contenu

Bild: Birnenblüten ©Karola Keitel

Unter Streuobstwiesen versteht man die - insbesondere in Süd- und Südwestdeutschland - landschaftsprägenden Wiesenbereiche, auf denen in der Regel Hochstamm-Obstbäume unterschiedlicher Art, Sorte, unterschiedlichen Alters in extensiver Bewirtschaftungsweise - quasi "verstreut" - vorhanden sind. Der Begriff "Streuobst" stammt wohl aus den 1930er Jahren, Streuobstwiesen sind aber viel älter, ihre größte flächenhafte Ausdehnung haben sie im 19. Jahrhundert erfahren. Streuobstwiesen sind z. B. eine (noch?) typische Kulturlandschaft im Albvorland, in Oberschwaben, im Kraichgau.

Um fast alle Dörfer waren regelrechte Streuobstgürtel angelegt, vor allem um die Bevölkerung ortsnah mit frischem Obst zu versorgen. Gleichzeitig konnte die Wiese genutzt werden als Weideland oder zur Streu- und Futtergewinnung für den Viehbestand. Streuobstwiesen müssen nicht mit Mineraldüngern versehen werden, Pflanzenschutzmittel sind überflüssig. Daher schützen Streuobstwiesen auch die Böden und das Grundwasser! Streuobstwiesen liefern in der Regel naturbelassenes Obst für eine gesunde Ernährung - eben ohne Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - und dienen auch der Erhaltung der Genressourcen seltener, lokaler und robuster Obstsorten.

Ohne die blühenden Streuobstbäume ist ein wirklicher Frühling nicht vorstellbar!

Durch die extensive Nutzung konnte sich über Jahrhunderte ein eigener Lebensraum für viele, oft seltene Tier- und Pflanzenarten entwickeln, der sehr schützenswert ist. Die Artenvielfalt der extensiven Streuobstwiesen ist mit die höchste in Mitteleuropa! Die Streuobstwiesen werden auch als die "schwäbische Savanne" bezeichnet.

Lokalklimatisch haben Streuobstflächen eine positive Wirkung z.B. für die Kalt-und Frischluftbildung im Nahbereich zu den im Sommer aufgeheizten Siedlungsflächen.

Streuobstwiesen sind somit sehr wichtig aus ökologischen, landschaftsästhetischen, kulturgeschichtlichen und gesundheitserhaltenden Gründen.

Die für die Kulturlandschaft Süd- und Südwestdeutschlands vormals typischen Streuobstwiesen sind heute vielerorts auf dem Rückzug oder gar ganz verschwunden. Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Flurbereinigung, das Siedlungswachstum, der Ausbau von Verkehrstrassen u. a. m. haben oft Flächen in den ortsnahen Streuobstgebieten beansprucht.

Streuobstwiesen prägen in verschiedenen Bereichen aber noch die Landschaft - auch im Stadtkreis Pforzheim. Alle Bewirtschafter und Obst- und Gartenbauvereine, die die Obstbäume und die Wiesen extensiv pflegen, haben sich um die biologische Vielfalt hier im Stadtgebiet Pforzheims verdient gemacht.