekt Egon Eiermann die Matthäuskirche, eine Inkunabel der Nachkriegsmoderne mit aus Trümmersplitt gegossenen, farbigen Betonwabensteinen. Das Motiv der aus Trümmersplitt hergestellten Betonwabensteine blieb in Eiermanns Werk singulär – trotz der formalen Nähe des nachfolgenden Neubaus der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin.

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Tipps für Denkmaleigentümer

Pforzheim-Kulturdenkmale

 

www.kultur.pforzheim.de

Architekturführer der 50er- und 60er-Jahre

Der neue Architekturführer ist ab sofort beim Kulturamt der Stadt Pforzheim (Herausgeber) und der Touristinformation gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro erhältlich.

Die Broschüre beschäftigt sich mit den architektonischen Leistungen der 50er- und 60er-Jahre. Die einzelnen Objekte werden jeweils mit einem Foto und Informationen zur künstlerischen Bedeutung dargestellt.

 



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