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"Guter Start ins Kinderleben"

Das Modellprojekt wurde in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen durchgeführt. Seit November 2006 war Pforzheim Modellstandort.

Ziel

  • Belastete Eltern, wie etwa sehr junge und allein erziehende Mütter sollen früh unterstützt werden, um Überforderung in der Familie zu vermeiden. Damit soll Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern entgegen gewirkt werden.
  • Es werden interdisziplinäre Kooperationsformen erprobt und Vernetzungsstrukturen entwickelt. Diese sollen ausdrücklich auf bestehenden Regelstrukturen aufbauen und in bestehende Regelstrukturen eingebunden werden.
  • Das Modellprojekt wird im gemeinsamen Diskussions- und Abstimmungsprozess zwischen Praxis und Forschung durchgeführt. Für eine optimale Unterstützung und Versorgung junger Familien werden bestehende interdisziplinäre Kooperationsformen und Vernetzungsstrukturen untersucht und weiterentwickelt. Darüber hinaus wird entwicklungspsychologische Beratung für Eltern angeboten. Die Entwicklungspsychologische Beratung ist eine wissenschaftlich evaluierte videogestützte Beratungsmethode zur Steigerung elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompetenzen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Evaluation der Pilotphase und hat in Aussicht gestellt, auch die Evaluation der Hauptphase des Modellprojekts im Rahmen seines Aktionsprogrammes "Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme" zu fördern. Das Projekt wird von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm (Prof. Dr. Jörg M. Fegert, PD Dr. Ute Ziegenhain) durchgeführt. Das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) wird relevante sozial- und datenschutzrechtliche Fragestellungen herausarbeiten.

Hintergrund

  • Frühe Förderung und Stärkung der Erziehungs- und Beziehungskompetenzen von Eltern ist wirksame Prävention von Vernachlässigung und Kindeswohlgefährdung
  • Zum wirksamem Kinderschutz gehören klar geregelte Verfahrenswege und Zuständigkeiten
  • Die Forschung in anderen Ländern zeigt, dass neue Helfernetze oder neue und parallele Modelle keine Qualitätssteigerung, wohl aber neue Kosten und Vernetzungsprobleme nach sich ziehen. Es ist ausdrückliches Anliegen, das Rad nicht neu zu erfinden, sondern bestehende Versorgungsstrukturen zu verbessern und gegebenenfalls zu ergänzen.
  • Zwischen interdisziplinären Fachkräften und Institutionen werden klare Zuständigkeiten vereinbart und verbindliche Verfahrenswege festgelegt. Jeweils regional werden im Rahmen eines „runden Tisches“ mit Fachkräften aus unterschiedlichen Berufsgruppen und Institutionen eine Bestandsaufnahme bestehender Angebote und Kooperationen erarbeitet und es wird eine gemeinsame Planung entwickelt.

Ziele für die praktische Umsetzung

  • Bestandsaufnahme der bestehenden Vernetzungsstrukturen von Hilfen für junge Eltern an den Modellstandorten
  • Verbesserung der bestehenden bzw. Entwicklung von interdisziplinären Kooperationsformen/Vernetzungsstrukturen von Hilfen für junge Eltern
  • Festlegung von verbindlichen Verfahrenswegen und Zuständigkeiten
  • Erstellung eines Glossars als Verständigungsbasis der interdisziplinären Kooperationspartner. Als Bestandteil dieser Aushandlungs- und Abstimmungsprozesses wird eine „gemeinsame Sprache“ entwickelt. Gegenseitige Unkenntnis über die Aufgabenbereiche und Grenzen des Vorgehens der jeweils anderen Disziplin führt zu erheblichen Reibungsverlusten. Es wird ein Glossar über die interdisziplinären Zugehensweisen und Definitionen erstellt.
  • Stärkung elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompetenzen durch Entwicklungspsychologische Beratung für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern als ergänzender Baustein bestehender Angebote
  • Ein kontinuierlicher Austausch mit anderen interessierten Kommunen wird während des Forschungsprozesses angestrebt
  • Entwicklung eines Inventars zur Risikoabschätzung bei Vernachlässigung und Misshandlung
  • Als Ergebnis des Gesamtprojekts wird als Handreichung ein Vernetzungshandbuch für die Praxis erstellt.

Umsetzung des Paragraphen 8a, SGB VIII

Die erwähnte Betonung klar geregelter Verfahrenswege und Zuständigkeiten versucht der neuen Formulierung des § 8a Kinder- und Jugendhilfegesetz, SGB VIII systematisch gerecht zu werden. Die Vorschrift verdeutlicht, dass auch die freien Träger der Jugendhilfe an dieser Aufgabe zu beteiligen sind. Dabei hat das Jugendamt die Verantwortung dafür, dass in Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen, die Leistungen nach dem SGB VIII erbringen, sichergestellt wird, dass deren Fachkräfte den Schutzauftrag in entsprechen¬der Weise wahrnehmen. Mithilfe der runden Tische an den Modellstandorten sollen die vorhandenen Strukturen zur Versorgung und Unterstützung von Säuglingen und Kleinkindern besser vernetzt, aufsuchenden Interventionen etabliert und Verfahrenswege verbindlich geregelt werden. Eine - insbesondere interdisziplinäre – Risikoabschätzung nach §8a, SGB VIII, wird so erleichtert. Insbesondere für gefährdete Säuglinge und Kleinkinder ist ein solcher gesetzlicher Auftrag zur verbindlichen Zusammenarbeit zentral. Die Gefahr von Misshandlung und Vernachlässigung ist in den ersten fünf Lebensjahren am größten. Im ersten Lebensjahr sterben mehr Kinder in der Folge von Vernachlässigung und Misshandlung als in jedem späteren Alter. Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter finden sich abrupte Über¬gänge von dezenten Hinweisen bis zur akuten Gefährdung. Insofern soll hier ein Schwerpunkt gelegt werden.

Zeitplan

Pilotphase:November 2006 - April 2007
Hauptphase:Mai 2007 - Dezember 2008
Evaluation:Mai 2007 - Oktober 2009