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Der Bergbau im Würmtal

Von der Erz-Gewinnung im Würmtal bis zur Fluorid-Gewinnung in der Grube Käfersteig

Der Abbau auf Brauneisen-Manganerz
Triebwagen mit Bergwerkslore vor dem Stollenmund an der Tiefenbronner Straße
Triebwagen mit Bergwerkslore vor dem Stollenmund des Fluß- und Schwerspatwerks an der Tiefenbronner Straße (Auf dem Triebwagen Emil Speer und Jörg Gassmann -mit Helm-)

Nach entsprechenden Funden waren die zahlreichen Gangvorkommen südlich von Pforzheim zumindest teilweise bereits den Kelten bekannt und wurden von diesen genutzt. Für die Folgezeit wurde auch römischer Bergbau in dieser Region nachgewiesen.
Mittelalterlicher Bergbau im 13. Jahrhundert auf zahlreichen Erzgängen, wobei die Liebenecker Burg eine überwachende Rolle spielte.
Im 18. und 19. Jahrhundert lieferten der Liebenecker Gang, der Schönklinger Gang und der Immelsklinger Gang einen Teil der Eisenerze für das Hochofenwerk Benckiser in Pforzheim

Der Abbau auf Baryt Fluorit

Die jüngste Periode des Bergbaus im Würmtal begann im Mai 1932 durch einen W. Bader aus Pforzheim und einem Alois Hartmann aus Wieden mit der Untersuchung der alten Liebenecker Gruben sowie des Flurspatganges an der Käfersteige wo große Fluorit-Quarzbrocken aus dem Waldboden ragten. Ende des Jahres 1932 begann man mit der Erkundung des Käfersteigeganges durch eine Schachtteufe. Im Juli 1933 wurde die Firma Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim Döppenschmitt + Co. GmbH gegründet und übernahm die Schürfrechte von Alois Hartmann. Die Erschließungsarbeiten 1934 in der oberen Teufe ergaben eine Ganglänge von 250 m und eine Mächtigkeit von 14 m.
Außerdem konnte man im Flussspatgang einen 5 m mächtigen bauwürdigen Schwerspatgang erkunden. 1935 beginnt die Förderung mit 10 Mann Belegschaft. Die nassmechanische Aufbereitung des geförderten Materials war in Würm. Im Oktober 1940 übernimmt die I.G. Farbenindustrie AG die Fluss- und Schwerspatwerke. Der Flussspat wird ins Werk Oppenau gebracht und zur Herstellung von Kryolith (Schmelzflussmittel für die elektrolytische Aluminium-Synthese) benötigt. Kriegsbedingt wird 1945 der Betrieb eingestellt.

Die Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim wurden 1952 eine Tochtergesellschaft der Bayer AG in Leverkusen. 1952 wird die Flussspargewinnung auf der Grube Käfersteige wieder aufgenommen. Auch auf dem Liebenecker Gang wird Schwerspat abgebaut. 1956 wird das Flussspat-Haufwerk in Wiesloch bei der Stolberger Zink AG aufbereitet. Ab 1956 übernimmt die Aufbereitung die Fluor Chemie GmbH in Karlsruhe, welche 1959 von den Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim übernommen wird.

Der 1961 fertig gestellte 1,5 km lange Würmtalstollen übernahm nun die Förderung, Wasserhaltung und Bewetterung der Grube Käfersteige. Von 1964 bis 1979 werden über einen Blindschacht die Sohlen 150m, 160m, 180 m, 200 m, 220 m und 240 m aufgefahren. Ab der 240m-Sohle erreichte der Flussspatgang eine Länge von 500 m und eine Mächtigkeit von 30 m. 1981 wird ab der 240m-Sohle der Betrieb auf Gleislostechnik umgestellt. Eine Untertage-Rampe fährt den Gang bis in eine Tiefe von 310 m auf. Durch das Auffahren einer Untersuchungsstrecke 1983 entdeckte man einen zweiten Gangkörper mit einer Länge von 600 m und einer Mächtigkeit von 25 m der fast bis zur Erdoberfläche reichte.

Ab 1989, nach Fertigstellung der Würmtal-Rampe, erfolgte der Abtransport des Flussspat-Rohhaufwerk per Lkw, bis zur Einstellung des Grubenbetriebes im Jahre 1996.
Die Grube Käfersteige lieferte von 1935 bis zur Einstellung der Gewinnung im September 1996
- 1.960.000 Tonnen Flussspat-Rohhaufwerk
- 40.000 Tonnen Schwerspat

Die Grube Käfersteige ist die größte bekannte Flussspat-Lagerstätte Mitteleuropas. Auch heute nach über sechzig Jahren Abbau sind noch erhebliche Mengen bauwürdiger Vorräte vorhanden, sodass es nach der derzeitigen Weltmarklage nicht ausgeschlossen ist, dass der Abbau dort wieder aufgenommen wird. Zuletzt im Jahre 2004 wurde durch einen Investor die Wiederaufnahme ernsthaft untersucht und beim geologischen Landesamt Baden-Württemberg beantragt. Der Weltmarkpreis liegt im Moment bei 330 US-Dollar je Tonne Flussspat.

Jörg Gassmann
Dezember 2009

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Am 4. Dezember ist Barbaratag

Die Heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute

Barbara-Gedicht

So beteten und sangen die Kinder, während die Väter unter Tage Kohle und Bodenschätze aus der Tiefe holten oder einen Tunnel durch das Gestein wühlten:

„Lieber Gott, ich fleh zu dir,
beschütz den guten Vater mir!
Dort unten in dem tiefen Schacht,
gib auf seine Schritte acht!
Der treue Engel sei ihm gut!
Und segne alles was er tut!
Und lass' ihn bald zu hause sein,
den lieben guten Vater mein!
Amen!

Sankt Barbara, bei Tag und Nacht,
fahr' mit dem Vater in den Schacht!
Steh Du ihm bei in jeder Not,
bewahr' ihn vor dem jähen Tod!“