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Sie sind nur im Sommer bei uns, das Winterhalbjahr verbringen sie im tropischen und subtropischen Afrika. Sie nehmen weite und gefährliche Flugstrecken über die Sahara, das Mittelmeer und die Alpen auf sich, um zu uns zu kommen! Ungefähr in der Zeit von April bis Oktober halten sie sich in unseren Siedlungen auf - dort, wo Nahrung und Nestbaumaterial ihnen zur Verfügung stehen. Im Unterschied zu den Mauerseglern besiedeln sie bevorzugt kleinere Ortschaften, seltener Quartiere in Großstädten. 

Mehlschwalben bauen kunstvolle Nester hauptsächlich aus feuchtem Lehm an senkrechten und rauen Hauswänden unter schützenden Dachüberständen. Der Nestbau dauert zumeist ein bis zwei Wochen. Für ein einziges Nest werden bis zu 2.800 Lehmklümpchen gesammelt und an der Wand zusammengeklebt. Rauchschwalben nisten bevorzugt in Behausungen mit dauerhaft geöffneten Ein- und Ausflugmöglichkeiten, gerne in Vieh- und Pferdeställen. Je nach Witterungsverlauf können bei den Schwalben ein bis zwei Bruten erfolgen.

Seit vielen Jahrhunderten sind Schwalben schon in unseren Siedlungen, in vielen Kulturen werden sie als Frühlingsboten und Glücksbringer verehrt. Was wären die Sommer ohne Schwalben? Viele Menschen erfreuen sich an ihren Kunstflügen, und zudem sind sie sehr nützlich: Sie vertilgen eine Unmenge an Insekten (Stechmücken, Fliegen, Blattläuse u.a.), die uns und unseren Pferden, Rindern und Haustieren lästig werden. Sie verzehren rund 11 Gramm Insekten - mehr als die Hälfte ihres Eigengewichtes. Das entspricht pro Vogel einer Menge von etwa 2.000 Stechmücken und 600 Blattläusen täglich! Schwalben leisten damit auch einen großen Beitrag zur Kontrolle von Schadinsekten und Parasiten in der Landwirtschaft und unterstützen unser Wohlbefinden! 

Seit einiger Zeit nehmen die Bestände der Schwalben leider ab. Rauch- und Mehlschwalbe sind auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Umso wichtiger ist der Schutz und die Förderung dieser bewundernswerten Vögel!

Leider entstehen immer wieder Konflikte mit Hauseigentümern und Hausbewohnern. Lehmspritzer und Kotkrümel werden als Belästigung und Verschmutzung des eigenen Hauses angesehen. Mit zum Teil sehr rabiaten Methoden werden Schwalbennester abgeschlagen und der Anflug durch Drahtgeflechte oder Spikes verhindert.

Aber: Alle Schwalben sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützte Arten und ihre Nestbauten müssen grundsätzlich geduldet werden. Auch außerhalb der Nestbau- und Brutzeit dürfen diese Nester nicht entfernt oder die Anflugmöglichkeit verhindert werden! Ein Verstoss gegen diese rechtlichen Vorgaben ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem hohen Ordnungsgeld und der Anbringung von Ersatznisthöhlen geahndet werden kann. Das direkte Töten der erwachsenen Tiere wie auch der Jungtiere ist eine Straftat im Sinne des Tierschutzgesetzes (TSchG).

Im Hinblick auf die Verpflichtung zur Duldung von künstlichen Schwalbennestern kann hier ein Artikel zum Beschluss des OVG Lüneburg vom 14.5.2004 aufgerufen werden.

Nestzerstörung - was tun?

Wenn Sie die Zerstörung von Schwalbennestern beobachten oder davon hören, dass Nester zerstört werden sollen, versuchen Sie, mit den Menschen zu reden. Haben Sie mit freundlichen Worten keinen Erfolg, informieren Sie die Untere Naturschutzbehörde im Stadtkreis Pforzheim (Amt für Umweltschutz - Tel. 07231 - 39 - 2000; E-Mail: afu(at)stadt-pforzheim.de). Auch kann hier ein Informationsblatt aufgerufen werden, das man bei Bedarf verteilen kann.

Wenn Sie Vorkommen von nistenden Schwalben innerhalb des Stadtkreises Pforzheim entdecken, so bittet das Amt für Umweltschutz um Mitteilung (Kontakt wie oben), denn nachgewiesene Vorkommen können letztlich besser geschützt werden. Vielen Dank!

Wenn die Sanierung eines Hauses, an dem Schwalben nisten, geplant ist, ist es wichtig, frühzeitig Kontakt aufzunehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Stadtkreises Pforzheim (Kontakt wie oben). Gemeinsam können eventuell praktikable Lösungen gefunden werden.

Man kann Schwalben unterstützen, indem man zum Beispiel künstliche Nisthilfen mit Kotbrettern anbringt, Baumaterial in Form von Lehmpfützen anlegt und auf Pestizide verzichtet.

Umfassende und nützliche Informationen sind unter diesem Link aufrufbar: NABU - Schwalben willkommen.